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Notfall-SMS per Satellit kommt jetzt auch für Android-Smartphones

CES 2023

Notfall-SMS per Satellit kommt jetzt auch für Android-Smartphones

Bullitt stellt eine Lösung für Notfall-SMS per Satellit vor.
Bullitt stellt eine Lösung für Notfall-SMS per Satellit vor. Foto: TECHBOOK

Im Notfall erreichbar sein, das ist über das Mobilfunknetz nicht immer möglich. Genau hier setzt die Notfall-SMS über Satellit an. Die Bullitt Group arbeitet seit Jahren an einer entsprechenden Lösung, die auf der CES in Las Vegas nun präsentiert wurde.

Zusammen mit Partnern wie Chip-Hersteller Mediatek hat das britische Unternehmen Bullitt in den vergangenen Jahren an der satellitenbasierten Notfalllösung namens Bullitt Satellite Connect gearbeitet. Über sie sollen sich bei mangelnder Netzabdeckung sowohl Notfall-SMS als auch herkömmliche Textnachrichten über Satellit versenden lassen. Bullitt bewirbt das Angebot explizit als Lösung für herkömmliche Nutzer, nicht nur Ersthelfer.

Bullitt Satellite Connect startet in Europa und weiteren Märkten

TECHBOOK hatte auf der CES in Las Vegas die Möglichkeit, Bullitt Satellite Connect auszuprobieren. Bei den während der Präsentation genutzten Smartphones handelte es sich zwar noch um Prototypen, zum MWC Ende Februar möchte Bullitt aber das erste Smartphone mit Satelliten-Funktion herausbringen. Auch der zur Nutzung notwendige Bezahlplan steht bereits.

Das entsprechende Smartphone stammt aus der für ihre Outdoor-Eigenschaften bekannten Defy-Reihe von Motorola. Herzstück der Satelliten-Funktion ist jedoch das Modem von Mediatek, das Bullitt zusammen mit dem Chip-Hersteller entwickelt hat. Das Modem lässt sich prinzipiell auf jeden Chip bauen, was dessen Einsatz sehr flexibel macht, so das Unternehmen. Man wolle die Lösung dadurch künftig an andere Hersteller lizenzieren und so deren Verbreitung steigern. Nach dem Start in Nordamerika und Europa möchte Bullitt auch die übrigen Märkte angehen.

Auch, wenn Bullitt während der Präsentation von einer Notfall-SMS spricht, sollen auch reguläre Nutzer von der Satelliten-Funktion profitieren. Der Dienst springt automatisch immer dann ein, wenn kein Mobilfunknetz zur Verfügung steht. Hierfür greift Bullitt auf sich bereits im Orbit befindende Satelliten zurück, die vom 2017 gegründeten Unternehmen Skylo betrieben werden. Das Modem sendet die Mitteilungen über das L- und S-Band an die Satelliten.

Das kosten Nachrichten über Satellit

Im Prinzip funktioniert die Satelliten-Funktion von Bullitt wie ein gewöhnlicher Messenger. Nutzer müssen eine App installieren, ein Konto anlegen und benötigen darüber hinaus auch einen entsprechenden Tarif, der den Versand von regulären Nachrichten über Satellit abdeckt. Zum Start bietet Bullitt verschiedene Tarife an. In allen Angeboten sind Notfall-SMS über Satellit im ersten Jahr kostenfrei enthalten.

Möchten Nutzer auch reguläre Nachrichten über Satellit versenden, zahlen sie dafür ab 4,99 US-Dollar pro Monat. Damit lassen sich bis zu 30 Nachrichten versenden. Die nächsten Stufen im Tarifplan umfassen 125 Nachrichten für monatlich 9,99 US-Dollar und 400 Nachrichten für 29,99 US-Dollar. Es gibt auch ein Jahresabo mit 250 Nachrichten für 59,99 US-Dollar.

Die verfügbaren Tarife für Nachrichten per Satellit.
Die verfügbaren Tarife für Nachrichten per Satellit. Foto: TECHBOOK

Beim Verfassen der Nachrichten sollten Nutzer aber aufpassen, denn abgerechnet wird nach Datenmenge, also Länge der Mitteilung – ähnlich wie bei SMS. Etwa 140 Zeichen passen laut Bullitt in eine Nachricht, die auch Emojis beinhalten kann. Lange Texte sollte man somit nicht verfassen, da das Kontingent dann schnell aufgebraucht ist.

Wie bereits erwähnt wird das Kontingent an gebuchten Nachrichten im Paket aber nur dann belastet, wenn kein Mobilfunknetz oder WLAN zur Verfügung steht. Anderenfalls lässt sich die Bullitt-App wie ein gewöhnlicher Messenger nutzen.

Lesen Sie auch: So funktioniert das Notruf-SOS per Satellit im iPhone 14

So funktioniert die Notfall-SMS per Satellit bei Bullitt

Doch wie lange benötigt eine über Satellit versendete Nachricht eigentlich, um anzukommen? Beim Test im Red Canyon außerhalb von Las Vegas waren es im Schnitt etwa 30 bis 45 Sekunden. Die Verzögerung kommt dadurch zustande, dass die Nachricht zunächst an den Satelliten und dann wieder zurückgespielt werden muss.

Beachten sollten Nutzer zudem, dass eine über Bullitt Satellite Connect versendete Notfall-SMS nicht automatisch bei der örtlichen Polizei oder Feuerwehr landet. Vielmehr wird sie an eines von zwei Notfallzentren geleitet, die vom Partner FocusPoint betrieben werden. Die Zentren befinden sich in Florida und Südafrika. Die Mitarbeiter hier fragen die wichtigsten Daten zum Notfall ab und informieren dann die sich am nächsten befindenden Behörden.

Beim Versand von regulären Nachrichten über Satellit kann sich der Empfänger auch im normalen Mobilfunknetz befinden. Beim Empfang der Mitteilung erscheint dann jedoch der Hinweis, dass die Nachricht über Satellit versendet wurde. Eine Antwort an den Absender ist kostenfrei über das Mobilfunknetz möglich, klappt aber nur, wenn der Empfänger ebenfalls die Bullitt-App installiert hat.

Nachrichten sollten kurz gefasst werden, beinhalten aber auch die Koordinaten für den Standort.
Nachrichten sollten kurz gefasst werden, beinhalten aber auch die Koordinaten für den Standort. Foto: TECHBOOK

Auch andere Hersteller entwickeln Notfall-SMS per Satellit

Generell ist das Thema der Notfall-SMS über Satellit bei mehreren Herstellern beliebt. Apple hat 2022 beispielsweise zum Start der iPhone-14-Reihe das Notruf-SOS per Satellit gelauncht. Das amerikanische Unternehmen setzt dabei auf Globalstar-Satelliten. Und Chip-Hersteller Qualcomm hat seine eigene Lösung parallel zu Bullitt auf der CES 2023 gezeigt.

Qualcomm setzt dabei auf Iridium-Satelliten im niedrigen Erdorbit und auf Technik von Garmin. Das Modem ist in den neuen Snapdragon 8 Gen 2 integriert und nutzt zur Funkübertragung an die Satelliten das L-Band. Anders als Bullitt sieht sich Qualcomm aber vor allem als Zulieferer der Technologie, Preise für das Angebot konnte man uns daher nicht nennen. Da aber die meisten Smartphone-Hersteller wie Samsung, Xiaomi und Oppo auf Qualcomm-Chips setzen, ist es recht wahrscheinlich, dass bereits dieses Jahr neue Geräte mit dem Satelliten-Modem erscheinen.

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