19. September 2025, 15:44 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Laut einer aktuellen Studie von Verivox bezahlen bereits ein Drittel der Menschen in Deutschland ihre Einkäufe mit dem Handy. Mobile Payment ist somit auf dem Vormarsch. Allerdings wird diese Bezahlmethode noch nicht überall unterstützt, da Systeme mitunter veraltet sind. Das gilt auch für Fahrscheinautomaten im ÖPNV, doch die Verkehrsbetriebe rüsten nach.
Die Kölner Verkehrs-Betriebe AG, kurz KVB, möchten die Fahrscheinautomaten in rund 300 Bussen und 400 Bahnen modernisieren. Geplant ist demnach, sie gegen sogenannte Validatoren auszutauschen, mit denen Fahrgäste des ÖPNV künftig mit Smartphone, Smartwatch sowie EC- und Kreditkarten an Lesegeräten ein- und auschecken sowie bargeldlos bezahlen können sollen. Noch befindet sich dieser Umstieg allerdings in den ersten Zügen der Planung – und Köln ist mit dem Modernisierungswunsch nicht allein.
Check-in-Systeme könnten Fahrscheinautomaten ersetzen
„Validatoren sind vergleichbar zu den heutigen Ticketautomaten, nur eben deutlich kleiner und mit einer stärkeren Ausrichtung auf digitale Prozesse“, erklärt die KVB auf TECHBOOK-Anfrage. Demnach soll es wie bisher möglich sein, ein Ticket auszuwählen und per Karte oder Smartphone zu bezahlen. Die Fahrkarte liegt dann allerdings nicht physisch im Papierformat vor, sondern wird digital in einem Hintergrundsystem hinterlegt. „Alternativ – und das wäre für die Kunden noch einfacher – checken sie ein und aus und bekommen dann sogar immer den günstigsten Tarif automatisch berechnet“, so die KVB weiter.
Ähnliche Check-in-Systeme beim öffentlichen Nahverkehr kennt man bereits aus London oder Singapur sowie, innerhalb Deutschlands, durch Pilotprojekte bei der Rheinbahn sowie der SWB Bonn. In Bonn läuft ein solches System beispielsweise seit 2020. Im Jahr 2022 wurden dort 130.000 Fahrten per Check-in und Check-out abgerechnet. Die Stadtwerke berichten von durchweg positiven Erfahrungen und einer einfachen Nutzung ohne Tarifkenntnis.
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Ticketkauf mit Bargeld weiterhin möglich
Bei allen Plänen zur Modernisierung der Fahrscheinautomaten sollen aber keine Kunden ausgeschlossen werden, betont die KVB. Vom Umbau seien nur die Geräte in Fahrzeugen betroffen; an Haltestellen, in Verkaufsstellen und Kiosken soll die Bezahlung mit Bargeld verfügbar bleiben.
Ohnehin sei der Wechsel der Automaten nichts, was in den nächsten Monaten passiert. Zunächst einmal läuft noch bis zum 23. September eine Ausschreibung zur Markterkundung. Über diese möchte die KVB Informationen sammeln, wie das System über Stadtgrenzen hinweg funktionieren kann und wie Kunden ohne digitale Möglichkeiten oder mit Bargeldwunsch eingebunden werden können. Im kommenden Jahr könnte dann über die Vergabe entschieden werden.
Wann die jetzigen Fahrscheinautomaten dann durch die Validatoren abgelöst werden, sei aber noch vollkommen unklar. Bis es so weit ist, ist die Barzahlung an Fahrscheinautomaten in Bus und Bahn weiterhin möglich.
Warum werden die Fahrscheinautomaten überhaupt getauscht?
Auf diese Frage hat die KVB eine klare Antwort: Die derzeitigen Automaten sind in ihren Funktionalitäten nicht unbegrenzt ausbaubar. Funktionen wie das bargeldlose Bezahlen übers Smartphone lassen sich somit nicht nachrüsten. Diese Bezahlmethoden sind allerdings stark im Kommen und langfristig müssen sie in den Angeboten von Dienstleistern und Verkaufsstellen abgebildet werden.
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„Auch der öffentliche Verkehr, und damit die KVB, muss sich mit diesen neuen Formen beschäftigen. Unser Anspruch der Kundenorientierung gebietet es, dem Verhalten der Kunden zu folgen. Wir wollen die Möglichkeiten ausloten, einerseits in den Fahrzeugen noch digitaler werden zu können und andererseits allen Kunden einen guten Zugang zu Tickets im ÖPNV bieten“, so die KVB zu TECHBOOK.
Ich finde die Pläne toll, verstehe aber mögliche Skepsis
„Ich selbst habe das System mit dem Check-in und Check-out im Nahverkehr schon mehrfach auf Reisen genutzt und bin begeistert. Kreditkarte oder Smartphone an den Validator halten und los geht die Fahrt. Das ist nicht nur bequem und schnell, es erspart auch das Suchen nach dem passenden Ticket.
Allerdings verstehe ich auch diejenigen, die dem Abbau der klassischen Fahrscheinautomaten skeptisch gegenüberstehen. Bargeldlos können und wollen nicht alle bezahlen. Gerade für Kinder oder ältere Menschen kann die neue Lösung eine Hürde darstellen. Da hilft es auch nichts, wenn man den klassischen Ticketkauf an Kiosken oder einigen Bahnhöfen weiterhin anbietet. Denn derartige Verkaufsmöglichkeiten muss es an jeder Station geben, damit Fahrgäste sie ohne lange Umwege oder Planungen auch spontan nutzen können. Solange der Kauf von Tickets also nicht an jeder Station, in der man zusteigt, gewährleistet ist, bleiben bestimmte Kunden einfach außen vor.“
Keine Angst vor der Zukunft
„Der Weg zu einem Ticktet-freien Nahverkehr ist holprig, keine Frage. Es ist auch nicht okay, bestimmte Bevölkerungsgruppen, die an Bargeld hängen oder sich einfach mit moderner Technik schwertun, auszuschließen. Deswegen ist der sanfte Ansatz der KVB zuerst mit kontaktlosen Validatoren in den Fahrzeugen und Ticketautomaten an Haltestellen ganz richtig. Neue Technologie muss sich durch Komfort und Einfachheit durchsetzen, nicht durch Zwang. Das System in London zeigt, wie es geht: Niemand muss mehr Tarifzonen und Preisstrukturen verstehen. Auch als Tourist kann man einfach das Smartphone an das Terminal halten und losfahren.
Die Oyster Card in London zeigt zudem, dass Menschen, die noch Bargeld verwenden, nicht ausgeschlossen werden müssen. Statt Smartphone oder Kreditkarte lässt sich dort auch die Oyster Card am Terminal verwenden. Das Aufladen der Karte klappt Online oder sogar in bar in einem der zahlreichen Londoner Ticket-Shops. So können auch Kinder und alle Fahrgäste, die keine Lust auf kontaktloses Zahlen haben, mitmachen.“