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„Backrooms“

Ikea aus der Hölle! Warum der Horror-Hype 2026 so verstört

Renate Reinsve im Horrorfilm „Backrooms“
Renate Reinsve im Horrorfilm „Backrooms“ Foto: picture alliance / Everett Collection | Courtesy Everett Collection
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Woon-Mo Sung
Redakteur

16. Juni 2026, 16:33 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Gelbe Räume, überall große, gelbe Räume und verschlungene, lange gelbe Gänge. Die Monotonie und das Fehlen jedweder Fenster sind zermürbend, die „Einrichtung“, wenn man sie als solche bezeichnen möchte, verstört wegen ihrer regelnonkonformen Darstellung scheinbarer Irrationalität auf zunehmend surreale Art und Weise. Als Zuschauer verliert man nach und nach den Verstand wie die Protagonisten auf der Leinwand und ein Ausweg scheint nicht in Sicht aus diesem Ikea aus der Hölle. Willkommen in den „Backrooms“.

Darum geht es in „Backrooms“

Irgendwann in den 90er-Jahren: Clark (Chiwetel Ejiofor), der frisch geschiedene Eigentümer eines wenig erfolgreichen Möbelgeschäftes, entdeckt eines Abends ein verstecktes Areal im Untergeschoss des Ladens. Dieses erstreckt sich über eine unbekannte Größe und besteht aus lauter gelben Räumen. Aus seiner anfänglichen Neugierde wird schnell eine Obsession und Clark will möglichst alles dieser mysteriösen Hinterzimmer erkunden. Seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve) will ihm zunächst nicht glauben. Doch auch sie kann der Anziehung der „Backrooms“ nicht entrinnen …

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YouTube-Phänomen wird Kinofilm

Mit „Backrooms“ liefert der erst 20 Jahre alte Kane Parsons sein Regiedebüt ab. Mit dem Film hat er seine eigene YouTube-Reihe aus Kurzfilmen adaptiert, in denen er das ursprüngliche „Backrooms“-Internetphänomen aufgriff. Dieses begann bereits 2019 auf der Internetplattform 4chan mit einem einzigen Foto eines gelben Raumes.

Begleitet wurde es von der Idee, dass man die Realität verlassen und in eine Parallelwelt aus ebendiesen Räumen treten könnte. Seitdem denken sich Fans immer neue unheimliche Geschichten mit neuen Ebenen und anderen gruseligen Dingen aus. Jetzt haben es die Zimmer auch auf die große Leinwand geschafft.

„Backrooms“ stellt neuen Rekord auf

Und das mit massivem Erfolg: Die „Backrooms“ sind zum bislang erfolgreichsten Film des Indiestudios A24 geworden. Bei einem geschätzten Budget von nur zehn Millionen US-Dollar belaufen sich die bisherigen weltweiten Einnahmen auf knapp 250 Millionen US-Dollar – Tendenz steigend, wenn man weitere Kinostarts wie in Deutschland mitdenkt.

Kritiker wie Fans sind sich jedenfalls einig, wie ein Blick auf einschlägige Seiten zeigt. Laut Metacritic kommen bei allen berücksichtigten professionellen Filmbesprechungen sehr gute 77 von 100 Punkten zusammen. Bei Rotten Tomatoes sind sogar 88 Prozent aller eingegangenen Rezensionen positiv, während Fans zu 74 Prozent angetan sind.

Tiefe, abstrakte Räume

Und das zu Recht. Mit dem Kinoticket bucht man einen hochspannenden Abstieg in eine hirnverdrehende, alternative Realität, bei der die Gefahr stets im Hintergrund lauert, über weite Strecken aber kaum greifbar bleibt. Insbesondere wenn Clark seine erste Erkundungstour durch die Räume unternimmt, sorgt das Mysterium für schaurige Faszination – was ist das nur für ein Ort?

In diesen Momenten punktet „Backrooms“ mit einem angenehm entschleunigten Erzähltempo, das die Atmosphäre stärker verdichtet. Clark stapft vorsichtig durch die Zimmer, und als Zuschauer weiß man dann genauso wenig wie er. Die Kameraarbeit von Jeremy Cox leistet hier einen enorm wichtigen Beitrag und fängt die Orte gekonnt in langsamen Fahrten und weiten Winkeln und Einstellungsgrößen ein, um ihre Tiefe wie auch Abstraktheit voll zur Geltung zu bringen.

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„Blair Witch Project“ lässt grüßen

Die formale Disziplin und Kunstfertigkeit stehen im krassen Kontrast zu zwei zentralen Sequenzen, in denen ein ganz anderes inszenatorisches Kaliber aufgefahren wird. Denn in „Backrooms“ wird auch der Found-Footage-Horror in bester „Blair Witch Project“-Manier zelebriert. Dann heißt es: authentisch wirkende Wackelkamera in schlechter Auflösung trifft auf panisches Treiben aus subjektivem Blickwinkel.

Gleich die Eröffnungssequenz zieht auf diese Weise in ihren Bann und sorgt für einen Paukenschlag aufs eigene Nervenkostüm. Das wird aber später noch einmal überboten und dann ist die Spannung kaum noch auszuhalten. Das filmische Prinzip kommt wohldosiert daher und wird in seiner Effektivität maximal ausgereizt.

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Stark aufgelegte Stars

Das Konzept der „Backrooms“ ist spannend genug, um besonders auch jene zu fesseln, die mit dem Internetphänomen bislang nichts am Hut hatten. Doch Parsons kann sich glücklich schätzen, dass zwei oscarnominierte Stars obendrauf starke Darbietungen abgeliefert haben.

Allem voran Ejiofor („12 Years a Slave“) spielt den gequälten, mentalen Verfall Clarks in den Wahnsinn mit Bravour und liefert damit eindeutig die zentrale Performance des Films ab. Ihm steht aber Reinsve („Sentimental Value“) in nichts nach. Sie liefert einen dringend benötigten emotionalen Gegensatz und Anker für das Publikum.

Kleine Renovierungsarbeiten fürs Ende

Perfekt ist „Backrooms“ natürlich nicht. Freunde offensichtlicher Jumpscares oder von gnadenlosem Gemetzel schauen sich lieber anderweitig um, während eher das anspruchsvollere Publikum bedient wird. Kleinere Abstriche gibt es für das Ende, das etwas zu sehr ins Geheimnis schaut, als gut ist.

Auch gibt es augenrollende Fans, die den psychologischen Unterbau der Handlung, und dieser Interpretation der „Backrooms“ im Besonderen, für zu abgedroschen halten. Das ist natürlich am Ende auch Interpretationssache und jedem selbst überlassen, wie man die gelben Räume denn versteht.

Trotzdem bleibt am Ende ein einfallsreicher, spannender Horrorbeitrag und einer der größten Überraschungserfolge 2026. Und wer jetzt auf Wohnungssuche ist, sollte um derartige Inserate besser einen großen Bogen machen.

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