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Korrupt, brutal, menschlich

Wenn Cops zu Tätern werden! 11 Polizei-Filme, die unter die Haut gehen

„Training Day“ von 2001 ist einer der sehenswerten Polizei-Filme
„Training Day“ von 2001 ist einer der sehenswerten Polizei-Filme Foto: Getty Images
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Andreas Kötter
Freier Redakteur

24. August 2025, 16:45 Uhr | Lesezeit: 16 Minuten

Cop-Filme erzählen (nur) auf den ersten Blick von der Jagd der Polizei auf Gangster. Das aber ist nur das eine von zwei grundlegenden Motiven des Polizei-Films. Das zweite Motiv, das zwar nicht in allen, aber doch in sehr vielen Exemplaren des Genres auftaucht, ist häufig gar das interessantere. Eben weil es das klassische Cop-vs-Gangster-Motiv aufbricht und die Handlung deutlich vielschichtiger macht. Es geht um tief gefallene, um korrupte Cops, und damit um Schuld und Sühne – und manchmal auch um Absolution.

Serpico

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Frank Serpicos Traum geht in Erfüllung, er wird in den Dienst der New Yorker Polizei aufgenommen. Allzu rasch aber muss er erkennen, dass Korruption unter seinen Kollegen kein Einzelfall ist, sondern eher System. Weil das Beharren auf seinen Idealen für die Kollegen lästig und später gar gefährlich wird, wird er immer wieder versetzt. Schließlich lässt ihn das eigene Team in eine Falle laufen …

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Acht Jahre vor „Prince of the City“, dem vielleicht besten aller Polizei-Filme, gelang Sidney Lumet mit „Serpico“ der erste von einem halben Dutzend Genrebeiträgen um Schuld und Sühne. Zwischen „Der Pate“ und „Der Pate 2“ lieferte Al Pacino in diesem, von der Lebensgeschichte des New Yorker Polizisten Frank Serpico inspirierten Drama eine weitere, Oscar-nominierte Meisterleistung ab.

Korruption, Fäulnis, Düsternis – viel von dem, was Lumet ein knappes Jahrzehnt danach in „Prince of the City“ wieder aufgreifen würde, war hier bereits angelegt. Am Ende bleiben Serpico nur Desillusion und tiefe Verbitterung. Der Unterschied: Lumets Protagonist widersteht hier noch allen Versuchungen. Danny Ciello und seinen Partnern wird das später nicht mehr gelingen.

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Prince of the City – Die Herren der Stadt

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Die Detectives Daniel Ciello (Treat Williams), Bill Mayo (Don Billet), Gus Levy (Jerry Orbach) und Joe Marinaro (Richard Foronjy) riskieren in diesem Polizei-Film im Kampf gegen das organisierte Verbrechen tagtäglich ihr Leben. Da scheint es ihnen nur recht und billig, vom beschlagnahmten Drogengeld bisweilen etwas für ihre Familien abzweigen. Als eine Sonderkommission gegen Polizei-Korruption eingerichtet wird, bittet der ermittelnde Staatsanwalt ausgerechnet Ciello um Hilfe. Ciello, dem es insgeheim nach Absolution dürstet, willigt ein, im Glauben, er könne seine Partner dennoch schützen …

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„Prince of the City“ ist nicht nur wegen der beinahe dreistündigen Laufzeit der dichteste, epischste Film von Sidney Lumet. Nicht der klassische Kampf gegen das Verbrechen ist hier das eigentliche Thema, sondern der Kampf, den Ciello und seine Partner gegen sich selbst kämpfen müssen. Einmal sitzt Ciello mit zwei Staatsanwälten zusammen und ringt verzweifelt um Worte. „Ihr Typen lebt in Central Park West, meine Partner und ich aber leben mit unseren Familien im Barrio. Ich schlafe mit meiner Frau, aber ich lebe mit meinen Partnern“, schreit er sie an. „Wir nehmen die Kerle hoch und buchten sie ein. Ja, und wir nehmen ihr verdammtes Geld! Also, fuck you! Fuck you! Fuck you!“ Dann sagt er unter Tränen: „Wir sind das Einzige zwischen euch und diesem Dschungel da draußen. Aber im Gegensatz zu euch müssen wir in diesem Dschungel leben!“

Leben – und sterben! So wie Mayo, der sich aus Angst, erwischt zu werden, erschießt. Als Ciello Marinaro davon unterrichtet, bringt der zunächst kein Wort heraus. Gemeinsam gehen sie in den Hinterhof, wo Marinaro sich an einem Zaun festhalten muss. Dann zerreißt sein Schmerzensschrei die Stille. Ein Schrei, der bis ins Mark geht, so unerträglich, dass es kaum auszuhalten scheint. Lumet zeigt hier keine stereotypen Cops, sondern Verzweifelte am Rande des Abgrunds, so wahrhaftig, wie es bis heute kaum einem zweiten Polizei-Film gelungen ist.

Internal Affairs – Trau‘ ihm, er ist ein Cop

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Bei einem nächtlichen Einsatz der LAPD-Cops Dennis Peck (Richard Gere), Van Stretch (William Baldwin) und Dorian Fletcher (Michael Beach) erschießt Fletcher einen Unbewaffneten. Peck platziert kurzerhand ein Messer in der Hand des Toten, um die Tat als Notwehr erscheinen zu lassen. Fast gleichzeitig wird Detective Raymond Avilla (Andy Garcia) in die Internal Affairs Division (IAD) aufgenommen, die Korruption in den Reihen der Polizei bekämpfen soll. Es dauert nicht lange, da entwickelt sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen Avilla und Peck …

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Regisseur Mike Figgis, damals noch am Beginn seiner Kino-Karriere, zeigt den US-amerikanischen Polizeiapparat als „eine Institution, deren sogenannte Staatsdiener auf allen Etagen mit der organisierten Kriminalität paktieren und selbst wie eine Zweigstelle der Unterwelt organisiert sind“, wie es auf der empfehlenswerten Website „der-film-noir.de“ heißt.

Wie Jahre später Denzel Washington in „Training Day“ liefert auch Richard Gere den Beweis, dass gutes Aussehen in keiner Weise daran hindert, einen formvollendeten Psychopathen zu spielen. Geres Peck ist ein Mann, der alles tun würde, um sich seinen Status zu erhalten, Mord und Vergewaltigung eingeschlossen. Dass ihm ausgerechnet der Anfänger Avilla einen Strich durch die Rechnung macht, könnte man vielleicht als klitzekleinen Makel des Films bezeichnen, bleibt Garcias Avilla doch ein wenig blass. Man hat Garcia in anderen Thrillern, so in „8 Millionen Wege zu sterben“, schon überzeugender gesehen.

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Die Sieger

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Polizeihauptmeister Karl Simon (Herbert Knaup) führt ein Spezialkommando in einen Einsatz, der schiefläuft. Von drei Gangstern kann nur einer verhaftet werden. Einer der beiden anderen wird erschossen, der dritte kann fliehen. In ihm glaubt Simon seinen ehemaligen Kollegen Heinz Schaefer (Hannes Jaenicke) erkannt zu haben. Das Problem: Schäfer soll vier Jahre zuvor Selbstmord begangen haben, nachdem er sein neugeborenes, schwerbehindertes Kind getötet hatte. Allerdings fehlte Schäfers vermeintlicher Leiche der Kopf. So beginnt Simon auf eigene Faust zu recherchieren – und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Familie in Lebensgefahr …

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„Die Sieger“ ist anzumerken, dass hier das ganz große Ding gedreht werden und dabei ein Cop-Thriller nach Hollywood-Art herauskommen sollte. Tatsächlich ist Dominik Graf einer der wenigen deutschen Regisseure, wenn nicht gar der einzige jenseits des Komödienkinos, dem man dies auch zutrauen könnte. Und ihm gelingt die Inszenierung einer in sich geschlossenen, beinahe sektenartigen Männerwelt, wie sie die Polizei, insbesondere ein SEK, darstellt, eindrücklich. Weniger überzeugend aber sind die teilweise holprigen Dialoge, die in ihrer Formelhaftigkeit versanden.

So wurde der Polizei-Film „Die Sieger“ alles andere als ein kommerzieller Erfolg, wohl auch, weil Graf nicht so durfte, wie er wollte. Eher gerecht wurde den Vorstellungen des Regisseurs erst sein rund zehn Minuten längerer „Director’s Cut“ von 2019 (die ursprüngliche Schnittfassung lag gar bei 180 Minuten). Zwar macht auch diese Fassung den Film nicht gleich zum Genre-Meisterstück, dennoch verleihen ihm die zusätzlichen Szenen eine deutlich gesteigerte Intensität. Vielleicht wäre für „Die Sieger“ das Serienformat ja das bessere gewesen.

Training Day

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Ein Probetag an der Seite des erfahrenen Detective Alonzo Harris (Denzel Washington) soll zeigen, ob der junge Cop Jake Hoyt (Ethan Hawke) geeignet ist für das Drogendezernat des LAPD. Zunächst fasziniert Hoyt der selbstsichere, smarte Harris, der auf jede Frage eine Antwort und für jede Situation die passende Reaktion parat hat. Alsbald aber muss der Rookie seinen ersten Eindruck revidieren. Denn Harris erweist sich nun als regelrechter Psychopath, der bei seinen schmutzigen Geschäften selbst vor Mord nicht Halt macht …

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Regisseur Antoine Fuquas Cop-Thriller ist weniger am Innenleben seiner Protagonisten interessiert, denn an der geradezu magischen Verführungskraft, die Denzel Washington seiner Figur verleiht. Washington trumpft so auf, dass man sich kaum sattsehen mag an seinem Spiel. Gleichzeitig macht das den Polizei-Film aber ein Stück weit zur Projektionsfläche für eine „Gib dem Affen Zucker“-Performance des Hollywoodstars. Keine Frage, seine Leistung ist herausragend. So gut gar, dass sie trotz eines Finales, in dem Washington dem Over-Acting zu verfallen droht, zu Recht mit dem Oscar belohnt wurde.

Dass „Training Day“ nicht zur bloßen One-Man-Show Washingtons wird, verdankt der Film nicht zuletzt Hawke. Der macht aus seiner wenig dankbaren Rolle als Greenhorn deutlich mehr, als vielleicht zu erwarten war. So spielt er Hoyts Angst, als der in die Fänge einer Latino-Gang gerät, buchstäblich fühlbar eindrucksvoll – was ihm ein Jahr später eine verdiente Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller einbringen sollte.

Narc

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Der Ermittler Nick Tellis (Jason Patric) arbeitet als „Narc“, als verdeckter Ermittler, für die Polizei von Detroit. Bei einem Einsatz schießt er versehentlich eine schwangere Frau an, die ihr ungeborenes Kind verliert. Tellis erleidet ein Trauma und wird suspendiert. Als 18 Monate später ein Cop seiner früheren Einheit getötet wird, hofft man auf Tellis‘ Insiderwissen und beauftragt ihn mit dem Fall. Schon bald stößt er auf Henry Oak (Ray Liotta), den ehemaligen Partner des Getöteten …

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Düster, schmutzig, schäbig und verkommen – das ist die Welt von „Narc“ und damit die von/in Detroit 2002. „Narc“ zeigt das einstige Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie als Ort zunehmenden sozialen Niedergangs. Perspektivlosigkeit sowie eine rasant steigende Kriminalitätsrate veranlassten damals viele Menschen, die Stadt zu verlassen. So verlor Detroit seit 2000 ein Drittel seiner Bevölkerung.

Die Umsetzung dieser Gemengelage ist Regisseur Joe Carnahan in diesem Polizei-Film glaubhaft gelungen. Hoffnungslosigkeit und Düsternis sind hier die Regel, nicht die Ausnahme. Und Desillusion herrscht nicht nur an jeder Straßenecke, sondern gerade auch innerhalb der Institution, die die Stadt und ihre Menschen eigentlich beschützen sollte. Was „Narc“ schlussendlich aber erst zu einem kleinen, wenn auch kaum bekannten Meisterwerk macht, ist das Duell, das sich Patric und Liotta liefern. Geradezu brillant geben sie zwei Männer, die das Richtige wollen, deren Tun aber unweigerlich in Destruktion und Tod mündet.

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Dark Blue

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L. A., April 1992: Das (spätere Skandal-)Urteil im Rodney King-Prozess wird unmittelbar erwartet, und es brodelt in der afroamerikanischen Community. Währenddessen versucht Detective Sergeant Eldon Perry (Kurt Russell) seinen jungen Partner, Bobby Keough (Scott Speedman) mit rüden Methoden auf die Härte des Jobs vorzubereiten. Perry, ein Mann stets kurz vor der Eruption, beugt bedenkenlos das Gesetz, wenn es der Sache nutzt. Chief of Police Jack Van Meter (Brendan Gleeson), selbst ein brutaler, skrupelloser Rassist, deckt ihn zunächst. Dann aber muss Perry erkennen, dass sein Boss selbst ein Gangster zu sein scheint, schlimmer als manche, mit denen es Perry auf der Straße zu tun bekommt …

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Die Handlung vor dem Hintergrund der Rassenunruhen (Ellroys Roman erzählte von den Rassenunruhen in L. A. 1962) anzulegen, die im selben Jahr wie die Dreharbeiten stattfanden, erwies sich als geschickter Coup. Ein Coup, der dem Film in gewissen Momenten einen fast dokumentarischen Charakter verleiht. Regisseur Ron Shelton gelingt es, die nervenzerfetzende Atmosphäre kurz vor dem Ausbruch der Gewalt in eindringliche Bilder umzusetzen.

Dass „Dark Blue“ (der Titel meint die Farbe der Dienstkleidung des LAPD) thematisch an „Training Day“ erinnert, ist nicht verwunderlich. Der Autor David Ayer, der das Drehbuch für „Training Day“ verfasste, hat auch bei „Dark Blue“ Hand angelegt, dieses Mal an die literarische Vorlage von James Ellroy. Und das Resultat lässt sich sehen. Kurt Russell ist zwar nicht Denzel Washington, überzeugt in diesem Polizei-Film aber als desillusionierter, innerlich zerrissener Cop.

36 – Tödliche Rivalen

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In Paris ermittelt eine Sondereinheit unter der Führung der beiden hochrangigen Beamten Léo Vrinks (Daniel Auteuil) und Denis Klein (Gerard Depardieu) in einer Serie brutaler Raubüberfälle auf Geldtransporte. Der Druck, Ergebnisse liefern zu müssen, lastet schwer auf ihnen, zumal beide Ambitionen auf den Chefposten der Pariser Polizei hegen. Als Klein erfährt, dass Vrinks den Gangster Silien deckt, um durch diesen an die Gangster heranzukommen, verrät ihn Klein. Vrinks wird zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, Klein zum Polizei-Chef von Paris befördert. Dann aber verschuldet er bei einem Einsatz gegen Silien den Tod von Vrinks Frau …

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Der einzige französische Genrebeitrag in dieser Liste, was allerdings nicht an mangelnder Qualität liegt. Im Gegenteil: Nahezu alle Beiträge von Regisseur Olivier Marchal behandeln das Thema mit einer beinahe schon impertinenten, düsteren Grimmigkeit, der noch der kleinste Hauch des Glanzes abgeht, an dem US-Produktionen bisweilen kranken. Diese schonungslose Authentizität verwundert nicht, wenn man weiß, dass Marchal, der immer wieder mal auch als Schauspieler in Erscheinung tritt – etwa in der Serienfassung von „Die purpurnen Flüsse“ –, im früheren Leben selbst ein Cop war. Er kennt also die Abgründe, an deren Rand seine früheren Kollegen immer wieder stehen – und manchmal gar abstürzen.

Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass besagte Grimmigkeit bisweilen in infernalische Gewalt-Eruptionen mündet, die längst nicht immer dramaturgisch notwendig scheinen. Gleichwohl zählt „36 – Tödliche Rivalen“ nicht nur zu den besten europäischen Polizei-Filmen der vergangenen zwei Jahrzehnte, sondern zu den besten überhaupt. Dass die Schauspielgötter Auteuil und Depardieu daran ihren Anteil haben, dürfte sich beinahe von selbst verstehen. Übrigens: Wer sich über den kryptischen, gleichzeitig aber nichtssagenden deutschen Titel wundern sollte, dem sei gesagt, dass das Original, „36 Quai des Orfèvres“, auf die Adresse verweist, an der bis 2017 die Direktion der Pariser Kriminalpolizei beheimatet war.

Departed – Unter Feinden

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In weiten Teilen Bostons hat die irische Mafia das Sagen, deren Boss der brutale Frank Costello (Jack Nicholson) ist. Schon vor Jahren war es ihm gelungen, mit Colin Sullivan (Matt Damon) einen seiner Gefolgsleute in den Polizeiapparat einzuschleusen. Der junge Polizeikadett Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) erhält nun aufgrund seines Familienhintergrunds – Costigans Onkel war Mitglied der irischen Mafia – den Auftrag, Costellos Organisation zu infiltrieren. Zum Schein wird er unehrenhaft aus dem Dienst entlassen und landet im Gefängnis. Und nach seiner Freilassung gelingt es ihm tatsächlich, in Costellos Gang aufgenommen zu werden. Bald aber droht der Rookie aufzufliegen, und es zeigt sich, dass die Dinge viel verworrener sind als zunächst angenommen …

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Im Gegensatz zu Martin Scorseses anderen ganz großen Gangster-Epen wie „Casino“ und vor allem „Goodfellas“ wird bei „Departed – Unter Feinden“ nicht nahezu ausschließlich die Perspektive des/der Mobster eingenommen, sondern zu mindestens gleichen Teilen auch die der Cops. So weit, so gut. Der besondere Kniff aber liegt darin, dass hier der Cop als Verbrecher und gleichzeitig der Verbrecher als Cop agiert. Erst aus diesem Vexierspiel bezieht „Departed – Unter Feinden“ seinen ganz besonderen Reiz.

Wer beide Filme gesehen hat, wird erkennen, dass Scorseses Werk inhaltlich deutlich vom Hongkong-Cop-Thriller „Infernal Affairs“ (2002), beeinflusst ist – kein Wunder, handelt es sich doch um dessen US-Remake. Und wie das Original wurde auch die Neuverfilmung zum Erfolg. Nicht nur erhielt der Polizei-Film vier Oscars, u. a. in der Kategorie „Beste Regie“, er ist zudem bis heute mit einem Einspielergebnis von 290 Millionen Dollar der zweiterfolgreichste von Scorsese.

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Helden der Nacht – We Own The Night

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Robert Grusinsky alias Bobby Green (Joaquin Phoenix) leitet einen Nightclub, der im Verdacht steht, der russischen Mafia als Drogenumschlagsplatz zu dienen. Immer wieder gerät Grusinsky deshalb mit seinem Vater Burt (Robert Duvall) und seinem Bruder Joseph (Mark Wahlberg) aneinander. Burt ist Deputy Chief, Joseph Cop des NYPD. Nach einer Razzia im Club, die zu einer Prügelei zwischen den beiden Brüdern führte, wird Joseph auf offener Straße niedergeschossen …

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Die Polizei ist die Familie – und umgekehrt. So jedenfalls verstehen und wünschen es sich der Deputy Chief und sein Sohn Joseph. Robert aber ist das schwarze Schaf der Grusinskys. Er hat sogar den Nachnamen der Mutter angenommen, um sein Verwandtschaftsverhältnis zur Polizei möglichst zu kaschieren. Damit ist „Helden der Nacht – We Own The Night“ mehr melancholisches Familien- und Milieu-Drama im Gewand eines Cop-Thrillers als vice versa – was dem Film nur guttut. Regisseur James Gray hatte bereits mit „Little Odessa“ (1994) und „The Yards“ (2000) zwei überzeugende Milieu-Studien vorgelegt, die ebenfalls zeigten, wie die organisierte Kriminalität die Institution Familie unterwandert, aushöhlt und schließlich zerstört.

Zur Einordnung: Der Originaltitel „We Own The Night“, übersetzt „Uns gehört die Nacht“, war in den späten 1980er-Jahren, in denen der Film angesiedelt ist, das Motto der New Yorker Polizei. „Law and Order“, das knallhart angewandte Gesetz, sollte unter Präsident Ronald Reagan und Bundesstaatsanwalt Rudy Giuliani die Straßen des „Big Apple“ säubern.

Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest

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Officer Eddie Dugan (Richard Gere), der kurz vor seiner Pensionierung steht, bekommt mit dem jungen Hitzkopf Melvin Panton (Logan Marshall-Green) noch einen neuen Partner zugeteilt. Währenddessen versucht Detective Salvatore „Sal“ Proicida (Ethan Hawke), an Geld zu kommen, um mit seiner kranken Frau Angela (Lili Taylor) das von Schimmel befallene Haus verlassen zu können. Und Detective Clarence „Tango“ Butler (Don Cheadle), der nach drei Jahren im Undercover-Einsatz auf die Rückkehr in den geregelten Dienst gehofft hatte, soll einen letzten Job übernehmen …

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Noch einmal Antoine Fuqua und noch einmal Richard Gere. Man hätte für „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ vielleicht eine Abwandlung, einen lauen Aufguss von „Training Day“ erwarten können, mit dem „Internal Affairs“-Gere in der Denzel-Washington-Rolle. Das aber ist erfreulicherweise nicht der Fall. Mit „Training Day“ hat dieser Film nicht mehr zu tun, als dass es hier ebenfalls um Polizisten im Grenzland zwischen Gut und Böse geht.

Drei Cop-Schicksale und damit drei Männer, die in ihrem Job Entscheidungen treffen müssen. Entscheidungen, die drohen, ihnen von der Macht der Ereignisse abgenommen zu werden. Fuqua zeigt überzeugend diese Männer im Zwiespalt zwischen dem, was der Job von ihnen verlangt, und dem, was für ihre Familien und sie selbst das Beste wäre. Das rückt „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ deutlich näher an eine Milieustudie wie „Helden der Nacht – We Own The Night“ als an „Training Day“, zumal es sich hier um keine One-Man-Show handelt, sondern um ein bewegendes Ensemble-Drama.

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