Deutsche Mobilfunknetze gaben sensible Daten preis
Mobilfunkanbieter reagierten auf eine Schwachstelle, durch die unter bestimmten Bedingungen Handydaten auslesbar waren Foto: Getty Images
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Przemyslaw Szymanski
28. August 2026, 11:34 Uhr |
Lesezeit: 3 Minuten
Wer einen anderen Menschen auf dem Handy anruft, bekommt normalerweise nicht mit, welche technischen Vorgänge während des Verbindungsaufbaus im Hintergrund ablaufen. Genau in dieser Phase gab es offenbar ein Sicherheitsproblem in deutschen Mobilfunknetzen. In bestimmten Fällen konnten dabei sensible Daten des angerufenen Smartphones für den Anrufer sichtbar werden.
Das geht aus Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) hervor. Die Reporter führten dafür mehr als 70 Testanrufe durch. Welche Informationen sichtbar wurden, hing vom jeweiligen Mobilfunknetz ab. In den Netzen von Telekom und Telefónica, dem Unternehmen hinter O2, ließ sich mehrfach die 15-stellige IMEI eines Smartphones auslesen. Dabei handelt es sich um die eindeutige Kennnummer eines Handys.
Je nach Netz wurden unterschiedliche Daten sichtbar
Neben der IMEI konnten bei Anrufen über Telekom und Vodafone teilweise weitere Informationen erkannt werden. Dazu zählten das Smartphone-Modell sowie die installierte Version des Betriebssystems. Allerdings trat das Problem nicht bei jedem Anruf auf. Offenbar mussten dafür bestimmte technische Voraussetzungen erfüllt sein.
Wie lange die Sicherheitslücke bereits bestand, ist bislang nicht bekannt. Laut den Recherchen konnten die Informationen jedoch unter bestimmten Bedingungen während des Verbindungsaufbaus sichtbar werden.
Behörden halten die Schwachstelle für sicherheitsrelevant
Die betroffenen Daten gelten als sensibel. Aus dem Smartphone-Modell und der verwendeten Softwareversion lässt sich beispielsweise erkennen, ob wichtige Sicherheitsupdates fehlen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Schwachstelle deshalb als „sicherheitsrelevant“ ein.
Wie die Recherchen zeigen, konnten die Reporter bei einem Testanruf die IMEI des Smartphones des CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter auslesen. Anhand dieser Kennung bestimmten sie anschließend das genaue Gerätemodell. Kiesewetter bezeichnete die Schwachstelle später als mögliches „Einfallstor für ausländische Nachrichtendienste“ und äußerte sich besorgt über mögliche Folgen für sein Umfeld.
Anbieter und Mobilfunkverband reagierten auf die Hinweise
Nachdem der BR die Mobilfunkanbieter Ende Juni über die Ergebnisse informiert hatte, leiteten diese Maßnahmen ein. Telefónica erklärte, bereits Gegenmaßnahmen umgesetzt zu haben. Vodafone schränkte die Menge der beim Verbindungsaufbau übertragenen Informationen ein. Die Telekom kündigte ebenfalls Anpassungen in ihrem Netz an.
Die Recherchen lösten zudem internationale Reaktionen aus. Der Mobilfunkverband GSMA informierte mehr als 1000 Mitgliedsunternehmen über den Vorfall und empfahl eine Überprüfung ihrer Netze.
Auch die Bundesnetzagentur misst den betroffenen Informationen große Bedeutung bei. Nach ihrer Einschätzung gehört die IMEI zu den besonders schützenswerten Kundendaten. Für den Aufbau einer Verbindung auf der Empfängerseite wird diese Kennnummer nicht benötigt. Deshalb soll sie das Mobilfunknetz nach Angaben der Behörde auch nicht verlassen.
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