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Mehr Akku und mehr Kamera

Das iPhone 11 gibt eine neue Richtung an

In der Einladung zum Launch der neuen iPhones hieß es «By innovation only». Nun sind iPhone 11 und iPhone 11 Pro in den Läden. Wie viel Innovation in den Modellen steckt, zeigt ein Praxistest.

Es sind nur 0,4 Millimeter, die aber eine grundlegende Trendwende signalisieren. Das neue iPhone 11 Pro ist tatsächlich einen Hauch dicker geworden (8,1 mm statt 7,7 mm). Die Jahre zuvor hatte Designchef Jony Ive streng darauf geachtet, die Apple-Smartphones stets schlanker zu gestalten.

Der kleine Unterschied sorgt nun dafür, dass in der neuen iPhone-Generation größere Akkus verbaut werden können. So steckt im Modell iPhone 11 Pro Max ein Akku mit 3969 Milliamperestunden (mAh) Leistung – 25 Prozent mehr Kapazität als im iPhone XS Max. Nie zuvor hat Apple so eine große Batterie in seinen Smartphones verbaut.

Mehr Platz durch Verzicht auf 3D Touch

Zu der neuen Platzfülle im iPhone 11 hat neben dem größeren Gehäuse auch der Verzicht auf die spezielle 3D-Touch-Schicht im Display beigetragen. Mit 3D Touch konnte man seit dem iPhone 6S mit einem kräftigen Fingerdruck auf ein Symbol bestimmte Funktionen einer App auswählen, etwa den Selfie-Modus der Kamera. Die iPhone-11-Modelle bieten stattdessen nun „Haptic Touch“: Kontext-Funktionen lassen sich mit einem langen Druck aufrufen. Es spielt dabei keine Rolle mehr, wie kräftig man auf das Display drückt.

Die Auswirkungen dieser beiden Design-Entscheidungen – größeres Gehäuse und Verzicht auf 3D Touch – spürt man im Praxistest deutlich. Die Pro-Modelle – iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max – halten deutlich länger durch als ihre iPhone-XS-Vorgänger. Bei einem Laufzeittest mit dem Autorennspiel Asphalt 8 hielt das 11 Pro hielt über zwölf Stunden lang durch. Auch das iPhone 11, das trotz gleicher Gehäusegröße einen etwa 100 mAh größeren Akku als das XR bekommen hat, machte im Dauerbetrieb erst nach über elf Stunden schlapp.

Etwas dicker
Das neue iPhone 11 Pro Max ist tatsächlich einen Hauch dicker geworden (8,1 mm statt 7,7 mm).
Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Zum Vergleich: Beim iPhone XR und XS war der Akku bereits nach weniger als acht Stunden leer. Bei der Endloswiedergabe eines Videos hielt das iPhone 11 mehr als zehn Stunden (zwei Stunden länger als das XR) durch, das iPhone 11 Pro schaltete erst nach über 15 Stunden ab (plus vier Stunden gegenüber XS Max). In einem aktiven Büro-Alltag hielt das iPhone 11 Pro Max gut fünf Stunden länger durch. Beim iPhone 11 waren es immerhin knapp vier Stunden länger.

Der Akku im Test
Im Test hat der Akku des iPhone 11 bei der Endloswiedergabe eines Videos mehr als zehn Stunden durchgehalten.
Foto: Robert Günther/dpa-tmn

Zur längeren Akku-Laufzeit trägt nach Angaben von Apple auch der Chip A13 Bionic bei, der nun alle neuen iPhone-Modelle antreibt. Der A13 Bionic hat im Vergleich zum Vorgänger A12 Bionic nochmals zugelegt. In den Benchmark-Tests erscheinen Werte, die um bis zu 25 Prozent über denen des Vorgängers liegen. Im Vergleichstest zeigt sich allerdings, dass Apps und Spiele bislang noch nicht sehr gut für die neue Chip-Generation optimiert sind. In einigen Spielen konnte ein auf iOS 13 aktualisiertes iPhone XS das iPhone 11 Pro schlagen und auch die Ladezeiten sind manchmal kürzer.

Ultra-Weitwinkel-Kamera in allen drei Modellen

Auffälliger sind die Änderungen bei den Kameras. In allen drei Modellen steckt nun eine zusätzliche Ultra-Weitwinkel-Kamera mit einer Brennweite von 13 Millimetern (Blende f/2,4), ähnlich wie bei den Spitzenmodellen von Samsung und Huawei. Dazu kommt das normale Weitwinkel (26 Millimeter, Blende f/1,8). Ein Tele-Objektiv mit einer Brennweite von 52 mm findet man nur in den beiden Pro-Modellen. Es ist mit einer größeren Blende f2 deutlich lichtstärker als das Tele im Vorgängermodell iPhone XS.

Ultra-Weitwinkel-Objektiv
Das iPhone 11 (mitte) und das iPhone 11 Pro Max (rechts) verfügen zusätzlich über ein Ultra-Weitwinkel-Objektiv, ein Feature das Anwendern des iPhone XS Max (links) bislang fehlte.
Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Mit dem Weitwinkel und Tele kann man bei wenig Licht mit einem Nachtmodus arbeiten, der spektakuläre Fotos in halbwegs natürlichen Farben erzeugt. Der Modus hellt die Bilder spürbar auf, ohne dabei zu übertreiben. Mussten sich die Vorgängermodelle iPhone XS und iPhone XR noch Konkurrenten wie dem Pixel 3 von Google bei schwachem Licht klar geschlagen geben, so setzen sich die neuen iPhone-11-Modelle wieder mit an die Spitze.

Der Nachtmodus wird bei wenig Umgebungslicht automatisch aktiviert und arbeitet mit einer Mischung aus einem besseren Bildsensor, längeren Belichtungszeiten und Mehrfachaufnahmen, die von der Kamera-Software in einem Foto vereint werden. Der Nachtmodus kann auch ausgeschaltet oder auf Belichtungen bis 30 Sekunden verlängert werden. Für die längeren Zeiten über zehn Sekunden benötigt man dann aber ein Stativ.

Aktuelle Lieferzeiten – so lange müssen Sie auf ein iPhone 11 warten

Neuer Nacht-Modus und Weitwinkel-Selfies

Bei Tageslicht fallen die Testaufnahmen sehr scharf und detailreich aus und zeigen kräftige Farben, die aber immer noch natürlich erscheinen. Die Kameras werden bereits ab Werk aufeinander abgestimmt und sobald eine der Kameras gestartet wird, stellen die anderen bereits Fokus, Farbe und Helligkeit automatisch ein. Dadurch kann man beim Wechseln zwischen den unterschiedlichen Objektiven keine Farb- und Helligkeitssprünge sehen.

Verbessert wurde auch die Selfie-Kamera, obwohl diese leider nicht den Nachtmodus der Hauptkamera unterstützt. Sie nimmt nun mit zwölf Megapixeln statt bislang sieben Megapixeln auf. Hält man das iPhone beim Selfie 11 quer, zoomt die Kamera in einen Weitwinkelbereich, so dass größere Gruppen auf das Selfie passen. Die bessere Selfie-Kamera ist auch dafür verantwortlich, dass die Gesichtserkennung Face ID schneller anspringt, um das iPhone zu entsperren oder Transaktionen freizugeben.

Eher ein Gimmick ist die „Slowfie“-Funktion, mit der man Selfies als Zeitlupenvideos aufnehmen kann. Das iPhone 11 ist jedoch weiterhin Spitze, was die Qualität der Videoaufnahmen betrifft. Zwar ist 4K-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde (FPS) weiterhin das Maximum, dafür gibt es in iOS 13 nun erweiterte Video-Bearbeitungsmöglichkeiten. So können Videos jetzt einfach wie Bilder zugeschnitten und gedreht werden.

Der exzellente Eindruck, den die Kameras hinterlassen, wird nur durch die Tatsache getrübt, dass die Software nicht durchgängig in der von Apple sonst gelieferten Stabilität läuft. So bietet das iPhone 11 Pro die Option, dass man sich erst im Nachhinein für den Aufnahmewinkel entscheiden muss. Wenn man mit dem normalen Weitwinkel (26 mm) fotografiert, nimmt das Gerät grundsätzlich auch mit dem Ultra Wide (13 mm) auf, so dass man später über das Framing entscheiden kann. Das läuft über die Cropping-Funktion im Bearbeiten-Modus. Leider funktionierte das im Test nur bei jeder zweiten oder dritten Aufnahme. Ein Software-Update wird diese Macke hoffentlich bald ausbügeln. Apple hatte zuvor bereits angekündigt, einen Modus „Deep Fusion“ als Update nachzuliefern, der mit Hilfe von künstlicher Intelligenz durchgehend scharfe Bilder aus neun unterschiedlich langen Aufnahmen berechnen soll.

Das ist beim Pro-Modell anders

Wodurch unterscheiden sich das iPhone 11 von den beiden Pro-Modellen? Der auffälligste Unterschied ist die Hauptkamera (zwei Objektive beim iPhone 11, drei Objektive beim iPhone Pro). Bei iPhone 11 hat Apple wie beim Vorgänger XR ein 6,1-Zoll-Display mit LCD-Technik (1792 x 828 Pixel) verbaut, das nun Dolby Vision und HDR10 unterstützt. Die OLED-Panels der beiden Pro-Modelle (5,8 Zoll und 2436 x 1125 Pixel beim Pro bzw. 6,5 Zoll und 2688 x 1242 Pixel beim Pro Max) wurden dagegen noch einmal überarbeitet. Die Testingenieure der Fachzeitschrift „Mac&i“ konnten auf ihren Messgeräten für kurze Zeiträume Werte bis zu 1130 Nits (Candela pro Quadratmeter) messen. Aber selbst im Normalbetrieb erreichen die Pro-Modelle bis zu 800 Nits, deutlich mehr als im Vorjahr.

Das neue iPhone 11
Bei iPhone 11 hat Apple wie beim Vorgänger XR ein 6,1-Zoll-Display mit LCD-Technik (1792 x 828 Pixel) verbaut.
Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

Beim Pro über 1000 Euro für 64 Gigabyte Speicher

Das iPhone 11 wurde im Vergleich zum Vorgängermodell XR um 50 Euro günstiger und kostet mit 64 Gigabyte (GB) Speicher 799 Euro. Für die 128-GB-Version verlangt Apple 849 Euro, das 256-GB-Modell kostet 969 Euro. Bei den Pro-Modellen überspringt Apple dann aber doch die Tausender-Schwelle. Das iPhone 11 Pro kostet 1149 Euro (64 GB), bzw. 1319 Euro (256 GB) und 1549 Euro (512 GB). Das größere Max-Modell startet bei 1249 Euro (64 GB). Die Modelle mit mehr Speicher kosten 1419 Euro (256 GB) und 1649 Euro (512 GB). Bei den Pro-Modellen liegt ein 18-Watt-Schnellladegerät und ein USB-C- auf Lightning-Kabel in der Schachtel. Beim iPhone 11 zeigt sich Apple dagegen geizig und legt weiterhin nur das schwachbrüstige 5-Watt-Ladegerät und ein USB-A- auf Lightning-Kabel bei.

Für iPhone-Interessenten mit kleinerem Budget behält Apple das iPhone XR aus dem Vorjahr (ab 699 Euro) und das ältere iPhone 8 (ab 529 Euro) im Programm. Man kann dabei gebrauchte iPhone-Modelle eintauschen und erhält beispielsweise für ein ausgemustertes iPhone 6S bis zu 90 Euro.

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