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Redakteur über Gaming-Blu-rays: „Ich heule gleich!“

TECHBOOK-Autor schmollt wegen Gaming-Discs
TECHBOOK-Autor schmollt wegen Gaming-Discs Foto: Getty Images/TECHBOOK
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Woon-Mo Sung
Redakteur

2. Juli 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten

Es sind turbulente Zeiten für Liebhaber physischer Medien, wie ich es bin, und gefühlt jeden zweiten Tag habe ich entweder Grund zur Freude oder zur Verzweiflung. Letzteres ist der Anlass für diesen Text, denn aktuell möchte ich die Wolken und das Universum beschimpfen und später werde ich noch einen Köpper in mein Meer aus vergossenen Tränen machen. Ich glaube wirklich, ich heule gleich! Warum? Sony hat angekündigt, bald keine Gaming-Blu-rays für die PlayStation mehr produzieren zu wollen. Ein weiterer Sargnagel für das Medium. Aber das ist noch nicht alles.

Sargnagel 1 – Sony stellt Gaming-Blu-rays ein

Die Nachricht hat Schockwellen durch die Industrie geschickt: Sony hat am 1. Juli 2026 auf seinem offiziellen Blog mitgeteilt, dass man die Produktion von Gaming-Blu-rays für neue Titel im Januar 2028 einstellen werde. Als Grund hierfür nennt das Unternehmen „sich ändernde Verbraucherpräferenzen“. Kunden und die „gesamte Unterhaltungsindustrie“ würden weiterhin stärker in Richtung digitaler Inhalte gehen.

Nach Ablauf der Frist wird Sony zukünftig Spiele nur noch auf dem rein digitalen Vertriebsweg anbieten. Der Konzern nennt die Entscheidung einen „natürlichen Schritt“, um sich gegenwärtigen Trends anzupassen. „Diese Umstellung wird es uns ermöglichen, das Angebot noch besser auf die Art und Weise zuzuschneiden, wie der Großteil unserer Community heute am liebsten auf Spiele zugreift und sie spielt.“

Alle sind schockiert – auch Domino’s Pizza

Dass die News bei vielen gar nicht gut ankommt, ist aktuell im Netz unter zahlreichen Beiträgen zum Thema nachzulesen. Auch gibt es bereits diverse Betriebe, die mit Statements reagierten. Das auf physische Medien spezialisierte Liebhaber-Label für Videospiele, Merchandise und Vinylplatten iam8bit etwa schrieb bei Instagram, man sei „zutiefst enttäuscht“ von Sonys Entscheidung.

„Physische Spiele sind wichtig für den Erhalt von Spielen, Eigentum und Verbraucherentscheidungen“, heißt es. An dieser Haltung werde sich auch nichts ändern. „Lang leben physische Medien“, schließt man den Beitrag ab. Das ähnlich gelagerte Label Mutant schrieb ebenfalls bei Instagram: „Physische Medien für immer.“ Dazu veröffentlichte man ein Bild mit PS5-Spielen neben einer Mütze, auf der auf Englisch „Physical Media“ steht (ich habe die gleiche Mütze, nur in anderer Farbe).

Die Reaktionen kommen auch aus unerwarteter Richtung. So veröffentlichte Domino’s Pizza gleich zwei Beiträge zum Thema mit einer Mischung aus Ironie und Bedauern. Unter einem Posting kommentierte man selbst mit „Sie haben uns Blockbuster [die Videothekenkette, Anm. d. Red.] genommen. Nun die Spiele-Regale.“ Und in einem „offiziellen Statement“ verspricht man als Antwort auf die „Trends in der Spieleindustrie“, ab dem 1. April 2027 nur noch digitale Pizzen zu backen. Kunden könnten dafür einfach ihre Vorstellungskraft nutzen, um sie zu genießen.

Auch interessant: Redakteur über Blu-rays und DVDs – „Habe ich zu früh geheult?“

Sargnagel 2 – zieht Xbox nach?

Als ob das noch nicht genug war, kam noch am selben Tag der nächste Heuler. Denn wie „Gamesindustry.biz“ berichtet, scheint man auch bei Microsoft für kommende Xbox-Konsolen darüber nachzudenken, optische Laufwerke, und damit die Nutzungsmöglichkeit für Gaming-Blu-rays, einzustampfen.

Dazu passt auch das Gerücht, dass man über eine neue Funktion nachdenke, physische Spielekopien zu digitalisieren, um sie dann auf Hardware ohne Laufwerk spielen zu können. Konkrete Details zur genauen Funktionsweise sind nicht bekannt. Es erweckt aber den Anschein, dass Microsoft seine Spielergemeinde dazu bringen möchte, selbst die Scheiben aufzugeben.

Sargnagel 3 – GTA 6 nur als Download

Kurz vor den Meldungen zu Sony und Xbox wurde außerdem bekannt, dass mit GTA 6 ausgerechnet die vielleicht größte neue Spielveröffentlichung aller Zeiten ausschließlich als Download erscheint. Selbst die physische Edition enthält lediglich einen Download-Code in der Verpackung.

Da das Spiel garantiert dank Vorbestellungen zum Millionenseller Monate vor Verkaufsstart wird, wird diese Entscheidung nur zusätzlich den Niedergang für Gaming-Blu-rays befeuern.

Gaming-Blu-rays am Limit

So sehr ich ein Verfechter physischer Medien aller Art bin, muss ich auch eingestehen, dass die Gaming-Blu-ray so gut wie am technischen Limit ist. Während es zwar immer noch reichlich Titel gibt, die auch vollständig auf eine Scheibe passen und sich gut verkaufen (wie etwa „Clair Obscur: Expedition 33“), gibt es auch zur Genüge Spiele, die auf eine herkömmliche Blu-ray schlichtweg nicht passen. Ein GTA 6 würde vermutlich den Speicherrahmen deutlich sprengen. Oder man müsste eine aufwendigere Scheibe mit mehr Datenschichten produzieren.

Ferner erscheinen Patches und DLCs ohnehin nur digital, was eine Scheibe im Nachgang überflüssig macht. Wenn das Spiel für den optimalen Status ohnehin auf Downloads angewiesen ist, braucht es die Disc vorher auch nicht mehr.

Den technischen Vorteil wie bei Filmen, Serien und Musik, gibt es bei Spielen durch das physische Medium auch nicht, wie der Kollege Oliver Nickel von „Golem“ unter anderem argumentiert. Und dann sind Downloads ohnehin schneller, bequemer, billiger und nachhaltiger in der Produktion, warum bin ich überhaupt so traurig? In Anlehnung an „Fack ju Göhte“ könnte man mir auch direkt einfach sagen: „Mo, heul leiser!“

Ich liebe die PlayStation, vertraue aber Sony nicht

Mag auch sein, dass es aufgrund von oftmals vorkommender Online-Kontenverknüpfung nicht mehr so leicht möglich ist, gekaufte Spiele einfach so untereinander auszutauschen. Aber warum sollte ich das so hinnehmen?

„Doom Eternal“ habe ich mir damals von meinem Kumpel Tobi ausgeliehen und „Expedition 33“, immerhin das Game of the Year 2025, habe ich Siggi abgekauft. Verleihen und Weiterverkaufen funktionieren offline immer noch ganz wunderbar. Und könnten es auch in Zukunft, wenn Entwickler entsprechende Produkte liefern.

Der Kollege Nickel schreibt, dass der Zweitmarkt auch digital funktionieren könnte, wie etwa der Online-Shop Good Old Games zeige. Die Frage ist doch aber: Wird Sony so etwas auch anbieten? Bislang machen sie keine derartigen Anstalten. Ganz im Gegenteil: Jüngst löschte der Hersteller mehr als 500 Streaming-Filme, angeblich aufgrund ausgelaufener Lizenzen. Dass etliche User diese eigentlich gekauft hatten, spielt ja heutzutage ohnehin kaum noch eine Rolle – digitaler Besitz existiert einfach nicht mehr.

Und bevor jetzt jemand sagt, das waren „nur“ Streaming-Filme: Die Initiative „Stop Destroying Videogames“ gibt es nicht nur so aus Spaß.

Sony verrät sich selbst

Ich habe das Thema bereits bei meinen vorherigen Kommentaren zur Blu-ray und zur genannten Initiative angesprochen. Aber am besten zitiere ich meinen Kumpel Michael, der mir folgende Headline zum Thema vorschlug: „Sony schafft Besitz von Games ab“.

Ab 2028 müssen PlayStation-Nutzer drum bangen, dass ihre gekauften Spiele eines Tages einfach nicht mehr spielbar sein werden, weil ein Server abgeschaltet oder irgendeine Lizenz abläuft. Und wenn Sony bis dahin nicht zumindest einen Weg findet, online Spiele selbst weiterverkaufen oder verleihen zu können, sehe ich nicht nur schwarz. Es käme einem Verrat an der eigenen Sache gleich.

Als die Xbox One 2013 vorgestellt wurde, machte man sich mit der Notwendigkeit zur ständigen Internetverbindung keine Freunde. Auch dass durch den stärkeren digitalen Fokus das Verleihen nicht mehr gehen würde, stieß sauer auf. Sony reagierte prompt mit einem genialen Werbeclip, in dem man zeigte, wie einfach man bei der PS4 Spiele austauschen könne:

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Doch wie Zeiten sich ändern. Damals wähnte man sich dank physischer Spielekopien noch gegenüber der Konkurrenz im Vorteil und moralisch überlegen. Wenig überraschend bekommt das 13 Jahre alte Video jetzt aber viele neue Kommentare. „Ihr seid zum Bösewicht geworden, den ihr veralbert habt“, heißt es in einem enttäuschten Beitrag. Noch besser: „Als würde man das Hochzeitsvideo nach der Scheidung anschauen.“

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Alle Kunst wird konserviert, nur Spiele nicht

Das schwindende Konzept des Eigentums durch Kauf ist eine Sache. Wird aber ein Game digital „gelöscht“, ist es nicht einfach nur für den Neukauf verschwunden, sondern auch für die Nachwelt. Und Spiele sind Kunstwerke, keine Frage. Das ist keine Frage der pragmatischen Überlegungen wie Kosten und Vertrieb, sondern eine der kulturellen Wertschätzung.

Verdienen es nicht auch Spiele, für die Ewigkeit erhalten zu bleiben? Wer möchte sich dazu verpflichten? Verschiedene Spielemuseen leben davon, dass etwas Physisches über Jahre erhalten geblieben ist: der alte C64. Oder die eine Spielkassette von Super Mario Bros. Aufgrund seiner jetzt schon immensen Relevanz gehört auch GTA 6 eines Tages ins Museum – aber Stand jetzt wohl nur in Form eines eingerahmten Downloadcodes.

Könnte es nicht einen Kompromiss geben?

Sony begründet seine Entscheidung essenziell damit, dass physische Spielekopien eine immer geringere Rolle einnehmen. Trotzdem gibt es nach wie vor ein enthusiastisches Publikum für Scheiben, so auch für Gaming-Blu-rays: „Expedition 33“ war zwischenzeitlich ausverkauft, bei „Resident Evil Requiem“ gingen so viele Vorbestellungen ein, dass die Disc-Version bereits vor Start ausverkauft war. Aus meinem Media Markt des Vertrauens ging ich auch mit leeren Händen.

Im Filmbereich haben sich edle Sondereditionen als Sammlerobjekte etabliert und 4K-Blu-rays sind generell noch gefragt. Könnte es so etwas nicht auch bei Spielen geben? Sony und andere große Publisher könnten meinetwegen die Produktion ausgewählter physischer Editionen an Labels wie iam8bit lizenzieren und daran mitverdienen, ohne sich selbst zu bemühen. Wenn schon nicht mit Masse, dann gebt uns Fans wenigstens ein paar kleine Specials.

Immerhin ist nicht alles katastrophal im Blu-ray-Lande. Zumindest im Filmbereich stemmen sich Fans noch vehement gegen ihren Untergang. Die Liebhaberszene wächst gerade in der jüngeren Generation und tatsächlich gibt es steigende Verkäufe zu vermelden: Bei der Key Production Group, wo man unter anderem auch DVDs und Blu-rays herstellt, verzeichnete man zuletzt einen starken Anstieg der Verkäufe – um sage und schreibe 10.000 Prozent. Trotzdem werde ich in Zukunft neue Gaming-Discs vermissen. So, ich gehe dann mal heulen. Schluchz.

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