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In ganz Deutschland

Millionen Handys schlagen am Donnerstag Alarm!

Nahaufnahme einer Person, die in einer Hand ein Smartphone hält und mit einem Finger auf den Bildschirm tippt. Im Hintergrund sind unscharfe Lichtquellen in Blau-, Rot- und Orangetönen zu sehen. Das Mobiltelefon steht im Fokus, während die Umgebung durch starke Unschärfe und Lichteffekte verschwimmt.
Der Warntag 2026 steht unmittelbar bevor Foto: Getty Images
Rita Deutschbein, Redaktionsleiterin TECHBOOK
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, Charlotte Ziesing

9. September 2026, 10:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Auch in diesem Jahr steht wieder ein Warntag an. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Bund-Länder-Projekt, mit dem die Warnsysteme für Notfälle und Gefahrenlagen in Deutschland regelmäßig getestet werden.

Am 10. September 2020 fand der erste bundesweite Warntag in Deutschland statt. Der Grund: Länderübergreifend sollen seitdem regelmäßig sämtliche sogenannte Warnmittel für den Ernstfall getestet werden. Angesichts von Katastrophen wie etwa dem Hochwasser im Jahr 2021 oder dem großen Sturm durch Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 scheint das durchaus sinnvoll. An der Umsetzung haperte es zunächst allerdings etwas. Nach einigermaßen reibungslosen Abläufen in den vergangenen Jahren heißt es nun: auf ein Neues mit dem Warntag 2026.

Der bundesweite Warntag findet in der Regel am zweiten Donnerstag im September statt und dient dazu, die Funktionsfähigkeit der Warnsysteme bei Gefahrenlagen wie schweren Unwettern, Bränden oder anderen Katastrophen zu überprüfen.

Schon der sechste Warntag

Der sechste bundesweite Warntag findet am Donnerstag, dem 10. September 2026, statt. Ab 11 Uhr löst das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bundesweit eine Probewarnung aus.

Wie in den Vorjahren testet man so verschiedene Warnkanäle gleichzeitig. So möchte man mögliche Schwachstellen erkennen und die Systeme weiter verbessern. Zudem soll der Warntag die Bevölkerung dafür sensibilisieren, wie Warnungen im Ernstfall aussehen und über welche Wege sie verbreitet werden.

„Neue Systeme müssen wir testen, um sie später präzise einsetzen zu können“, sagte die ehemalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bereits zu früheren Warntagen. Der Test dient deshalb nicht nur der technischen Überprüfung, sondern soll Menschen in Deutschland auch an Notfallwarnungen gewöhnen.

An den Warntagen beteiligen sich neben dem Bund auch Länder, Landkreise und Kommunen. Die Teilnahme ist jedoch freiwillig. Deshalb kann es je nach Wohnort Unterschiede geben, welche Warnmittel tatsächlich ausgelöst werden. Auch Rundfunkanstalten unterbrechen ihr Programm und geben eine entsprechende Nachricht heraus.

Wie läuft ein Warntag ab?

Ab 11 Uhr verschickt das BBK eine Probewarnung über das sogenannte Modulare Warnsystem (MoWaS). Darüber werden zahlreiche Warnmultiplikatoren angesteuert, darunter Rundfunksender, Warn-Apps und weitere Informationssysteme. Die offizielle Warn-App des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) etwa heißt NINA.

Die Warnung erscheint anschließend zeitversetzt auf verschiedenen Kanälen. Dazu gehören unter anderem Smartphones, Radio- und Fernsehsender sowie digitale Informationstafeln. Parallel können Länder, Landkreise und Kommunen weitere Warnmittel aktivieren. Dazu zählen beispielsweise Sirenen, Lautsprecherwagen oder lokale Informationssysteme. Um 10:45 Uhr bzw. 11:45 Uhr erfolgt planmäßig noch eine offizielle Entwarnung.

Auch interessant: Handy klingelt am bundesweiten Warntag nicht? Daran kann es liegen

Das Warnsystem bleibt übrigens auch während der bundesweiten Probewarnung jederzeit einsatzbereit. Sollte es zeitgleich tatsächlich zu einer Gefahrenlage kommen, können die zuständigen Behörden die Bevölkerung weiterhin wie gewohnt über die vorhandenen Warnkanäle informieren.

Cell Broadcast erreicht die meisten Menschen

Seit 2021 gibt es zudem das sogenannte Cell Broadcast. Mithilfe dieses Systems soll zusätzlich an alle Bürger eine Handy-Nachricht verschickt werden, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Nähe eines Funkmastes befinden. Anders als etwa bei NINA sind so nicht nur Smartphone-Nutzer erreichbar, sondern alle Personen mit einem Mobiltelefon.

Die Nachricht erscheint auch dann auf dem Display, wenn keine Warn-App installiert ist. Zudem ertönt in vielen Fällen ein lauter Signalton, selbst wenn das Telefon stummgeschaltet ist. Während die Warnung schon funktioniert, ist über Cell Broadcast derzeit noch keine Entwarnung möglich.

Nach Angaben des BBK lassen sich über keinen anderen Warnkanal mehr Menschen gleichzeitig erreichen als über Cell Broadcast.

Ausbau weiterer Sirenen und neuer Warnsysteme

Neben Sirenen und Warn-Apps spielt auch der digitale Radiostandard DAB+ eine zentrale Rolle beim Warntag. Seit 2023 werden über DAB+ Test- und Gefahrenmeldungen ausgespielt, vorausgesetzt, die entsprechende Funktion ist am Gerät aktiviert, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mitteilt.

Parallel wird die Sirenen-Infrastruktur in vielen Regionen weiter ausgebaut. Bund und Länder stellen dafür regelmäßig Fördermittel bereit. Nach Angaben der Behörden wurden auch 2026 zahlreiche neue Sirenen errichtet oder bestehende Anlagen modernisiert. Eine vollständige Übersicht gibt es allerdings nicht, da viele Kommunen zusätzliche Projekte auf eigene Kosten umsetzen.

Neu hinzugekommen ist mit dem Automatic Safety Alert (ASA) ein weiteres Element im deutschen Warnmittelmix. Das über DAB+ ausgestrahlte Warnsystem kann kompatible Radios im Standby-Modus automatisch aktivieren und amtliche Warnmeldungen wiedergeben. ASA ergänzt bestehende Warnkanäle wie Cell Broadcast, Sirenen und Warn-Apps und soll insbesondere dann Vorteile bieten, wenn Mobilfunk- oder Internetverbindungen ausfallen. Nach ersten Praxistests in den vergangenen Jahren befindet sich das System seit 2026 in der bundesweiten Einführungsphase. Gleichzeitig wächst die Zahl der ASA-zertifizierten Radios kontinuierlich, sodass die Technologie beim bundesweiten Warntag inzwischen umfassender erprobt werden kann.

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Warnung kommt auf älteren Smartphones oft nicht an

Nicht jedes Handy ist allerdings in der Lage, Warnmeldungen per Cell Broadcast zu empfangen. Besonders ältere iPhones bis iOS 16.1 sowie viele Android-Geräte mit Versionen unter Android 11 sind betroffen.

Auch Smartphones, deren Hersteller keine Updates mehr bereitstellen, bleiben beim Empfang außen vor. Damit gilt: Wer ein älteres oder nicht aktualisiertes Gerät nutzt, erhält im Ernstfall keine automatische Warnung. Um dennoch informiert zu bleiben, empfehlen Behörden den zusätzlichen Einsatz von Warn-Apps wie NINA oder KATWARN.

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Erster Warntag 2020 war ein Fehlschlag

Der erste Warntag fand 2020 statt und war im Nachhinein ein Fehlschlag. Unter anderem kamen die Meldungen der Warn-Apps erst mit einer halben Stunde Verspätung. In Bundesländern wie Berlin fiel auch der geplante Sirenen-Alarm aus, weil das Gebiet für Zivilschutzsirenen zu dicht besiedelt ist.

2021 musste das Bundesinnenministerium den Warntag sogar ganz absagen. Als Grund nannte der damals für das Projekt verantwortliche Horst Seehofer (CSU), dass das BBK noch an einer „umfassenden Testlandschaft“ arbeite. Dabei ging es unter anderem um den Aufbau neuer sowie die Instandsetzung alter Sirenen.

Dass der Warntag 2022 erst am 8. Dezember stattfand und nicht, wie eigentlich angesetzt, Anfang September, lag ebenfalls an der System-Planung. Die Verschiebung sollte dem Cell-Broadcast-System noch mehr Zeit geben. 2023 und 2024 lief dann alles reibungslos. 2026 fand der Warntag partiell auch im Frühjahr statt, zusätzlich zur bundesweiten Warnung im September.

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