Der Fahrkartenkauf im öffentlichen Nahverkehr steht vor einem Wandel. Statt vor der Fahrt ein Ticket auszuwählen, könnten Fahrgäste künftig direkt mit Kreditkarte oder Smartphone ein- und auschecken. Vergleichbare Lösungen werden bereits vereinzelt in Deutschland erprobt. Nun plant auch die Hamburger Hochbahn ein solches System, das bis 2030 verfügbar sein und vor allem Gelegenheitsfahrern den Zugang zu Bus und Bahn erleichtern soll.
Fahrscheinautomaten, Tarifzonen und Papiertickets könnten im öffentlichen Nahverkehr langfristig an Bedeutung verlieren. An ihre Stelle treten zunehmend digitale Systeme, bei denen eine Kreditkarte, ein Smartphone oder eine Smartwatch als Nachweis für die Fahrt dient.
Hamburg orientiert sich am Londoner Nahverkehr
Die Hamburger Hochbahn will es Fahrgästen künftig ermöglichen, ihre Kreditkarte als Fahrschein zu verwenden. Ein separates Ticket wäre dann nicht mehr erforderlich. Nach der aktuellen Planung soll das System bis 2030 einsatzbereit sein.
Als Vorbild dienen Weltstädte wie London oder Singapur. Dort können Fahrgäste mit einer Kredit- oder Debitkarte öffentliche Verkehrsmittel nutzen, ohne zuvor ein Ticket zu kaufen oder Guthaben aufzuladen. Auch die Bezahlung mit dem Smartphone ist möglich. Jeder Fahrgast benötigt dafür allerdings ein eigenes Zahlungsmittel. Der Kauf mehrerer Fahrscheine mit derselben Kreditkarte oder demselben Smartphone ist bei diesem Verfahren nicht vorgesehen.
Die Hamburger Hochbahn will mit dem vereinfachten Zugang insbesondere Menschen erreichen, die Busse und Bahnen nicht täglich nutzen. Für sie soll die Fahrt möglich sein, ohne sich vorher mit Tickets oder dem Tarifsystem beschäftigen zu müssen.
Bei einem Check-in- und Check-out-System melden sich Fahrgäste beim Einsteigen mit ihrem Zahlungsmittel an und beim Aussteigen wieder ab. Die Fahrt wird in einem digitalen Hintergrundsystem gespeichert und anschließend abgerechnet.
Ein solches Verfahren kann automatisch ermitteln, welcher Tarif für die zurückgelegte Strecke am günstigsten ist. Wer an einem Tag mehrfach fährt, zahlt dabei insgesamt nicht mehr als den Preis einer Tageskarte. Fahrgäste müssen dadurch weder vorab ein bestimmtes Ticket auswählen noch Kenntnisse über Tarifzonen und Preisstrukturen besitzen.
Vergleichbare Check-in-Systeme sind aus anderen Großstädten auf der Welt bereits bekannt. In Deutschland wurden entsprechende Lösungen unter anderem bei der Rheinbahn in Düsseldorf erprobt. Auch in Bonn läuft seit 2020 ein solches Angebot. Dort wurden 2022 insgesamt 130.000 Fahrten über Check-in und Check-out abgerechnet.
Die Hamburger Hochbahn will die Zahl ihrer Fahrgäste bis 2035 um 30 Prozent erhöhen. Das Unternehmen erwartet zusätzliche Nachfrage durch den Ausbau des Verkehrsnetzes, steigende Einwohner- und Besucherzahlen sowie den autonomen Busverkehr.
Auch der Freizeitverkehr gewinnt nach Angaben der Hochbahn an Bedeutung. Besonders samstags nehmen die Fahrgastzahlen zu. Zugleich könnten Staus und die schwierige Parkplatzsuche dazu führen, dass mehr Menschen vom Auto auf U-Bahn und Bus umsteigen.
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