13. Juni 2026, 15:45 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
ChatGPT könnte in Zukunft deutlich mehr sein als ein Werkzeug für Fragen und Texte. Nach Informationen der Financial Times arbeitet OpenAI an einem umfassenden Umbau seines KI-Dienstes. Ziel ist es, ChatGPT zu einer zentralen Plattform auszubauen, über die Nutzer verschiedene KI-Werkzeuge, Partnerangebote und automatisierte Funktionen nutzen. Damit würde sich die Rolle von ChatGPT deutlich verändern und über die bisherigen Einsatzmöglichkeiten hinausgehen.
Neue Oberfläche für mehr Funktionen
Die ersten Änderungen sollen laut dem Bericht bereits in den kommenden Wochen eintreten. OpenAI plant dafür eine überarbeitete Oberfläche für die Website und die mobilen Apps. ChatGPT soll künftig als zentraler Einstiegspunkt für verschiedene Anwendungen dienen.
Zu den geplanten Funktionen zählen unter anderem Werkzeuge für Programmierung und Bildgenerierung. Darüber hinaus könnten sich auch Angebote externer Partner direkt in die Plattform wiederfinden, etwa Canva oder Booking.com. ChatGPT würde dadurch nicht nur Inhalte erstellen, sondern Nutzer auch bei konkreten Aufgaben unterstützen.
KI-Agenten rücken in den Mittelpunkt
Mit dem Umbau verfolgt OpenAI offenbar eine größere strategische Veränderung. Das Unternehmen setzt dem Bericht zufolge auf sogenannte Agenten. Dabei handelt es sich um KI-Systeme, die mehrstufige Aufgaben eigenständig bearbeiten.
Als mögliche Einsatzbereiche nennt der Bericht Reisebuchungen, die Organisation von Terminen oder komplexere Arbeitsabläufe mit mehreren aufeinanderfolgenden Schritten. Für Nutzer würde ChatGPT dadurch stärker die Rolle eines digitalen Assistenten übernehmen und weniger wie ein klassisches Such- oder Schreibwerkzeug wirken. Eine wichtige Rolle spielt dabei Codex. Das Programmierwerkzeug von OpenAI wird laut „Financial Times“ inzwischen von mehr als 5 Millionen Menschen pro Woche aktiv genutzt.
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Künftig soll sich Codex noch stärker mit ChatGPT integrieren. Dadurch könnte die Plattform zusätzliche Funktionen erhalten, die über reine Textantworten hinausgehen. Für OpenAI ist dieser Bereich auch wirtschaftlich interessant. Werkzeuge für Programmierung und andere produktive Anwendungen gelten im KI-Markt als Angebote, für die Kunden eher Geld ausgeben.
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Unternehmen werden wichtiger
Auch Geschäftskunden gewinnen für OpenAI zunehmend an Bedeutung. Nach Angaben der Financial Times nutzen bereits rund 2 Millionen Unternehmen Produkte des Konzerns.
Derzeit stammen etwa 40 Prozent des Umsatzes aus diesem Bereich. Bis zum Ende des Jahres könnte der Anteil auf 50 Prozent steigen. Für OpenAI wäre das mit Blick auf den geplanten Börsengang ein wichtiges Signal. ChatGPT würde damit nicht nur als populäre Anwendung für Privatnutzer gelten, sondern auch als Plattform für den professionellen Einsatz.
Die strategische Ausrichtung steht im Zusammenhang mit dem Wettbewerb im KI-Markt. Besonders Anthropic gilt als wichtiger Konkurrent im Geschäft mit Firmenkunden. Medienberichten zufolge bereitet auch dieses Unternehmen einen Börsengang vor.
Für OpenAI geht es deshalb nicht allein um zusätzliche Funktionen. Das Unternehmen will ChatGPT als zentrale Plattform für den Einsatz von KI im Alltag und im Berufsleben etablieren. Gelingt das, könnte der Dienst künftig stärker als Schnittstelle zwischen Nutzern, Unternehmen und KI-Anwendungen fungieren.
Langfristiges Ziel bleibt AGI
Hinter diesen Plänen steht die Vision einer allgemeinen künstlichen Intelligenz, kurz AGI. Gemeint sind Systeme, die nicht nur einzelne Aufgaben erledigen, sondern in vielen Bereichen selbstständig planen, entscheiden und handeln.
Je näher sich die Entwicklung diesem Ziel annähert, desto wichtiger wird die Frage, welche Plattform sich als zentrale Anlaufstelle durchsetzt. Alex Embiricos, bei OpenAI für Firmenprodukte verantwortlich, sagte der Financial Times: „Wahrscheinlich wird es einen einzigen Ansprechpartner geben, der alles für mich erledigen kann, was ich brauche.“
Mit dem geplanten Umbau möchte OpenAI offenbar die Grundlage dafür schaffen, dass ChatGPT diese Rolle künftig übernehmen kann.