31. August 2025, 17:07 Uhr | Lesezeit: 15 Minuten
Anfang der 80er-Jahre wurden Polizei-Serien komplexer und vielschichtiger. Statt der schwarz-weiß gezeichneten Jagd der Cops auf die Gangster, zeigte man die Männer des Gesetzes zunehmend als Charaktere mit Licht und Schatten, sodass sich die Grenze zwischen Gut und Böse allmählich auflöste.
Übersicht
Der Kommissar
Kommissar Herbert Keller (Erik Ode) und seine Assistenten Robert Heines (Reinhard Glemnitz), Walter Grabert (Günther Schramm) und Harry Klein (Fritz Wepper) stellen sich im München der späten 60er- und frühen 70er-Jahre dem Verbrechen entgegen …
Verbrechen, die längst nicht immer von klassischen Verbrechern, sondern von Menschen aus den verschiedensten Milieus begangen werden. Ode gibt einen unaufgeregten Kommissar, der die Verbrechen mit Grips statt mit Muskeln oder Pistole löst. Stets ist er bemüht, die Motive der Täter und das jeweilige Milieu, in dem sie sich bewegen, zu verstehen. Damit taugt „Der Kommissar“ als scharf konturierter Bilderbogen einer bundesrepublikanischen Gesellschaft, die das Grauen des 2. Weltkriegs allmählich hinter sich ließ, die es aber heute so längst nicht mehr gibt.
Die Eindringlichkeit vieler Episoden war häufig auch den Gastdarstellern zu verdanken. Vor allem in den frühen Episoden glänzten ehemalige UFA-Stars wie Curd Jürgens, René Deltgen, Brigitte Horney, Maria Schell, Marianne Hoppe, Elisabeth Flickenschildt, Paul Hubschmid oder Rudolf Platte. Die meisten hatten ihr Handwerk von der Pike auf gelernt, auf den Brettern, die angeblich die Welt bedeuten. Kein Wunder also, dass „Der Kommissar“ in manchen Szenen an hervorragendes Sprechtheater erinnert.
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Miami Vice
James „Sonny“ Crockett, Deckname Sonny Burnett, und Ricardo „Rico“ Tubbs, Deckname Ricardo Cooper, sind verdeckte Ermittler des „Metro-Dade Police Departments“ von Miami. Nicht zuletzt die Nähe zu Kuba macht den Sehnsuchtsort der US-Rentner auch zum Paradies für Drogenhändler, Waffenschmuggler und Geldwäscher. Allesamt skrupellose Gangster, für die ein Menschenleben nicht zählt …
„Miami Vice“ war nicht weniger als wegweisend. Die Polizei-Serie des späteren Star-Regisseurs Michael Mann („The Heat“) brachte Anfang der 80er-Jahre den Stil der damals neuen Video-Clips – harte Schnitte, schnelle Bildfolgen, grelle Farben – ins TV. Und auch im Hinblick auf Männermode leistete „Miami Vice“ Schrittmacherdienste. Plötzlich waren in Deutschland pastellfarbene Sakkos, hochgekrempelte Sakkoärmel, Slipper ohne Socken und Sonnenbrillen von Ray Ban der letzte Schrei. Dass das vielleicht zum Laissez-faire und dem Art Déco-Stil von Miami passte, in Castrop-Rauxel oder bestenfalls skurril, eher aber lächerlich wirkte – das nur nebenbei.
Inhaltlich war „Miami Vice“ dagegen eine eher konventionelle Krimi-Serie. „Hörzu“ etwa sprach von einer Handlung, die sich schnell als „vertrautes Räuber-und-Gendarm-Spiel“ herausstellte. Der Reiz liege vielmehr im Tempo, in der Musik und der perfekten Farbdramaturgie. Streckenweise mutete die Serie wie ein langes Musik-Video an, das seine Geschichte mehr durch Bilder und Gesten erzählte als durch schlüssige Handlung und ausgefeilte Dialoge, so die TV-Zeitschrift damals.
Law & Order
Das Markenzeichen der Serie, die von 1990 bis 2010 lief und nun wieder seit 2022 läuft (im Herbst startet die 25. Staffel), ist die aus dem Off gesprochene Einführung, die in inhaltlich abgewandelter Form auch etliche Spin-offs einleitet. „Das Rechtssystem kennt zwei wichtige, voneinander unabhängige Behörden, die dem Schutz der Bürger dienen: die Polizei, die begangene Straftaten aufklärt, und die Staatsanwaltschaft, die die Täter anklagt. Dies sind ihre Geschichten.“ Während die erste Hälfte jeder Episode also dem Verbrechen und den Ermittlern gehört, folgt im zweiten Teil die gerichtliche Aufarbeitung. Exekutive und Judikative arbeiten hier Hand in Hand.
Die Polizei-Serie und ihre Spin-offs wie „Criminal Intent“ oder „Law & Order: New York“ sind ein Meilenstein in der Geschichte des US-Fernsehens. Rechnet man alles zusammen, kommt das „Law & Order“-Franchise auf zehn Serien (weitere sind in Planung) mit insgesamt sage und schreibe fast 1500 Episoden. Zudem gibt es Crossover nicht nur innerhalb des Franchise, sondern auch mit weiteren Serien wie „Homicide“, „In Plain Sight“ oder „Chicago P. D.“. Längst nicht jedes Spin-off war erfolgreich, aber „Law & Order“ (Laufzeit bisher 24 Staffeln) sowie „Law & Order: Special Victims Unit“ (Laufzeit bisher 27 Staffeln) gehören zu den langlebigsten (nicht nur Krimi-)Serien des US-Fernsehens.
Die Ermittler-Teams und die der Staatsanwaltschaft wechselten im Laufe der Jahre. Erfolgreich im Sinne der Quote waren aber alle Teams, was umso mehr für das offensichtlich beim Publikum enorm attraktive, grundsätzliche Konzept der Serie spricht. So populär war/ist „Law & Order“, dass man Jerry Orbach, der in 274 Folgen den Ermittler Lennie Briscoe spielte, nach seinem Tod 2004 eine ganz besondere Ehre zuteil werden ließ. Im September 2007 erhielt ein Straßenabschnitt der 53. Straße auf Höhe der 8. Avenue in Manhattan den Zusatz Jerry Orbach Way.
Criminal Intent – Verbrechen im Visier
Detective Robert Goren (Vincent D’Onofrio) und seine Partnerin Detective Alexandra Eames (Kathryn Erbe) sind ein Ermittlerteam der Major Case Squad beim NYPD. Sie kommen bei sogenannten Kapitalverbrechen, schwersten Verbrechen gegen Leib und Leben, zum Einsatz …
„In New York Citys’ Kampf gegen das Verbrechen werden die schlimmsten Straftäter von den Detectives der Major Case Squad gejagt. Dies sind ihre Geschichten“, gibt eine nüchterne Stimme aus dem Off den Takt vor. Zunächst wird in aller Kürze und damit umso eindrücklicher ein Verbrechen geschildert, das häufig den Charakter einer Tragödie von Shakespeare’schem Ausmaß annimmt. So müssen die „Criminal Intent“-Ermittler zur Lösung eines Falles stets in die Hölle menschlicher Abgründe hinuntersteigen. Eine ganz eigene Farbe bekommt die Serie dabei durch Vincent D’Onofrios Robert Goren. Goren, der selbst immer wieder von Dämonen heimgesucht wird, findet gerade deshalb intuitiv einen Weg in die Psyche der Verbrecher. Faszinierend ist es, diesem großen, schweren Mann, der bisweilen ein wenig linkisch wirkt, dabei zuzuschauen, wie er elegant Katz und Maus spielt mit seinem Gegenüber.
Strahlende Sieger sind diese Cops dennoch nicht (ein zweites Ermittlerteam geben Julianne Nicholson und Chris (bekannt als Mr. Big aus „Sex and the City“) Noth. Jede Folge hinterlässt am Ende eine tiefe, fraglos beabsichtigte Leere, bei den handelnden Personen wie auch beim Zuschauer. Es ist dieses Gefühl von unersetzbarem Verlust, das „Criminal Intent“, besonders für eine Serie mit abgeschlossenen Episoden, zu einem so intensiven Erlebnis macht.
The Shield – Gesetz der Gewalt
Captain David Aceveda (Benito Martinez), Leiter des Reviers von Farmington/L. A., hegt politische Ambitionen. Einen Strich durch die Rechnung könnte ihm allerdings ausgerechnet das eigene Personal machen. Das von Detective Vic Mackey (Michael Chiklis) angeführte Strike Team, eine Anti-Gang-Spezialeinheit, erzielt Erfolge im Kampf gegen Gang-Kriminalität. Die Mittel aber, die Mackey und seine Männer anwenden, sind alles andere als gesetzeskonform. Bestechung, Misshandlung, Unterschlagung und sogar Mord zählen zu ihrem Repertoire. Noch aber gelingt es jedes Mal, die Vorwürfe zu entkräften …
„The Shield“ erzählt von Cops, die ihrem eigenen Gesetz folgen, dem Gesetz der Gewalt, wie der deutsche Titel schon sagt. Nicht wenige Kritiker lobten gerade den „authentischen Einblick in die Polizei-Arbeit in Los Angeles“. Wer nun aber diese Authentizität anzweifelt und meint, so korrupt wie in der Serie dargestellt, könne die Polizei gar nicht sein, der irrt fundamental. Denn das LAPD wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder von Skandalen aufs Schwerste erschüttert.
Einer davon, der „Rampart-Skandal“, umfasste Ende der 90er-Jahre all die Vorwürfe, von Rassismus und Brutalität, (der Rodney King-Fall) über Korruption bis zu Autoritätsmissbrauch, die später in „The Shield“ dramaturgisch verhandelt wurden. LAPD-Cops hatten im Problemdistrikt Rampart jahrelang Gangmitglieder schwer misshandelt, ihnen Drogen und Waffen untergeschoben und selbst mit Rauschgift gehandelt. Mehr als 70 Officer mussten sich vor Gericht verantworten, zudem kosteten Zivilklagen das LAPD 125 Millionen US-Dollar.
The Wire
The Wire ist eine Polizei-Serie – und irgendwie doch nicht. Im Mittelpunkt steht die Polizeiarbeit primär in der ersten Staffel. Hier folgt die Handlung den Ermittlungen einer Sonderkommission der Polizei von Baltimore gegen einen Drogenring. Tatsächlich aber zeichnet die Serie über die Gesamtheit aller fünf Staffeln ein umfassendes, messerscharf ziseliertes Psychogramm einer amerikanischen Großstadt, wie man es so noch nie zuvor gesehen hat. So widmet sich jede Staffel einem anderen Bereich des Gemeinwesens – Polizei, Gewerkschaft, Politik, Presse, Bildungswesen – und zeigt das Leben aus einem anderen Blickwinkel.
Geistiger Vater der Serie ist David Simon, ein ehemaliger Journalist der „Baltimore Sun“, die auch in der Serie einen Auftritt hat. Simon arbeitete 13 Jahre als Polizeireporter für das Blatt. 1988 ließ er sich für ein Jahr freistellen und begleitete die Mordkommission des BPD. Simon nutzte diese Erfahrung und schrieb mit „Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Straßen“ sein erstes Buch, das die Basis für die Polizei-Serie „Homicide“ und später auch für „The Wire“ bildete.
Die Kritiker überschlugen sich geradezu vor Lob. „Spiegel Online“ nannte die Serie „ein gesellschaftskritisches Meisterwerk von epischer Komplexität“, während die „FAZ“ schrieb: „Kein Roman hat mich so beschäftigt wie ‚The Wire‘ – das ist auch so zu verstehen: ‚The Wire‘ ist ein Roman. Einer der besten.“ Und „Die Zeit“ sprach von „The Wire“ schlichtweg als „die beste Fernsehserie der Welt“.
Braquo (ab 2008)
Eddy Caplan (Jan-Hugues Anglade), Walter Morlighem (Joseph Malerba), Théo Vachewski (Nicolas Duvauchelle) sowie Roxane Delgado (Karole Rocher) stellen eine Eliteeinheit der Pariser Polizei, die ins Visier interner Ermittler gerät. Alsbald finden sie sich im Kreuzfeuer zwischen Ermittlern und Gangstern wieder und verstricken sich in einem Geflecht aus verquerer Loyalität, brutaler Gewalt und Durst nach Rache …
„Braquo“ (der Name ist abgeleitet von „braquages“, einem umgangssprachlichen Ausdruck für „Raubüberfall“) stammt aus der Feder des ehemaligen Cops Olivier Marchal. Wer seine Polizei-Filme wie „36 – Tödliche Rivalen“ kennt, hat bereits mehr als nur eine Ahnung, was ihn erwartet. Marchals Cops sind in der Regel Getriebene, und das trifft auch auf das Quartett von „Braquo“ zu. Für Eddy heiligt der Zweck die (häufig brutalen) Mittel, und er sieht sich niemandem verpflichtet außer seinen Partnern. Théo wiederum ist kokainsüchtig, während Walter seine Spielsucht kaum zu begleichende Schulden im kriminellen Milieu eingebracht hat. Lediglich Roxanne scheint bislang nicht verdorben und völlig desillusioniert vom tagtäglichen, an einen Sisyphos gemahnenden Kampf gegen das Verbrechen.
In Frankreich war „Braquo“ erfolgreicher als das thematisch ähnlich gelagerte „The Shield“. Die zweite Staffel gewann 2012 gar den Emmy als beste Drama-Serie – was bei einer ausländischen Serie in den USA eher selten der Fall ist. Die vielleicht größte Ehrung aber wurde „Braquo“ durch die Schweizer „Weltwoche“ zuteil, wo es hieß: „Die Serie steht in der Tradition des Unterweltkinos à la Jean-Pierre Melville“. Bei Melville, dem Großmeister des klassischen französischen Gangsterkinos (u. a. „Der Teufel mit der weißen Weste“), standen stets die ungeschriebenen Regeln im Fokus, die im kriminellen Milieu gelten. Eine Art verquerer Ehrenkodex, den man auch bei „Braquo“ findet. Leider hat aktuell kein Streaming-Dienst die Polizei-Serie im Programm. Allerdings finden sich alle vier Staffeln auf DVD/Blu-ray bei Amazon, Ebay etc.
Der junge Inspector Morse
Der ehemalige Oxford-Absolvent Endeavour Morse (Shaun Evans) tritt Mitte der 60er-Jahre in den Polizeidienst der Stadt. Er erweist sich rasch als für einen Cop ungewöhnlich kultiviert – Morse weiß über „La Traviata“ ebenso Bescheid, wie über die Punischen Kriege –, was ihn zum Außenseiter macht. Erst allmählich lernt man seine Empathie, mit der er sich in die Gedankenwelt der Täter einfühlen kann, zu schätzen. Aber je weiter Morse aufsteigt, desto mehr verdüstert sich sein Blick auf die Welt …
„Der junge Inspektor Morse“, ein spätes Prequel der in den 1990er-Jahren erfolgreichen Krimi-Serie „Inspector Morse“, zeigt die bisweilen zermürbende Initiation des Cops. Evans selbst hat (seinen) Morse passend „einen Mann, der versucht, einer Welt einen Sinn abzuringen, in die er nicht passt“ genannt. An diesem unlösbaren Dilemma droht Morse zu zerbrechen. Er beginnt zu trinken, wird nachlässig, und seine wenigen Freunde drohen, sich abzuwenden. Rettung sucht er wiederholt in der Liebe, scheitert aber stets, bisweilen gar tragisch. Er bleibt allein.
Die Polizei-Serie ist ein Musterbeispiel für kultivierte Krimi-Unterhaltung ‚Made in Britain‘. Alles ist im Überfluss vorhanden. Die Geschichten sind raffiniert und laden zum Whodunit geradezu ein, die Charakterzeichnungen und schauspielerischen Leistungen haben höchstes Niveau. Geschickt werden immer wieder reale Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen (etwa die Kuba-Krise, die erste Mondladung, die Rassenunruhen der 60er-Jahre) in die 90-minütige Handlung eingebaut. So entsteht schrittweise ein faszinierendes Sittengemälde eines Nachkriegs-Englands, das – auch dank der reichen Ausstattung – pure Authentizität atmet.
True Detective
Die Geschichte beginnt 2012. Die beiden Ex-Cops Rust Cohle (Matthew McConaughey) und Marty Hart (Woody Harrelson) werden getrennt zu einem 20 Jahre zurückliegenden Mordfall befragt, den sie damals aufgeklärt glaubten. Erste Zweifel aber waren Cohle schon einige Jahre später beim Verhör eines Gefängnisinsassen gekommen, der kurz darauf ermordet worden war. So beschließen die ehemaligen Partner, die einst im Streit auseinandergegangen waren, den wahren Mörder doch noch zu finden …
Vom ersten Moment an ist Trostlosigkeit. Schon der Vorspann zeigt ein Louisiana der schmutzig-grauen Industrieanlagen, der brackigen Brachen und der heruntergekommenen White-Trash-Kaschemmen, in denen religiöser Fanatismus zu Hause ist. Fast glaubt man, die dumpfe, fiebrig-feuchte Hitze spüren zu können, die das Land wie unter einer riesigen Glocke zu begraben scheint.
Ein Setting, das McConaughey und Harrelson mit einer Intensität spielen lässt, als ginge es um ihr Leben. McConaughey, viel zu lange als Heartthrob verkannt, liefert gar die herausragendste Leistung seiner Karriere ab.
All das macht diese erste Staffel zu einem der gewaltigsten, intensivsten Serien-Erlebnisse überhaupt. Die abgeschlossene Erzählung, die inhaltlich in keiner Weise mit den folgenden Staffeln im Zusammenhang steht, wird bei IMDb gar mit einer formidablen 9,2 geführt (auf einer Skala von 1 bis 10).
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Bosch
Hieronymus „Harry“ Bosch (Titus Welliver) ist Detective der Mordkommission des LAPD in Hollywood. Bosch, der eine wenig glückliche Kindheit hatte, die er in Waisenhäusern und Pflegefamilien verbringen musste – seine Mutter war eine Prostituierte und wurde ermordet, als Harry gerade elf Jahre alt war –, lebt mit seiner Tochter Maddie (Madison Lintz) zusammen. Weil er sich wegen Schusswaffengebrauchs mit Todesfolge vor Gericht verantworten muss, wurde er vorläufig freigestellt. Dennoch ermittelt er mit seinem Partner Jerry Edgar (Jamie Hector) in einem bereits viele Jahre zurückliegenden Mordfall, der viele Fragen, auch über die Arbeit der Polizei, aufwirft …
„Bosch“ basiert auf der erfolgreichen „Harry Bosch“-Reihe von Michael Connelly, die bereits 20 Romane umfasst. Die Titelfigur ist eine sorgfältig ausgearbeitete Figur, in den Romanen und auch in der Serie. Bosch ist ein Cop, der eine klare Linie zieht zwischen Recht und Unrecht – was nicht selbstverständlich ist im LAPD. Gleichwohl ist der Jazz-Liebhaber ein echter Sturkopf, der meist seinen eigenen Weg geht. Und nicht selten nimmt Bosch das Leid der Opfer persönlich – was ihn dann zu einem besonders unbarmherzigen Jäger macht.
„Bosch“ ist einer der Fälle, in denen eine Polizei-Serie ihren wahren Reiz erst allmählich offenbart. Und das exakt in dem Maße, wie der Zuschauer zum kantigen, bisweilen unbequemen Bosch langsam, aber sicher eine Verbindung aufbaut, die dann eine unbegrenzte Halbwertszeit hat. „Eine derart ausgefeilte Krimi-Produktion muss man lange suchen“, schrieb die „FAZ“ richtig, und der „Tagesspiegel“ nannte die Serie „eine Kombination aus Fan-Fernsehen und Charakter-Fernsehen“. Die „SZ“ wiederum lobte die „sorgfältige Figurenzeichnung“ und die „stille, nachhaltige Entfaltung der Story“. In der Tat versagt sich die Serie jegliche Aufgeregtheiten, sondern setzt auf – im besten Sinne – Handwerk alter Schule. Hier liegt alles, von den Büchern über die Dialoge bis zu den ausgefeilten Charakteren und den hervorragenden Darstellerleistungen, auf hohem Qualitätslevel.
Mare of Easttown
Mare Sheehan (Kate Winslet) arbeitet in Easttown, einem Vorort von Philadelphia, als Cop. Hier hat das Leben die Menschen längst abgehängt. Die Community ist traumatisiert, ein Jahr zuvor ist ein junges Mädchen spurlos verschwunden. Aber auch hinter Mare liegt ein Drama. Ihr Sohn nahm sich das Leben, sie trennte sich daraufhin von ihrem Mann Frank (David Denman). Jetzt lebt sie mit Tochter (Angourie Rice), Mutter (Jean Smart) und Enkelin im selben Haushalt – was zwangsläufig zu (Generationen-)Konflikten führt. Als Mare einen Mord aufklären soll – das Opfer ist erneut eine Teenagerin –, drohen Arbeit und private Situation zu kollidieren …
Die Ankündigung der HBO-Produktion „Mare of Easttown“ machte Hoffnung auf ein formidables Krimi-Drama mit Tiefgang. Schließlich hatte der Bezahlsender mit Serien wie „Die Sopranos“, „The Wire“, „True Detective“, „Six Feet Under“ oder „Game of Thrones“ in der Vergangenheit stets höchste Qualität abgeliefert. Und „Mare of Easttown“ kann dieses Level problemlos halten. „Die Zeit“ etwa attestierte der Serie damals, „zu den wegweisenden TV-Erzählungen des Jahres“ zu gehören.
Dass „Mare of Easttown“ ein solch bewegendes Porträt einer Gemeinde am Abgrund geworden ist, liegt auch an den herausragenden Darstellerleistungen. Kate Winslet gibt Mare als Frau, Tochter und Mutter, die ihren Platz im Leben kaum zu finden vermag und schwerfällig am Rande des Nervenzusammenbruchs wandelt. Mindestens ebenso aber dürfte das exzellente Drehbuch für den Erfolg der Serie verantwortlich sein. Autor Brad Ingelsby stammt aus einem Nachbarort und kennt das Leben in den Easttowns dieser Welt. Er weiß, wie die von diesem Leben erschöpften Menschen denken und fühlen. Eine Authentizität, die man nicht „erfinden“ kann, sondern selbst spüren muss.