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Überraschende Marktanalyse

Wann DSL in Deutschland verschwinden könnte

Techniker mit Glasfaser-Kabel
Der Wechsel von DSL zu Glasfaser geht langsamer voran, als viele Marktbeobachter erwartet hatten Foto: Getty Images
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Przemyslaw Szymanski

22. Mai 2026, 15:25 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Für viele Menschen gehört ein stabiler Internetanschluss längst zum Alltag. Oft fällt erst bei langsamen Downloads oder ruckelnden Videotelefonaten auf, welche Technik tatsächlich hinter dem eigenen Anschluss steckt. Während immer mehr Glasfaserleitungen ausgebaut werden, bleibt DSL in Deutschland weiterhin die wichtigste Technik für den Zugang zum Internet. Eine aktuelle Marktanalyse des Branchenverbands VATM zeigt jetzt, warum sich daran kurzfristig wohl wenig ändern wird.

DSL bleibt weiterhin die wichtigste Breitbandtechnik

Die Bundesregierung hatte bereits 2022 ihre Gigabitstrategie vorgestellt. Das Ziel lautet, bis 2025 die Hälfte aller Haushalte und bis 2030 sämtliche Haushalte in Deutschland mit Glasfaser zu versorgen. Seitdem wird immer wieder darüber diskutiert, wann DSL vollständig abgeschaltet werden könnte.

Die aktuellen Zahlen zeigen allerdings ein anderes Bild. Laut Prognose sollen Ende 2026 insgesamt 38,1 Millionen aktive Breitbandanschlüsse in Deutschland existieren. Davon entfallen 21,8 Millionen auf DSL. Das entspricht einem Anteil von 57,2 Prozent. Damit bleibt DSL weiterhin die meistgenutzte Breitbandtechnik.

Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude oder direkt in die Wohnung kommen laut Analyse dagegen auf 7,8 Millionen aktive Anschlüsse. Das entspricht 20,5 Prozent. Kabelanschlüsse liegen bei 8,5 Millionen beziehungsweise 22,3 Prozent. Trotz des laufenden Glasfaserausbaus bleibt der Abstand zu DSL damit weiterhin deutlich.

Wettbewerber treiben den Glasfaserausbau voran

Die Analyse des VATM zeigt außerdem, dass vor allem Wettbewerber der Telekom den Glasfaserausbau vorantreiben. Von den insgesamt 12,5 Millionen angeschlossenen Glasfaseranschlüssen entfallen laut Marktanalyse 69,6 Prozent auf andere Anbieter.

Auch bei den aktiv genutzten Glasfaseranschlüssen liegen diese Anbieter vorn. Ihr Anteil beträgt 65,4 Prozent. Die sogenannte Take-up-Rate liegt bei ihnen bei 30,2 Prozent. Dieser Wert beschreibt den Anteil der erreichbaren Anschlüsse, die tatsächlich genutzt werden. Bei der Telekom liegt dieser Anteil laut Analyse dagegen bei 17,9 Prozent.

Andreas Walter, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dialog Consult, die die Marktanalyse im Auftrag des VATM erstellt hat, erklärte: „Die Telekom muss nicht so viel Gas geben, weil sie auch mit Kunden verdient, die nicht auf Glasfaser wechseln […].“

Viele verfügbare Glasfaseranschlüsse bleiben ungenutzt

Der Ausbau von Glasfaseranschlüssen schreitet zwar weiter voran, doch viele Anschlüsse werden bislang nicht aktiv genutzt. Laut VATM sollen Ende 2026 rund 32 Millionen Haushalte und kleinere Unternehmen mit Glasfaser erreichbar sein. Tatsächlich angeschlossen sind laut Analyse allerdings nur 12,5 Millionen Anschlüsse. Aktiv genutzt werden wiederum lediglich 7,8 Millionen. Insgesamt ergibt sich daraus eine Take-up-Rate von 24,4 Prozent.

Die Zahlen machen deutlich, dass zwischen dem Ausbau der Netze und der tatsächlichen Nutzung weiterhin eine große Lücke besteht. Allein die Verfügbarkeit von Glasfaser sorgt demnach noch nicht automatisch dafür, dass Haushalte auch tatsächlich wechseln.

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Viele Haushalte sehen bislang keinen Vorteil beim Wechsel

Auch COMPUTER BILD-Experte Christian Just hält deshalb nicht allein den Ausbau für entscheidend. Wichtiger sei die Frage, ob Nutzer überhaupt einen klaren Vorteil im Wechsel erkennen. Seine Einschätzung zur möglichen Abschaltung von DSL lautet: „Die Abschaltung bis 2030 wird schwierig, da zumindest bislang die meisten Haushalte mit dem aktuellen DSL-Tempo zufrieden sind – zumindest, solange mehr Glasfasertempo auch mehr kostet.“ Damit wird laut Analyse deutlich, dass Glasfaser nicht nur verfügbar sein muss. Entscheidend bleibt auch, ob Haushalte entsprechende Tarife tatsächlich buchen.

Ein konkreter Zeitpunkt für eine bundesweite DSL-Abschaltung lässt sich aus der aktuellen Analyse nicht ableiten. Stattdessen geht der VATM eher von einem schrittweisen Übergang aus. Unter günstigen Bedingungen könnte Glasfaser laut Prognose ab 2031 erstmals DSL als meistgenutzte Anschlusstechnologie ablösen. Das würde jedoch nicht automatisch bedeuten, dass sämtliche DSL-Anschlüsse abgeschaltet werden.

Die Analyse hält auch ein langsameres Szenario für möglich. In diesem Fall könnte DSL sogar 2031 weiterhin vor Glasfaser liegen. Damit eine tatsächliche Abschaltung realistisch wird, müsste sich der Ausbau stärker auf aktiv genutzte und buchbare Anschlüsse konzentrieren.

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DSL-Aus bleibt vorerst unwahrscheinlich

Nach aktuellem Stand bleibt eine Abschaltung von DSL deshalb vorerst Zukunftsmusik. Erst wenn DSL nur noch von einer kleineren Minderheit genutzt wird und überall zuverlässige Alternativen bereitstehen, könnte das Thema konkreter werden.

Davon ist Deutschland laut der Marktanalyse derzeit noch weit entfernt. Für Verbraucher bedeutet das vorerst vor allem eines: Wer aktuell DSL nutzt, muss nicht damit rechnen, kurzfristig ohne Internetanschluss dazustehen. Ein festes Datum für das endgültige DSL-Aus gibt es bislang nicht.

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