Auch iPhone betroffen?

Europäisches Parlament will einheitliches Ladekabel durchsetzen

Ein USB-C-Kabel ist reversibel nutzbar. Bedeutet: Man kann den Stecker nie falsch herum in die Buchse schieben.
Foto: Getty Images

Lightning, Micro-USB, USB-C – wer neben einem iPhone noch andere Geräte wie Kopfhörer und eBook-Reader verwendet, kennt das Problem. Jedes will mit seinem eigenen Kabel geladen werden. Geht es nach dem Europäischen Parlament, soll damit bald Schluss sein.

Bereits seit über einem Jahrzehnt setzen sich die Europäische Kommission und das Europäische Parlament für die Vereinheitlichung der Ladekabel für Smartphones und andere Geräte ein. Die Arbeit der EU-Institutionen führte dazu, dass der Micro-USB-Anschluss zum Quasi-Standard in Smartphones, Handys und anderer Elektronik wurde.

Durchsetzung von Micro-USB war ein Etappensieg

Durch die Initiative der Europäischen Union gibt es mittlerweile bei Smartphones, die in Europa verkauft werden, praktisch nur noch drei verschiedene Ladeanschlüsse: Micro-USB, USB-C und Apples Lightning. Bedenkt man, dass davor fast jeder Hersteller einen eigenen Ladeanschluss hatte – oder sogar mehrere verschiedene – kann die bisherige Initiative durchaus als Erfolg gewertet werden.

Der Micro-USB-Standard war jedoch nie ausgereift genug, um die Bedürfnisse aller Hersteller zu befriedigen. Micro-USB-Kabel sind weder beidseitig einsteckbar noch bieten sie genügend Platz für zusätzliche Pins, die etwa für Stereo-Audio und Video gleichzeitig notwendig wären.

Apple hält weiterhin an Lightning fest

Während Micro-USB immer weiter an Bedeutung verliert und eigentlich nur noch in günstigen Geräten verbaut wird, hat sich USB-C aufgrund seiner Vielfältigkeit nicht nur bei Smartphones, sondern auch in vielen anderen Bereichen wie Kopfhörern, Tablets und Laptops durchgesetzt. Allein Apple steht noch mit seinem Lightning-Anschluss da, der gerade erst wieder im iPhone 11 und bei den AirPods Pro zum Einsatz kam.

Nachdem das Unternehmen 2018 erstmals das iPad 11 mit einem USB-C-Anschluss ausstattete, kam die Hoffnung auf, auch das iPhone könne bald damit kommen. Wie unsinnig die Zersplitterung in Apples eigenem Ökosystem ist, war bis zur Einführung des iPhone 11 Pro nur zu deutlich: Aus der Box gab es keine Möglichkeit, das iPhone an ein MacBook ab Baujahr 2015 aufwärts anzuschließen, da dieses nur USB-C-Ports hat. Das iPhone 11 Pro hat endlich ein USB-C- auf Lightning-Kabel bekommen ­– aber: das günstigere iPhone 11 kommt weiterhin mit dem alten USB-A- auf Lightning-Kabel.

Als die Europäische Kommission 2018 in einem „Impact Assessment“ die Hersteller dazu aufforderte, die Folgen einer Standardisierung von Ladegeräten abzuschätzen, kritisierte Apple die Pläne scharf. Bereits über eine Milliarde Apple-Geräte mit Lightning-Anschluss seien verkauft worden und ein neues Gesetz könnte „die Geräte und das Zubehör von mehreren Millionen Europäern und Hunderten Millionen Apple-Kunden weltweit obsolet machen“. Das würde zu „beispiellosen Massen von elektronischem Müll und bei Nutzern zu großen Unannehmlichkeiten führen.“

Auch interessant: iPhone 2020 – deutlich größer und wieder mit Touch ID?

Kommt ein Standardisierungsgesetz?

Nun gab das Europäische Parlament zu verstehen, dass der Ansatz der Kommission, die Hersteller zur freiwilligen Kooperation zu bestärken, nicht das gewünschte Ergebnis erzielt habe, wie Gizmodo berichtet.

In einer Plenarsitzung am Montag haben Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEP) daher erneut die Forderung bekräftigt, „bindende Maßnahmen“ einzuführen, um Ladegeräte zu vereinheitlichen. Der einheitliche Ladestandard soll neben Mobiltelefonen auch Tablets, eBook-Reader und andere tragbare Geräte umfassen.

In dem Newsletter des Europäischen Parlaments, der über das Briefing informiert, ist festgehalten, dass „laut Schätzungen alte Ladegeräte über 51.000 Tonnen elektronischen Müll pro Jahr erzeugen“. Die Debatte wird in einer Resolution in der nächsten Plenarsitzung aufgenommen. Die Abstimmung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Auch interessant: Das passiert mit Apple in den nächsten 10 Jahren

Welche Auswirkungen hätte ein bindender Standard?

Aus dem Briefing geht zwar nicht genau hervor, welchen einheitlichen Ladestandard sich das Europäische Parlament genau vorstellt, doch es kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gesagt werden, dass es sich um USB-C handelt. USB-C ist auf dem Markt bereits weit verbreitet und bietet zahlreiche Vorteile wie das beidseitig einsteckbare Kabel, hohe Durchsatzraten, Robustheit und Kompatibilität mit dem Thunderbolt-3-Standard. Auch können viele Adapter, wie etwa auf HDMI, DisplayPort und Ethernet (LAN), einfach über USB-C angeschlossen werden.

Die Überlegung, einen Ladestandard für in der EU verkaufte Geräte rechtlich bindend zu machen, richtet sich natürlich in erster Linie an Apple. Das Unternehmen ist das einzige, das den selbst entwickelten Lightning-Anschluss verwendet, obwohl USB-C eine ebenbürtige, wenn nicht sogar bessere, Alternative darstellt. Dass es Apple nicht nur darum geht, Müll zu reduzieren und Nutzern keine neuen Kabel und Adapter aufzuzwingen, zeigt die Umstellung auf USB-C beim iPad Pro. Für das Unternehmen würde eine Standardisierung jedoch bedeuten, dass es kein teures Zubehör für seine iPhones, iPads und AirPods mehr verkaufen könnte.

Doch selbst wenn die Gesetzgebung noch im Jahr 2020 beschlossen werden sollte, wird sie wahrscheinlich für das iPhone zu spät kommen. Zwar wird darüber spekuliert, dass zumindest eines der neuen Modelle mit USB-C kommen könnte, aber diese Vermutung gab es schon beim iPhone 11.