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BaFin warnt

Betrüger auf WhatsApp versprechen Gewinne – und stehlen dein Geld

Bei einigen Nachrichten und Chats auf WhatsApp sollte man vorsichtig sein. Denn nicht alles, was gepostet wird, ist legal.
Vor einigen WhatsApp-Gruppen sollte man sich aktuell in Acht nehmen Foto: picture alliance/dpa
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Nele Wegner
Werkstudentin

15. Dezember 2025, 18:26 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Eine neue Betrugsmasche sorgt derzeit für große Verunsicherung. Kriminelle geben sich in WhatsApp-Gruppen als justTRADE-Broker aus und locken Anleger in falsche Krypto- und Finanzinvestments. Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) warnt eindringlich, dass die Angebote nichts mit dem echten Broker oder der Sutor Bank zu tun haben.

Laut „chip.de“ missbrauchen die Täter den bekannten Namen, um Vertrauen aufzubauen. In Gruppen wie „VIP justTRADE“ werben sie mit falschen Finanzdienstleistungen und Kryptowährungsinvestitionen. Über gefälschte Links oder manipulierte Apps entsteht der Eindruck einer professionellen Handelsplattform – tatsächlich handelt es sich um Fälschungen. Kontostände, Gewinne und Charts werden nur simuliert, während eingezahlte Gelder direkt bei den Betrügern landen.

So läuft die WhatsApp-Masche ab

Der Einstieg beginnt meist harmlos: Man wird in eine WhatsApp-Gruppe eingeladen oder bekommt eine Nachricht mit einem angeblichen „Insider-Tipp“. Dort melden sich vermeintliche Finanzexperten namens „Tobias Albrecht“ oder „Lieselotte Thalheim“, die laut „Anwalt.de“ in Wahrheit gar nicht existieren. Sie geben sich als Analyst, Mentor oder Assistentin aus, erklären Schritt für Schritt den Einstieg und wollen Vertrauen aufbauen.

Die Täter schicken Links zur Website „h5.ecoinf(.)vip“ oder animieren dazu, eine App manuell zu installieren. Dieses sogenannte Sideloading bedeutet, dass eine App nicht aus dem offiziellen App-Store geladen wird, sondern über eine Website oder Datei – ein riesiges Sicherheitsrisiko. Die App sieht dann aus wie die Oberfläche eines echten Brokers, inklusive Diagrammen, Order-Historie und angeblichen Gewinnen. Technisch ist das aber nur eine hübsche Maske, die alles anzeigen kann, was die Betrüger wollen.

Gezahlt wird häufig in Kryptowährungen. Das Geld landet in digitalen Brieftaschen, sogenannten Wallets. Dort sind Überweisungen anonymisiert und schwer rückgängig zu machen. Genau das nutzen die Täter aus: Einmal überwiesenes Geld ist in den meisten Fällen verloren.

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„GreenTech Invest“ und „Pig Butchering“

Als besonderes Lockangebot taucht in diesen Gruppen häufig „GreenTech Invest“ auf. Versprochen werden hohe und schnelle Renditen. Das Ziel: Anleger sollen immer mehr Geld nachschießen.

Der Ablauf folgt einem bekannten Muster, das in der Kriminalistik als „Pig Butchering“ bezeichnet wird. Frei übersetzt heißt das „Schweineschlachten“: Zuerst wird das Opfer „gemästet“ – also mit kleinen Erfolgen und Auszahlungen gefüttert. Man sieht echte Rücküberweisungen kleiner Beträge, der Kontostand in der Fake-App steigt, das Vertrauen wächst. Sobald dann größere Summen investiert sind, wird der Zugang gesperrt, das Konto lässt sich nicht mehr auszahlen – das Geld ist weg.

Zweite Betrugswelle: der „Recovery Scam“

Viele Betroffene merken erst beim Versuch, ihr Guthaben auszahlen zu lassen, dass sie in eine Falle geraten sind. In diesem Moment taucht oft die vermeintliche Assistentin „Lieselotte Thalheim“ wieder auf und erklärt, warum eine Auszahlung angeblich noch nicht möglich sei. Die Täter nutzen dabei bürokratisch klingende Begründungen, um weitere Überweisungen zu erzwingen.

Eins haben sie aber alle gemeinsam: Sie sind frei erfunden. Die Täter versuchen, Opfer ein zweites Mal auszunehmen, nachdem die eigentliche Investition bereits verloren ist. Wer darauf eingeht, verliert weiteres Geld. Kein Finanzamt, keine Bank und kein regulierter Broker verlangt Steuern oder technische Freigaben per Krypto-Überweisung über WhatsApp – solche Aufforderungen sind immer ein Warnsignal.

Strafrechtliche Risiken für Gruppenmitglieder

Das Ganze ist nicht nur finanziell gefährlich. Wer in solchen Gruppen Geldbeträge von anderen Teilnehmern entgegennimmt und weiterleitet, kann sich selbst strafbar machen mit Geldwäsche nach § 261 StGB. Die Täter nutzen bewusst ahnungslose Helfer, um Spuren zu verschleiern.

Wer also auf Bitten aus einer Gruppe ein eigenes Konto, einen PayPal-Account oder eine Krypto-Wallet „zur Verfügung stellt“, riskiert Ermittlungen wegen Geldwäsche – selbst dann, wenn man „nur helfen wollte“ und nichts von der Betrugsmasche wusste.

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Was Betroffene jetzt tun sollten

Wer bereits Geld überwiesen oder in einer solchen Gruppe investiert hat, sollte:

  • alle Beweise sichern: Screenshots von Chats, Kontobewegungen, Wallet-Adressen, Websites etc.
  • nichts löschen und keine weiteren Zahlungen leisten – auch nicht für angebliche Steuern oder Freischaltungen
  • Anzeige bei der Polizei erstatten und, wenn möglich, einen auf Kapitalanlagebetrug spezialisierten Anwalt einschalten

Bei Krypto-Überweisungen kann eine IT-forensische Analyse helfen, Zahlungspfade auf der Blockchain nachzuverfolgen. Die Chancen, Geld zurückzubekommen, sind zwar oft gering, aber je früher gehandelt wird, desto besser.

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Wie du solche Betrugsangebote erkennst

Ein paar Grundregeln helfen, gar nicht erst in die Falle zu tappen:

  • Misstrauisch werden, wenn Finanzangebote über WhatsApp, Telegram oder andere Messenger starten
  • Keine Apps über Links oder Dateien installieren, sondern nur aus offiziellen App-Stores
  • Hohe Rendite bei angeblich geringem Risiko = klassisches Warnsignal
  • Namen von Firmen immer bei der BaFin-Unternehmensdatenbank prüfen – nur dort gelistete Anbieter haben eine Erlaubnis für Finanz- oder Kryptodienstleistungen in Deutschland
  • Niemals Kryptowährungen an Unbekannte schicken, schon gar nicht zur „Steuerzahlung“ oder „Kontofreischaltung“

Die BaFin macht klar: justTRADE und die Sutor Bank haben mit diesen WhatsApp-Gruppen und der Seite h5.ecoinf(.)vip nichts zu tun. Wer auf „VIP justTRADE“-Gruppen oder ähnliche Angebote stößt, sollte sie sofort verlassen, Kontakte blockieren und andere warnen – bevor noch mehr Geld in den Taschen der Betrüger landet.

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