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Ab 2026

Bekannter TV-Hersteller stellt Produktion ein

Frau steht vor vielen Fernsehern.
Grundig erlangte mit Radios und Fernsehern Weltruhm Foto: Getty Images
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2. März 2026, 20:25 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Mit dem Radiogerät „Heinzelmann“ beginnt in den 1950er-Jahren der Aufstieg der Marke Grundig zu einem deutschen Traditionsunternehmen von Weltruhm. Doch wie steht es heute um Grundig?

Von Fürth aus erschafft Unternehmensgründer Max Grundig in wenigen Jahren ein regelrechtes Rundfunkgeräte-Imperium. Es ist die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders. Die Menschen in Deutschland gönnen sich in der Nachkriegszeit wieder etwas, vor allem Radios und Fernseher. Allerdings produziert Grundig noch andere elektronische Geräte. Der Videorekorder wird dem Unternehmen das Genick brechen.

Der leise Abschied von Grundig

Mit dem Unternehmen geht es Anfang der 1980er-Jahre steil bergab. 1984 übernimmt die niederländische Firma Philips die Leitung der Grundig AG. Das Unternehmen und der Name Grundig existieren zwar noch eine ganze Zeit weiter, doch der Glanz der Wirtschaftswunderzeit ist verblasst.

Im Jahr 2003 meldet Grundig Insolvenz an. Es folgen verschiedene Besitzerwechsel. Heute gehört die Marke zur Beko-Gruppe, einer Tochter des türkischen Konzerns Arçelik und Hersteller von technischen Hausgeräten. Doch auch diese schaffte es nicht, Grundig langfristig zum Erfolg zu führen. Nach Jahrzehnten des Niedergangs zieht sich Grundig daher endgültig aus dem TV-Geschäft in Europa zurück. Seit dem 1. Januar 2026 werden keine neuen Geräte mehr produziert, verkauft werden lediglich noch vorhandene Lagerbestände.

Für Kunden ändert sich vorerst aber wenig. Service, Ersatzteile und Garantieabwicklung sollen weiterhin gewährleistet bleiben, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Als Gründe für den Ausstieg nennt das Unternehmen den enormen Wettbewerbsdruck sowie eine Preisentwicklung, die das TV-Segment seit Jahren zu einem hart umkämpften Niedrigmargenmarkt werden lässt.

Der Schritt markiert den vorläufigen Endpunkt einer langen Erosion der einst ikonischen deutschen Elektronikmarke. Versuche, mit neuen OLED-Modellen oder der Plattform Google TV wieder Anschluss zu finden, blieben erfolglos. Parallel verwässerte die Marke, weil sie zunehmend auch für Haushaltsgeräte eingesetzt wurde – weit entfernt von ihrem Ursprung als Premiumanbieter für Radio- und Fernsehtechnik.

Ganz verschwinden wird der Name Grundig dennoch nicht. Die Marke soll weiterhin für andere Produktsegmente genutzt werden, in denen sie bereits etabliert ist. Während also die TV-Ära des Traditionshauses endet, bleibt Grundig als Label im Bereich der Haushaltsgeräte bestehen – ein stilles Weiterleben eines Namens, der über Jahrzehnte den deutschen Elektronikmarkt geprägt hat.

Die fränkische Heimat hat Grundig ebenfalls verlassen müssen. Aktueller Firmensitz ist Eschborn in Hessen.

1930 fängt alles an

Die Geschichte von Grundig beginnt 1930 im kleinen Radiogeschäft von Max Grundig in der früheren Sternstraße 2 in Fürth. Weil die Radiotechnik sich noch in den Kinderschuhen befindet, kommt es immer wieder zu technischen Defekten. Ersatzteile sind heiß begehrt. Das Unternehmen spezialisiert sich daher auf die Produktion von Transformatoren, da dieses Bauteil in den Radio-Anfängen besonders oft den Dienst versagte.

Wie viele andere in dieser Zeit verdient Grundig auch an den deutschen Kriegsaktivitäten. Das Unternehmen unterstützt das Militär mit funktechnischen Geräten. Die Fertigung übernehmen überwiegend Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Ein dunkles Kapitel in der Firmenhistorie.

Direkt nach Ende des Zweiten Weltkriegs bringt Grundig den Bausatz für das Röhrenradio-Modell „Heinzelmann“ auf den Markt. Mit diesem Radio beginnt der Markenstern zu leuchten.

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Ein „Heinzelmann“ macht Grundig berühmt

Im Jahr 1949 geht das „Heinzelmann“-Radio Nummer 100.000 über die Ladentheke. Grundig ist mit 20 Prozent am gesamten Radioabsatz Marktführer. Inzwischen arbeiten 800 Menschen für den Konzern. Monatlich produzieren sie 12.000 Rundfunkgeräte.

Grundig verfügt sogar im Jahr 1951 über einen werkseigenen TV-Kanal, der regelmäßig ein Programm ausstrahlt. Historische Randnotiz: Das Deutsche Fernsehen, die ARD, beginnt mit dem Sendebetrieb erst am 1. November 1954.

Apropos Fernsehen: Inzwischen produziert der Hersteller auch TV-Geräte, obwohl der Markt dafür aufgrund eines (noch) fehlenden TV-Programms überschaubar ist. Im Jahr 1954 gibt es gerade einmal 100.000 angemeldete Fernseher. Doch Firmengründer Max Grundig glaubt an das neue Medium und bedient damit einen Markt, der schon sehr bald rasant anwachsen wird.

Grundig produziert in den 1950er- und 1960er-Jahren allerdings auch noch andere elektronische Artikel, wie beispielsweise Diktiergeräte, Tonbandmaschinen, Kassettenspieler oder Autoradios. Das Unternehmen hat als einer der ersten Hersteller auch einen Farbfernseher im Angebot und steigt in den 1960er-Jahren zum größten Fernsehgeräteproduzenten in Deutschland auf.

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Grundig auf dem Höhepunkt

Anfang der 1970er-Jahre folgen Kofferradios, also tragbare Radios, sowie tragbare, kleine TV-Geräte. Ende der 1970er-Jahre befindet sich der Konzern auf dem Höhepunkt. Für das Fürther Unternehmen arbeiten fast 39.000 Menschen. Mit seinen Geräten macht Grundig einen Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Allerdings tauchen zu diesem Zeitpunkt schon erste dunkle Wolken am Firmenhimmel auf. Denn die Konkurrenz aus Fernost, vor allem aus Japan, macht dem deutschen Traditionsunternehmen schwer zu schaffen. Hat Max Grundig in seinem gesamten Unternehmerleben bislang immer ein ausgezeichnetes Näschen für Trends bewiesen, scheint der Gründer beim Thema Videorekorder verschnupft zu sein.

Viel zu spät erkennt das Unternehmen das Geschäftspotenzial in der Videotechnik und ist damit nicht allein. Auch andere deutsche Marken wie Nordmende und Telefunken sehen nur noch die roten Laternen des abgefahrenen Zuges Richtung Asien.

Wie so oft bei technischen Innovationen entbrennt ein Kampf um den besten Standard im Bereich Video. Hier versucht Grundig sogar noch, mit dem System Video 2000 einen eigenen Standard zu etablieren. Die Konkurrenz aus Asien setzt auf VHS und gewinnt.

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