2. Juni 2026, 10:46 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Viele Besitzer von Elektroautos nutzen neben den offiziellen Hersteller-Apps auch freie Softwarelösungen. Besonders verbreitet sind Anwendungen wie Home Assistant oder evcc, die sich in bestehende Smart-Home-Systeme integrieren lassen. Damit können Nutzer zentrale Fahrzeugdaten abrufen und Ladevorgänge verwalten. So lassen sich beispielsweise Akkustand und Ladevorgänge gemeinsam mit anderen Smart-Home-Funktionen überwachen oder das Laden mit selbst erzeugtem Solarstrom steuern.
Bei mehreren Marken des Volkswagen-Konzerns funktionieren solche Abläufe inzwischen jedoch nicht mehr wie gewohnt. Nach Änderungen an den technischen Schnittstellen können verschiedene Drittanbieter-Anwendungen wichtige Fahrzeugdaten nicht mehr abrufen. Betroffen sind unter anderem Informationen zum Ladezustand, Kilometerstand oder Fahrzeugstatus.
Volkswagen führt neue Schnittstellen ein
Auslöser ist eine Umstellung auf eine neue Generation von Fahrzeugschnittstellen. Darauf hatte die Volkswagen Group Info Services AG bereits am 2. April 2026 hingewiesen. Demnach wird die bisherige Brand-App-Schnittstelle für externe Zugriffe ab Kalenderwoche 21 abgeschaltet.
Die Änderungen betreffen nicht nur Fahrzeuge der Marke Volkswagen. Auch weitere Konzernmarken wie Audi, Cupra, Škoda und Bentley können davon betroffen sein. Für Anwendungen rund um das Laden verweist Volkswagen auf die neuen Angebote „Charging Data“ und „Charging Control“. Darüber sollen unter anderem Ladezustand, Kilometerstand, Zeitstempel, Zugriffsstatus und Fahrzeugstatus bereitgestellt werden.
Freie Anwendungen verlieren wichtige Funktionen
Für Nutzer freier Softwarelösungen hat die Umstellung direkte Folgen. In den Communitys der Home-Assistant-Integration volkswagencarnet sowie von evcc berichten Anwender von unterbrochenen oder blockierten Zugriffen auf ihre Fahrzeuge.
Dadurch fehlen Daten, die bislang häufig für die Ladeplanung genutzt wurden. Auch Smart-Home-Anzeigen oder automatisierte Ladevorgänge mit Solarstrom können dadurch eingeschränkt sein. Besonders betroffen sind Funktionen, die auf aktuelle Informationen zum Fahrzeugstatus oder zum Ladezustand angewiesen sind.
Rolle des EU Data Act bleibt offen
Welche Auswirkungen die Änderungen mit Blick auf den EU Data Act haben, ist derzeit unklar. Die Verordnung (EU) 2023/2854 trat am 11. Januar 2024 in Kraft. Die meisten Regelungen gelten seit dem 12. September 2025.
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Ziel der Verordnung ist es, den Zugang zu Daten aus vernetzten Produkten zu erleichtern. Dazu zählen grundsätzlich auch Informationen, die Fahrzeuge während ihres Betriebs erzeugen. Ob die neue Schnittstellenstrategie von Volkswagen mit diesen Vorgaben vereinbar ist, lässt sich anhand der bisher bekannten Informationen nicht abschließend beurteilen. Entscheidend ist unter anderem, welche Daten über die neuen offiziellen Schnittstellen verfügbar sind, wer darauf zugreifen darf und unter welchen Bedingungen dies möglich ist.
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Erste Nutzer finden alternative Wege
Inzwischen haben einige Nutzer offenbar Möglichkeiten gefunden, wieder auf bestimmte Fahrzeugdaten zuzugreifen. Dabei wurde die Anmeldung an die neuen Abläufe der VW-Dienste angepasst. Dadurch liefern einzelne Fahrzeuge wieder Daten.
In einem GitHub-Thread berichtet ein Nutzer von einem erfolgreichen Zugriff bei einem Audi-Elektroauto. Ein weiterer Anwender nennt einen VW ID.3. Nach diesen Berichten funktionierten über den angepassten Anmeldeweg sowohl das Abrufen von Ladedaten als auch die Authentifizierung.
Dauerhafte Lösung steht noch aus
Als gelöst gilt das Problem jedoch nicht. Bei anderen Fahrzeugen funktioniert dieser Ansatz weiterhin nicht. In einem GitHub-Thread verweisen Nutzer zudem darauf, dass der Stromanbieter Tibber Teile der neuen VW-Schnittstelle eingebunden haben soll.
Demnach können bei einigen Fahrzeugen einzelne Daten bereits wieder in Echtzeit abgerufen werden. Ob diese Möglichkeiten dauerhaft bestehen bleiben, bei allen Modellen funktionieren oder kostenlos nutzbar sind, bleibt derzeit offen.