5. September 2026, 8:39 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Jedes Gerät, das sich heute gut verkaufen soll, erhält vom Hersteller den Zusatz „smart“. Inzwischen gibt es einen ganzen Smart-Home-Sektor. Die smarten Produkte lassen sich per App von überall ansteuern und können teilweise auch untereinander kommunizieren. Schöne neue Welt. Doch auch in der alten Welt gab es bereits smarte Geräte, nur bezeichnete sie niemand so. TECHBOOK macht in diesem Artikel einen Streifzug durch die Technik-Historie.
Die smarte Welle beginnt mit der Verbreitung der Sprachassistenten Mitte der 2010er-Jahre. Plötzlich ließ sich per Sprachbefehl das Licht einschalten, die Heiztemperatur regeln oder der eigene Lieblingssong abspielen. Die Idee dahinter ist allerdings schon viel älter.
Übersicht
Schon in früheren Zeiten bemühten sich Ingenieure, Geräte zu entwickeln, die den Alltag von Menschen automatisieren und vereinfachen sollten. Viele Smart-Funktionen gab und gibt es auch in analoger oder elektromechanischer Form. Einziger Nachteil: Die Geräte funktionieren für sich allein und können nicht mit anderen Geräten kommunizieren.
Erste Hausautomation: eine Zeitschaltuhr
Schon in den 1920er- und 1930er-Jahren gab es erste Zeitschaltuhren. Die mechanischen Timer ermöglichten es zum ersten Mal, Lampen, Heizkörper oder Radios zu bestimmten Zeiten automatisch ein- oder auszuschalten.
Auch heute noch gibt es Steckdosen mit integrierter Zeitschaltuhr. Sie werden oft benutzt, um Langfingern durch automatisches Einschalten der Beleuchtung vorzutäuschen, jemand wäre im Haus. Die meisten kennen diesen Trick allerdings inzwischen.
Heute gibt es smarte Steckdosen, die auf dem Prinzip der ersten mechanischen Zeitschaltuhren aufbauen. Nur kann die moderne Variante noch ein paar mehr Funktionen übernehmen. So lassen sich verschiedene Zeitpläne für das Ein- und Ausschalten der Lampen definieren, um es Einbrechern zumindest etwas schwerer zu machen. Die Steuerung funktioniert von jedem Ort aus per App.
Licht, das sich anpassen lässt
Noch etwas älter als die Zeitschaltuhr sind Dimmer. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es erste Geräte zum Regeln der Helligkeit elektrischer Beleuchtung. Dafür war es allerdings notwendig, sich zu bewegen – automatisch funktionierte das nicht. Später kamen Lichtschalter mit integriertem Dimmer auf. Je nach Stimmung oder Tageszeit ließ sich das Licht per Drehregler anpassen.
Heutige smarte Dimmer reagieren per Sensor auf unterschiedliche Lichteinflüsse. Wenn die Abendsonne durchs Fenster scheint, wird das Licht ausgeschaltet, mit einsetzender Dämmerung wieder langsam eingeschaltet. Oder ein Bewegungssensor erkennt, wenn eine Person den Raum betritt, und schaltet automatisch das Licht ein. Einige Geräte reagieren auch auf Gesten, um Lampen ein- oder auszuschalten. Alle grundlegenden Funktionen lassen sich per App einstellen und anpassen. Auch hierfür gilt: altes Prinzip im neuen Gewand.
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Funksteckdosen automatisieren Prozesse
In den 1980er- und 1990er-Jahren ziehen nach und nach Funksteckdosen in Haushalte ein, sei es zur Bedienung einzelner Lampen oder um die Lichterkette am bunt geschmückten Weihnachtsbaum ein- und wieder auszuschalten. Zum Lieferumfang gehört eine kleine Fernbedienung. Somit können die Leuchtmittel bequem vom Sofa aus angesteuert werden. Bei den Funksteckdosen handelt es sich um Smart Home im Kleinformat. Durch die Fernsteuerung, meist per Infrarot, ist die Bedienung eines Geräts zumindest für ein paar Meter vom Standort getrennt.
Auch diese Funktion findet sich in den bereits erwähnten smarten Steckdosen. Sie lassen sich per App, Sprachbefehl oder automatisch nach Zeitplan steuern. Da die Verbindung über das Internet möglich ist, können smarte Steckdosen von jedem Ort aus bedient werden.
Fernbedienung als analoge Steuerzentrale
Apropos Fernbedienung: Für TV-Geräte gibt es diese schon seit den frühen 1950er-Jahren. Im Laufe der Zeit sind neue Geräte wie Videorekorder, DVD-Player und Receiver hinzugekommen, die alle über eine eigene Fernbedienung verfügten. Dadurch ging die analoge Entwicklung in Richtung Universalfernbedienung, eine Steuereinheit für möglichst viele Funktionen.
Genau diesen Gedanken greifen Plattformen wie Apple Home, Google Home oder ähnliche Formate auf: eine Stelle, über die sich alles steuern lässt. Dafür braucht es zwar auch eine Fernbedienung, im Zweifel übernimmt den Job allerdings das Smartphone.
Anrufbeantworter als analoge Mailbox
In der analogen Zeit war ein Anrufbeantworter ein enormer Fortschritt. Schließlich zeigten frühe Festnetztelefone nicht an, ob jemand angerufen hatte. Nicht nur das. Die Übermittlung von Rufnummern per Festnetz funktionierte erst mit der Verbreitung von ISDN. Somit war ein Anrufbeantworter die einzige Möglichkeit, über verpasste Anrufe informiert zu werden.
Im heutigen Smartphone-Zeitalter klingt das absurd. Selbst die ersten Handys aus den Anfängen des Mobilfunkzeitalters verfügten bereits über eine Mailbox. Die grundlegende Technik findet sich auch in heutigen Sprachassistenten oder KI-Agenten. Die Grundidee, jemanden über entgangene Anrufe zu informieren, stammt allerdings aus der analogen Zeit.
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Videotext machte TV-Geräte interaktiv
In den frühen 1980er-Jahren starteten ARD und ZDF ihr Videotext-Angebot. Damit ließen sich Nachrichten erstmals auch außerhalb der üblichen Sendeformate in TV und Radio abrufen und lesen. Damit war eine Grenze gefallen. Denn bislang konnten Fernseher nur Inhalte empfangen. Videotext ermöglichte es, Informationen abzurufen.
Das Nachrichtenangebot der TV-Sender per Videotext gibt es heute immer noch, wenn auch mit eingeschränktem Angebot. Längst dienen das Internet und KI-Systeme als Anlaufstelle, um sich zu informieren. Auch Fernseher sind smarter geworden und inzwischen dauerhaft mit dem Internet verbunden. Integrierte Sprachassistenten ersetzen dabei die Fernbedienung oder das Smartphone. Über angeschlossene Speichermedien lassen sich Sendungen per Knopfdruck aufzeichnen. Das funktioniert deutlich komfortabler als per Videorekorder.
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Smart Home basiert auf analogen Ideen
Smart Home, also Sprachassistenten, Apps oder künstliche Intelligenz, ist nicht komplett neu. Es ist nur die jüngste Entwicklungsstufe. Die heutigen Geräte nutzen smart die Möglichkeiten der digitalen Welt. Die Grundidee stammt allerdings aus der analogen Zeit.
Der größte Unterschied zu den analogen Geräten liegt deshalb weniger in den Funktionen als in der Vernetzung der Geräte untereinander. Früher arbeitete jede Lösung für sich. Heute können Lampen, Heizungen, Lautsprecher, Kameras und Haushaltsgeräte miteinander kommunizieren, wenn sie über eine gemeinsame Schnittstelle verfügen. Vermutlich wird es in der nahen Zukunft neue intelligente Lösungen geben, die den Lebensalltag der Menschen weiter erleichtern.