31. Juli 2026, 11:06 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Filmgeschichte nahm, der damaligen Zeit geschuldet, in vielerlei Hinsicht einen holprigen Anfang. Neben den frühen Technologien waren auch die moralischen Grenzen des Zeigbaren gänzlich andere. 1896 wurde im einminütigen Kurzfilm „Kuss“ auch wirklich nur das gezeigt – der erste Schmatzer vor laufender Kamera. Was folgte waren ein Skandal und der Ruf nach Zensur. Heute ist das undenkbar, fluten doch romantische Geschichten Leinwände und Streaming-Dienste. In „Evil Dead Burn“ wird es auch zwischendurch ganz liebevoll – auf eine besonders fiese Weise.
„Evil Dead Burn“ ist ein Fest für Fans von Blutbädern
In Filmen und Serien küssen sich Protagonisten zuhauf und viele dieser Momente sind in die Geschichte eingegangen. Man denke etwa an Jack und Rose am Bug der „Titanic“, „Susi & Strolch“ bei einer Portion Spaghetti oder den Kopfüber-Kuss im ersten „Spider-Man“-Film von Sam Raimi.
Apropos Raimi. Lange vor seiner Spinnenmanntrilogie macht er sich in den 80er-Jahren einen Namen als Begründer der „Tanz der Teufel“-Reihe („Evil Dead“ im Original). Über die Jahre ist daraus ein eigenes Franchise mit Fortsetzungen, einer Serie, Videospielen und mehr geworden. Der jüngste Teil „Evil Dead Burn“ ist aktuell im Kino zu sehen und befriedigt wieder einmal Gelüste von Horrorfilmfans nach viel Blut, abgetrennten Gliedmaßen und sonstigen Ekligkeiten.
„Evil Dead Burn“-Kussszene bleibt im Gedächtnis
Dazu gehört übrigens auch ein besonders leidenschaftlicher Zungenkuss zwischen einem Ehepaar. Das wäre an sich keine Erwähnung wert, wenn es nicht „Evil Dead Burn“ wäre und darin wieder einmal Zombies („Deadites“ im Filmkanon) ihr Unwesen treiben würden. Dieses Mal terrorisieren sie eine Familie, die den Tod eines Sohnes verarbeiten muss.
Im Laufe der Geschichte verwandeln sich immer mehr Familienmitglieder in blutrünstige, besessene Untote – so auch der Vater und die Großmutter. Letztere will ihre Tochter Susan auf die dunkle Seite ziehen und spielt dabei mit ihren Gefühlen. Voller Trauer und Sehnsucht öffnet sie ihrem Mann das Fenster, der bis dahin draußen vor verschlossenen Türen stand. Und als er hereinklettert, passiert es: Susan und Gatte Edgar küssen sich.
Das Problem (oder Spektakel) für das Publikum: Als Untoter hat sich Edgar zuvor mehrere Kopfschüsse verpasst, die er allesamt überlebt hat, die ihn aber verunstaltet haben. Riesige Löcher klaffen im Schädel und seinem Gesicht und offenbaren Blut, Eiter, offen liegende Zähne und Hirnfetzen.
Und beim feucht-französischen Kuss ziehen Schleim und Eiter Fäden wie Käse auf einer heißen Pizza – wie lecker. Zu allem Überfluss dauert dieser regelrecht nekrophile Moment auch noch eine gefühlte Ewigkeit, damit auch ja die sprühenden Funken aufs Publikum übergehen. Susan selbst kommentiert im Film sogar, dass Edgar sie seit Jahren nicht mehr so geküsst habe.
Sollten sich also Horrorfilmfans daten, dies wäre der perfekte Film zum Valentinstag.
4 der gruseligsten Horrorspiele für schlaflose Nächte
Das sind die aktuell besten Horror-Highlights bei Sky und Wow
Eklig, aber nicht sinnlos
Trotz des klaren Schock- und damit auch Unterhaltungseffektes verkommt der Kuss nicht zum reinen Selbstzweck. Im Kern geht es in „Evil Dead Burn“ um Trauer, Familie sowie unglückliche Beziehungen und Ehen. Und bei keiner Figur laufen die Themen so zusammen wie bei Susan.
Nicht nur betrauert sie den Tod eines ihrer beiden Söhne. Im Verlauf des Films wird auch klar, dass sie ihre Träume für die Pflege ihrer jetzt dementen Mutter aufgab, sie in ihrer Verfassung vor ihrer Krankheit vermisst und offenbar auch ein erkühltes Verhältnis zu ihrem Mann ertragen musste.
Auch interessant: Die gruseligsten Horrorfilme aller Zeiten
Wie „JustWatch“ treffend beschreibt, kulminieren im Kuss Sehnsucht und der verzweifelte Wunsch, Familie und Ehe wieder heil zusammenzufügen. Der Moment erfüllt damit ganz klar einen wichtigen Zweck für die Geschichte und die Figurenzeichnung – ob man das alles in der Form mag, ist natürlich Geschmackssache.
So reagieren Filmfans
Dass der Kuss niemanden kalt lässt, dürfte naheliegen. Im Netz haben Kinoliebhaber und Influencer bereits etliche und durchaus variierende Kommentare gepostet.
Dass das sich erbrechende Emoji dabei rege genutzt wird, dürfte nicht überraschen. Der Content Creator „realsheff“ erzählt sogar, dass er deswegen beinahe geflüchtet wäre, so ekelerregend fand er die Szene. Andere teilen das Sentiment: „Ich musste wegschauen“, heißt es etwa in einem Kommentar. Natürlich dürfen Humor und „spezielle“ Vorlieben auch nicht fehlen. Bei X schrieb ein Fan etwa, dass es der „sexieste Kuss des Jahres“ sei. Eine andere Person behauptet wiederum, dabei „geil“ geworden zu sein.
Wer sich selbst davon ein Bild machen möchte, kann das derzeit im Kino tun. „Evil Dead Burn“ ist seit dem 9. Juli zu sehen.