11. September 2026, 13:50 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Der Personalausweis soll künftig auch digital auf dem Smartphone verfügbar sein. Mit „d-you“ hat die Bundesregierung jetzt den Namen der deutschen digitalen Brieftasche vorgestellt. Der Start ist für den 2. Januar 2027 geplant.
Der digitale Ausweis kommt
Hinter „d-you“ steckt die deutsche Umsetzung der europäischen EUDI-Wallet. Sie soll wichtige Dokumente direkt auf dem Smartphone verfügbar machen. Zum Start ist zunächst der digitale Personalausweis vorgesehen. Später sollen unter anderem Führerschein, Geburtsurkunde, Zeugnisse, Tickets und die Krankenversichertenkarte folgen.
Der Nutzen soll vor allem bei digitalen Geschäften und Behördengängen spürbar werden. Statt eine Ausweiskopie hochzuladen oder persönliche Daten immer wieder einzutippen, könnten Nutzer ihre Identität direkt mit dem Smartphone nachweisen. Rund 40 Anbieter wollen zum Start dabei sein, darunter Banken, die Post, Energieversorger, Hochschulen und Kommunen. Auch Altersnachweise, Kontoeröffnungen und digitale Vertragsabschlüsse sollen möglich werden.
Ein wichtiger Vorteil der Wallet soll der kontrollierte Umgang mit persönlichen Daten sein. Wer beispielsweise online sein Alter nachweisen muss, könnte künftig lediglich bestätigen, dass er volljährig ist. Name, Adresse und Geburtsdatum müssten dann nicht mitgeteilt werden. Die Nachweise werden verschlüsselt auf dem Smartphone gespeichert und per PIN oder biometrischer Freigabe aktiviert.
Eine zentrale Datenbank mit vollständigen Bürgerprofilen ist nicht vorgesehen. Nutzer sollen zudem nachvollziehen können, welches Unternehmen wann welche Informationen angefordert hat. Der digitale Führerschein soll bereits Ende 2026 über die i-Kfz-App verfügbar werden. Ein einfacher Foto- oder Scan des Führerscheins reicht bei einer Kontrolle dagegen weiterhin nicht aus.
Komfort mit offenen Fragen
Ganz ohne Risiken ist das Konzept allerdings nicht. Kritiker sehen unter anderem die Gefahr, dass dauerhaft signierte digitale Nachweise bei einem Datenleck für Kriminelle besonders interessant werden. Auch digitale Alterskontrollen könnten problematisch sein, wenn sie die Anonymität im Internet zunehmend einschränken.
Offen ist außerdem, wie sich „d-you“ im Alltag bewährt. Was passiert bei einem verlorenen Smartphone oder einem leeren Akku? Die Wallet soll sich sperren und auf einem neuen Gerät wiederherstellen lassen. Die Nutzung bleibt freiwillig und kostenlos; der klassische Ausweis bleibt gültig. Ob „d-you“ tatsächlich den Papierkram reduziert oder lediglich eine weitere App auf dem Smartphone wird, dürfte sich deshalb erst nach dem Start zeigen.
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