5. April 2026, 16:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
In deutschen Haushalten liegen sie überall herum – im Schnitt vier bis sechs pro Zuhause. Insgesamt sollen mehr als 150 Millionen Fernbedienungen im Umlauf sein, schätzt die GFU Consumer & Home Electronics GmbH. Wirklich unverzichtbar wurden sie jedoch erst mit dem Privatfernsehen und der plötzlich explodierenden Programmvielfalt. Dabei begann ihre Geschichte schon viel früher – beim Radio.
Genauer gesagt mit Radiowellen. Die nutzte der Technik-Erfinder Nikola Tesla bereits im Jahr 1898 für seine „Teleautomation“. Diese überdimensionierte Fernsteuerung gilt als erste Vorform einer Fernbedienung. Sie diente ausschließlich dazu, ein Boot-Modell fernzusteuern. Ein Massenprodukt wurde daraus nicht.
Im Anschluss daran passierte technisch erst einmal gar nicht viel. Erst ab den 1930er-Jahren und dem Beginn der Radio-Ära kam Fahrt in die Geschichte der Fernbedienung. Zwar gab es damals auch bereits erste TV-Geräte, doch bis zur massentauglichen Verbreitung von Fernsehern dauerte es noch eine Weile. Deswegen tauchen erste Fernsteuerungen für Radios auf. Diese Fernbedienungen sind damals noch per Kabel mit dem Empfänger verbunden. Auf Knopfdruck konnte dann beispielsweise die Lautstärke, Tonhöhe oder Tonhelligkeit vom Sessel aus verändert werden.
Verschiedene Entwicklungsstufen von TV-Fernbedienungen
Ab den 1950er-Jahren verbreiteten sich Fernseher in den Wohnstuben. Parallel dazu arbeiteten verschiedene Unternehmen an der Entwicklung einer Fernbedienung für die Flimmerkisten. Zwar bedienten die ersten Geräte Radios aus der Ferne, doch klassischerweise ist die Bezeichnung „Fernbedienung“ eng mit der Geschichte des Fernsehers verbunden.
Es beginnt ein technischer Wettlauf. Die ersten TV-Fernbedienungen funktionieren noch kabelgebunden. Im Jahr 1950 gelingt ein erster Durchbruch. Die US-Firma Zenith Electronics präsentiert „Lazy Bones“, also den Faulpelz. Erstmalig kann zwischen den Sendern hin- und hergeschaltet werden. Allerdings ist die Freude darüber beschränkt, denn die Auswahl an TV-Sendern ist in dieser Frühphase überschaubar.
Die USA bewiesen weiterhin Tüftlertalent. Im Jahr 1955 brachte wiederum Zenith Electronics den „Flash-Matic“ heraus. Dieses Gerät, optisch eine Mischung aus Föhn und Pistole, funktionierte ohne Kabel und sendete auf Knopfdruck einen Lichtstrahl. Wenn dieser auf einen der Eckpunkte des Fernsehers traf, reagierten Fotozellen. Diese lösten anschließend verschiedene Funktionen aus: Gerät ein- und ausschalten, Ton lauter oder leiser stellen oder Sender wechseln. Einziger Nachteil: Wenn Sonnenstrahlen oder andere Lichtquellen auf die Fotozellen trafen, fungierten auch diese unfreiwillig als Fernbedienung.
Ultraschall lässt Kabel verschwinden
Deswegen ging die technische Entwicklung rasch in eine andere Richtung. Fernbedienungen per Ultraschall markierten den nächsten Entwicklungsschritt. Bereits im Jahr 1956 präsentierte wiederum Zenith Electronics mit dem „Space Command“ eine Weiterentwicklung. Rein technisch befinden sich in dem Gerät kleine Hämmerchen. Diese schlagen per Knopfdruck auf einen Metallstab. Die dabei entstehenden Schwingungen sind für den Menschen nicht hörbar, reichen aber aus, um einen Fernseher damit aus der Ferne zu steuern. Dummerweise können Hunde Ultraschalltöne sehr wohl hören. Wenn Herrchen oder Frauchen den Sender gewechselt haben, dürfte das Bello ziemlich auf die Gehörnerven gegangen sein.
Deutsche Unternehmen hinkten bei der Entwicklung von Fernbedienungen für TV-Geräte lange hinterher. Zwar hatte die Firma Tonfunk im Jahr 1956 mit dem „Zauberschalter“ eine erste kabellose Fernbedienung für das Radio im Angebot. Bei den Fernbedienungen für TV-Geräte dauerte es aber bis zum Jahr 1961, bis Grundig mit dem „Zauberspiegel“ erstmalig aufhorchen ließ. Der dazugehörige „Fernregler“ funktionierte ebenfalls per Ultraschall.
Technisch traten die Entwickler eine ganze Weile auf der Stelle. Es zeigte sich allerdings, dass auch Ultraschall-Fernbedienungen auf verschiedenen Ebenen nicht optimal waren. Die Problematik der hohen Frequenzen für die Gehörgänge von Hunden bereitete den Entwicklern schon länger Sorgen. Zudem reichten klappernde Schlüsselringe oder das Aneinanderschlagen metallischer Stricknadeln, um den Fernseher ungewollt fernzusteuern. Deswegen suchten Fachleute weltweit nach einer anderen technischen Lösung, die weniger störanfällig ist.
Bekannter TV-Hersteller stellt Produktion ein
Was wurde aus dem Hersteller Metz?
Infrarot, eine Erfindung (auch) aus Deutschland
Hier leisteten dieses Mal deutsche Entwickler Pionierarbeit. Allerdings brauchte es einen dummen Zufall, um der neuen Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Siemens arbeitete seit den frühen 1970er-Jahren an Infrarot-Fernbedienungen. Im Jahr 1974 ist ein erstes Gerät mit dieser Technologie auf der Münchener Messe Electronica vorgestellt worden. Dabei handelte es sich allerdings um einen Kopfhörer, der per Infrarot-Schnittstelle mit einem Fernseher verbunden war. Den Entwicklern war damals schon klar, dass sich Infrarot ebenso hervorragend zur Fernsteuerung von TV-Geräten eignete. Doch niemand der großen deutschen Fernsehmarken interessierte sich dafür.
Grundig beispielsweise lehnte dankend ab, als dem Unternehmen diese Technologie für Fernbedienungen angeboten wurde. Doch dann gab es ein Problem. Grundig stand kurz davor, eine neue Serie an TV-Geräten zu präsentieren. Allerdings verzögerte sich die Vorstellung. Denn die neuen Fernseher führten selbstständig Programmwechsel durch. Was war passiert? Dummerweise produzierte das Gerät einen dauerhaften Ultraschallton. Eine Katastrophe. Allerdings erinnerte sich ein Grundig-Entwickler an diese neue Infrarot-Technologie. Im Jahr 1976 präsentierte Grundig den „Telepilot 21“, basierend auf der Infrarot-Forschung von Siemens.
Damit war ein neuer technischer Standard für Fernbedienungen geboren. Der „Telepilot 21“ setzte auch beim Design Maßstäbe. Bis heute werden die Knöpfe nach einem ähnlichen System angeordnet. Nur sind moderne Fernbedienungen inzwischen länglicher, leichter und schlanker.
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Fernbedienungen bald überflüssig?
Infrarot-Fernbedienungen sind bis heute Standard. Technisch hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gar nicht mehr so viel getan. Die Zahl der Knöpfe hat allerdings deutlich zugenommen. Der „Telepilot 21“ bringt es, wer hätte es gedacht, auf 21 Knöpfe. Moderne Fernbedienungen verfügen teilweise über doppelt so viele Knöpfe. Das hat vor allem mit der Zunahme des Programmangebots zu tun. In West-Deutschland gab es lange Zeit nur drei Sender, in der DDR waren es zwei Programme, zwischen denen ausgewählt werden konnte. Heute kennt die Programmvielfalt dank Internet kaum noch Grenzen. Zu den klassischen Fernsehprogrammen im In- und Ausland kommen diverse Streaming-Dienste hinzu. Da kann mit der „Macht“ gezappt werden, bis die Tasten glühen.
Dank Sprachassistenten braucht es vielfach gar keine Fernbedienung mehr, um das Programm zu wechseln. Das erledigt bei vielen Smart-TV-Geräten die eigene Stimme. Die kann höchstens mal belegt, aber niemals verlegt sein. Nicht nur wegen der ewigen Sucherei nach dem Gerät glauben einige Experten deswegen, die klassische TV-Fernbedienung könnte nach mehr als 75 Jahren bald ausgedient haben.