Künstliche Intelligenz kann Fotos heute innerhalb von wenigen Sekunden verändern. Das reicht offenbar schon aus, um Erinnerungen von Menschen zu beeinflussen. Manipulierte Bilder und irreführende Gespräche mit Chatbots führen dazu, dass sich verfälschte Erinnerungen im Gedächtnis festsetzen.
Studien zeigen überraschenden KI-Effekt
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, an der Forschende des MIT Media Lab beteiligt waren. Für das Experiment betrachteten 200 Teilnehmer zunächst dieselben 24 Fotos. Anschließend wurden sie in verschiedene Gruppen aufgeteilt und bekamen entweder die Originalaufnahmen oder von einer KI bearbeitete Versionen erneut gezeigt.
Die manipulierten Bilder zeigten unter anderem veränderte Gesichtsausdrücke. Nach dem Versuch berichteten die Teilnehmer häufiger von Erinnerungen an Details, die auf den Originalfotos gar nicht vorhanden waren. Besonders stark fiel der Effekt auf, wenn die bearbeiteten Bilder zusätzlich in Form von Videos präsentiert wurden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass schon kleine Veränderungen durch KI ausreichen können, um die Erinnerung an reale Ereignisse zu verfälschen.
Noch deutlicher zeigte sich der Einfluss von KI in einer zweiten Untersuchung. Hier sahen die Teilnehmer ein Video eines Überfalls. Anschließend erhielten einige von ihnen zusätzliche Fragen zum Geschehen. Ein Teil beantwortete diese über klassische Fragebögen, andere über Chatprogramme. Eine Gruppe kommunizierte dabei mit einem speziell vorbereiteten Chatbot.
Dieser bestätigte gezielt falsche Annahmen und ergänzte erfundene Details. So wurde etwa nach einem Auto gefragt, obwohl die Täter im Video zu Fuß unterwegs waren. Bei einem späteren Gedächtnistest erinnerten sich die Nutzer deutlich häufiger an die erfundenen Informationen. Die Chatbot-Gruppe kam auf mehr als dreimal so viele falsche Erinnerungen wie die Vergleichsgruppe ohne irreführende Zusatzfragen. Selbst nach einer Woche waren viele der falschen Angaben noch im Gedächtnis gespeichert.
So leicht lässt sich das Gedächtnis täuschen
Die Forschenden betonen, dass das menschliche Gedächtnis grundsätzlich anfällig für Fehler ist. Erinnerungen werden nicht wie eine exakte Videoaufnahme gespeichert. Neue Informationen können bestehende Erinnerungen verändern oder ergänzen. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, etwas selbst gesehen oder erlebt zu haben, obwohl die Information erst später aufgenommen wurde.
Irreführende Fragen können diesen Effekt auch ohne künstliche Intelligenz auslösen. KI verschärft das Problem jedoch erheblich, weil sich täuschend echte Bilder, Videos und Gespräche automatisiert und in großem Umfang erzeugen lassen.
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