Ratgeber

Smartphone-Kamera – diese Begriffe sollten Fotofans unbedingt kennen!

Smartphone-Kamera in einer Hand fotografiert Eiffelturm
Für viele das entscheidende Kaufargument – die Smartphone-Kamera
Foto: Getty Images

Heutzutage können gute Smartphone-Kameras mit ihren großen Geschwistern, den Digitalkameras, mithalten. TECHBOOK verrät, auf welche technischen Details man bei der Handy-Kamera achten sollte und welche Begriffe Sie kennen sollten.

Unsere Handys sind unsere ständigen Begleiter im Alltag. Wir kommunizieren über sie, suchen nach passenden Bahnverbindungen, informieren uns über das aktuelle Geschehen – und machen vor allem auch Fotos. Für viele ist eine gute Smartphone-Kamera inzwischen sogar eines der wichtigsten Kriterien beim Handy-Kauf. Aber worauf genau soll man dabei eigentlich achten? TECHBOOK erklärt, was eine gute Smartphone-Kamera ausmacht und was sie alles können sollte.

Inhaltsverzeichnis

  1. Aufbau
  2. Sensor
  3. Megapixel
  4. Objektiv
  5. Blende
  6. Bildstabilisator
  7. Software
  8. Fazit

So ist eine Smartphone-Kamera aufgebaut

Eine Smartphone-Kamera funktioniert wie eine „echte“ Foto-Kamera. Das Licht fällt zuerst durch das Objektiv, das aus mehreren, unterschiedlich geformten Linsen und einer Blendenöffnung besteht. Das Objektiv reguliert also den Lichteinfall, bevor es beim Sensor ankommt. Der Bildsensor fungiert als „Netzhaut“, wandelt das einfallende Licht in elektrische Ladung um und nimmt Helligkeit sowie Farben auf. Der Sensor wandelt also im Endeffekt die analoge Information – das Licht – in digitale Informationen um, die dann als fertiges Bild auf dem Smartphone zu sehen sind. Auf dem Weg, den das Licht nimmt, sind verschiedene Bauteile der Kamera und nicht zuletzt die Software entscheidend dafür, wie das Endergebnis aussieht. Einige Elemente sind dabei relevanter als andere.

Der Sensor als Herzstück

In den fotostärksten Handys ist heutzutage ein vergleichsweise großer Sensor verbaut. Das verhindert zum einen Farbrauschen (mehr dazu im nächsten Absatz), zum anderen ist weniger elektrische Spannung für die ideale Bildbelichtung nötig. Bei der automatischen Verschlusszeit wird nämlich nicht, wie bei einer Foto-Kamera, die Blende mechanisch verschlossen und so das Licht weitergeleitet. Stattdessen wird einfach der Sensor für einen kurzen Moment aktiviert, was extrem kurze Belichtungszeiten möglich macht. Das spart elektrische Ladung und verhindert somit Bildrauschen.

Nicht alle Hersteller geben die Sensorgröße bisher mit an, allerdings spielen diesbezüglich immer mehr Unternehmen mit offenen Karten. Ist eine Größe mit angegeben, ist ein Minimum von etwa 1/2,5 Zoll ein guter Richtwert.

Pixel sind nicht alles

Eine der prominentesten Angaben, die Hersteller bei ihren Smartphone-Kameras machen, sind die Megapixel. Viele interpretieren das so, dass eine Kamera mit besonders hoher Megapixel-Anzahl automatisch bessere Bilder macht. Das stimmt so allerdings nicht ganz. Zur Einordnung: Ein Megapixel entspricht 1.000.000 Pixel. Die Pixel bilden die Oberfläche des Sensors und bestehen jeweils aus einer Mikrolinse, einem Farbfilter und weiteren Leiterbahnen. Außerdem steht die Pixelanzahl für die Auflösung, eine hohe Zahl bedeutet also auch eine hohe Auflösung. Dieser Vorteil kommt allerdings nur in Kombination mit der Sensorgröße zum Tragen. Ist der Sensor nämlich klein, die Auflösung aber sehr hoch, entsteht schnell ein Bildrauschen. Verteilt sich die gleich hohe Anzahl von Pixeln hingegen auf einen größeren Sensor, sind automatisch auch die Pixel an sich größer, können mehr Licht aufnehmen und strahlen die ihnen zugewiesene Grundfarbe (Rot, Grün oder Blau) nicht an den benachbarten Pixel ab, was wiederum das unschöne Farbrauschen auf dem Foto verhindert.

Mehr zum Thema: Warum mehr Megapixel nicht immer für bessere Bilder sorgen

Es lohnt sich also durchaus, auf die Anzahl der Megapixel zu achten. Komplett aussagekräftig ist die Zahl allerdings nur, wenn die Sensorgröße auch bekannt ist und diesbezüglich halten sich die Hersteller leider oft bedeckt. Als Richtwert kann man trotzdem von einem Minimum von 8 bis 12 Megapixeln ausgehen. Diese Größenordnung reicht aus, um ein Foto in guter Qualität und DIN A4 Größe ausdrucken zu können.

Der Trend geht zu mehreren Objektiven

Natürlich ist auch das Objektiv eine wichtige Komponente auf dem Weg zum qualitativ guten Handy-Foto. Bevor das Licht überhaupt beim Sensor ankommen kann, muss es nämlich zuerst das Objektiv passieren. Der aktuelle Trend geht bei Smartphones zu einem Multi-Objektivsystem; es wird also mehr als ein Objektiv verbaut. Das ist zum einen deshalb praktisch, weil so vielfältigere Winkel beim Fotografieren eingenommen werden können, indem einfach sowohl ein Ultraweitwinkelobjektiv für weitläufige Landschaftsaufnahmen als auch Teleobjektiv für Nahaufnahmen verbaut werden. Zum anderen werden so die Funktionen vielfältiger, ohne dass das ganze Gehäuse mitwachsen muss. Das betrifft zum Beispiel den Zoom, der durch die unterschiedlichen Brennweiten der Linsen ohne größeren Qualitätsverlust eingesetzt werden kann. Natürlich gibt es auch hervorragende Smartphone-Kameras mit nur einer Linse, die Vorteile eines Multi-Objektivsystems sind aber nicht von der Hand zu weisen. Wenn Sie mit Ihrem Handy gerne an Objekte heranzoomen und im nächsten Atemzug umfassende Ultraweitwinkelaufnahmen machen möchten, sollten Sie auf die verbauten Objektive Ihrer Handy-Kamera achten.

Blende – mehr ist mehr

Zwar ist die Blende Teil des Objektivs, trotzdem soll sie wegen ihrer Wichtigkeit an dieser Stelle gesondert behandelt werden. Die Größe der Blende bestimmt nämlich, wie viel Licht letztlich auch beim Sensor ankommt. Die bekannten Angaben wie zum Beispiel „f/1,8“ definiert das Verhältnis zwischen der Brennweite (=f) zur gegeben Weite der Blendenöffnung. Deshalb gilt: Je niedriger der Wert, desto größer die Blende. Eine große Blende ermöglicht bessere Aufnahmen bei wenig Licht und verkürzt außerdem die Belichtungszeit und somit das Risiko, ein verwackeltes Foto zu schießen. Auch der sogenannte Bokeh-Effekt, bei dem die Hintergrundschärfe geringer ausfällt und so das anfokussierte Objekt im Vordergrund hervorgehoben wird, gelingt mit einer großen Blenden besser, weil die Zeichnung des unscharfen Bereichs weicher ausfällt. Bei den meisten Smartphones ist die Blendengröße voreingestellt und kann nicht verändert werden; umso wichtiger ist die Kennzahl beim Kauf.

Aktuelle Spitzenmodelle wie das iPhone 11 Pro haben in der Regel eine Blende von f/1,8, mit der sich auch bei schlechtem Licht gut belichtete Fotos erzeugen lassen. Das Xiaomi Mi Note 10 hat beispielsweise eine Blende von f/1,69, das Samsung Galaxy S10 (Plus) sogar f/1,5. Vor allem bei Porträt. Und Nachtaufnahmen ist eine große Blende wichtig. Falls Sie eher Schnappschüsse und Landschaftsaufnahmen mit Ihrem Handy aufnehmen, ist dieser Wert für Sie weniger relevant.

Bildstabilisator sorgt für deutlichen Qualitätssprung

Eine zunehmend wichtige Rolle spielt auch der Bildstabilisator. Gerade bei Handy-Aufnahmen kommt es häufig zu verwackelten Bildern, weil wir die Kamera in der Regel ohne Stativ benutzen, sondern einfach Freihand fotografieren. Deswegen bieten viele aktuelle Smartphone-Kameras einen Bildstabilisator, der das Wackeln bis zu einem gewissen Grad ausgleicht. Besonders effektiv ist dabei der optische Bildstabilisator, bei dem die Linse ein wenige Bewegungsspielraum bekommt. Sie ist dann nicht auf eine starre Position festgelegt und kann kleine Ruckler durch einen Lage-Sensor ausgleichen. Bei den Flaggschiffen ist der optische Bildstabilisator inzwischen Teil der Standard-Ausstattung. In der Mittelklasse sollten Sie, wenn Sie großen Wert auf die Qualität legen, ebenfalls darauf achten, dass die Option vorhanden ist.

Software – Optisch vs. Digital

Neben der ganzen verbauten Hardware ist bei der Smartphone-Kamera natürlich auch die Software wichtig. Diese kann eventuelle Mängel bei der übrigen Ausstattung auffangen. Generell gilt, dass in der Hardware verbaute Lösungen in der Regel effektiver funktionieren als digitale Software-Lösungen. Allerdings macht das die Kamera und damit das Smartphone auch größer und schwerer, weswegen in vielen Fällen die Funktionen doch auf die Software umgelegt werden. Beispiele sind die Zoom-Funktion und auch der eben erwähnte Bildstabilisator. Beides kann optisch umgesetzt werden, indem zusätzliche (bewegliche) Linsen verbaut werden. In beiden Fällen kann aber auch die Software korrigierend eingreifen. Beim Stabilisator wird dafür zunächst etwas ins Bild hineingezoomt, damit leichte Verwacklungen über eine Verschiebung des entsprechenden Fotoausschnitts ausgeglichen werden können. Dabei geht aber auch ein Teil der Auflösung verloren. Gleiches gilt beim Zoom: Die digitale softwaregetragene Variante vergrößert den vorhandenen Bildabschnitt und verursacht so eine geringere Pixeldichte beziehungsweise Auflösung. Der optische Zoom verändert die optische Nähe zum Objektiv mithilfe der Linse.

Kamerasoftware bietet nichtsdestotrotz viele Erweiterungen, die für den passionierten Smartphone-Fotografen sehr nützlich sein können. Nachtmodus, manueller Weißabgleich, diverse Filter, Panoramamodus, eine eventuell verbaute Foto-KI, die Motive erkennt und vieles mehr. Es loht also, sich im Vorfeld über die möglichen Funktionen der Software zu informieren und gegebenenfalls Prioritäten zu setzen. Und im Zweifel nutzt auch die beste Hardware-Ausstattung nichts, wenn die Software nicht mithalten kann.

Fazit

Wer beim Smartphone-Kauf gründlich sein will oder ein besonderes Augenmerk auf die Kameraleistung legt, sollte also mehrere Aspekte im Blick behalten. Entscheidend ist der Einsatzzweck: Was ist das Hauptmotiv? Generell wichtig ist die Pixeldichte (min. 8 Megapixel) in Kombination mit der Sensorgröße (min. 1/2,5 Zoll). Weniger wichtig für die Qualität aber ausschlaggebend für ein schönes Fotografieerlebnis sind verschiedene verbaute Linsen und ein optischer Bildstabilisator. Außerdem lohnt es sich, sich genauer mit der Software der Kamera auseinanderzusetzen: Welche Funktionen sind gegeben und wo werden eventuelle Hardware-Mängel aufgefangen? Eine variable Blende (mehrere Objektive) sind zu bevorzugen, wenn Sie möglichst flexibel bei der Motivwahl sein wollen. Eine möglichst große Blende (min. f/1,8) ist dabei ein guter Richtwert, vor allem bei Porträtaufnahmen oder Fotos mit wenig Licht.