Ein Glasfaseranschluss gilt als Zukunftstechnologie. Doch ein aktuelles Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe stärkt die Rechte von Eigentümern. Telekommunikationsanbieter dürfen nicht ohne Weiteres neue Leitungen in Mietshäusern verlegen, wenn die bestehende Infrastruktur bereits ausreicht.
Glasfaser nicht automatisch erlaubt
Das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe hat entschieden, dass Telekommunikationsunternehmen für den Ausbau von Glasfaser in Mietshäusern grundsätzlich die Zustimmung des Eigentümers benötigen. Das gilt zumindest dann, wenn die gewünschte Internetleistung bereits über vorhandene Leitungen erbracht werden kann.
Im konkreten Fall hatte ein Anbieter in mehreren Mietobjekten Glasfaserkomponenten installiert, Verteilerkästen montiert und Kabelkanäle angelegt. Grundlage waren Verträge mit einzelnen Mietern. Die Eigentümerin der Gebäude sah darin jedoch einen unzulässigen Eingriff und klagte auf Unterlassung sowie Rückbau der bereits vorgenommenen Arbeiten.
Besonders wichtig für die Entscheidung war, dass in den betroffenen Häusern bereits leistungsfähige Netze vorhanden waren. Neben Kupfer-Telefonleitungen stand dort auch moderne Technik zur Verfügung. Außerdem hatte die Eigentümerin bereits einen Glasfaserausbau mit einem anderen Unternehmen geplant.
Während das Landgericht Heidelberg zunächst von einer Duldungspflicht ausgegangen war, sah das OLG Karlsruhe den Fall anders. Die Richter betonten, dass die Zustimmung eines Mieters die Zustimmung des Eigentümers nicht ersetzen könne. Zwar erlaubt das Telekommunikationsgesetz unter bestimmten Voraussetzungen einen Ausbau bis in die Wohnung, doch diese Regel greift nur, wenn keine geeignete Bestandsinfrastruktur vorhanden ist und der Eingriff möglichst gering bleibt.
Anbieter muss technische Notwendigkeit nachweisen
Nach Auffassung des Gerichts konnte der betroffene Telekommunikationsanbieter nicht ausreichend belegen, dass die vorhandenen Leitungen den gebuchten Internetanschluss mit 300 Mbit/s nicht hätten bereitstellen können. Damit fehlte die Grundlage für die Verlegung zusätzlicher Glasfaserleitungen innerhalb des Gebäudes.
Darüber hinaus kritisierten die Richter das Vorgehen des Unternehmens bei der Durchführung der Arbeiten. Demnach hätte der Anbieter die Maßnahmen rechtzeitig ankündigen und mit der Eigentümerin abstimmen müssen, um mögliche Beeinträchtigungen auf ein Minimum zu reduzieren. Das Urteil dürfte für die Telekommunikationsbranche große Bedeutung haben, weil es die Voraussetzungen für den Glasfaserausbau in bestehenden Mietobjekten klarer definiert und die Eigentumsrechte von Vermietern stärkt.
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