13. Januar 2026, 8:12 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Mit „28 Years Later“ ist ein düsterer Endzeitfilm erschaffen worden, der nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch auffällt. Regisseur Danny Boyle setzte bei der Fortsetzung seiner Kultreihe erneut auf unkonventionelle Mittel – und drehte den gesamten Film mit iPhones. Dahinter steckt weniger ein Marketinggag als vielmehr eine bewusste kreative Entscheidung.
Schon der erste Teil der Reihe setzte Maßstäbe, auch technisch. „28 Days Later“ aus dem Jahr 2002 entstand mit einer damals eher einfachen Digitalkamera, was maßgeblich zur rauen, beklemmenden Atmosphäre beitrug. Genau diesen Ansatz verfolgte Boyle auch bei „28 Years Later“. Statt Hochglanzbilder wollte er erneut einen rohen, unmittelbaren Look erzeugen – und entschied sich bewusst gegen klassische Kinoausrüstung.
Warum iPhones ausreichten
Im Gespräch mit dem Magazin „Wired“ erklärte Boyle, dass moderne iPhone-Kameras inzwischen ein Niveau erreicht haben, das für professionelle Produktionen ausreicht. Die Geräte ermöglichen hochauflösende Aufnahmen und liefern das Material im ProRes-Format, das sich besonders gut für die Nachbearbeitung eignet. Für den Regisseur war das Smartphone damit kein Notbehelf, sondern ein bewusst gewähltes Werkzeug. Konkret kamen hauptsächlich iPhone-15-Geräte zum Einsatz. Ausnahmen bildeten Drohnen- und Infrarotaufnahmen, wie Kameramann Anthony Dod Mantle im Gespräch mit „IndieWire“ erklärte.
Hinzu kam ein finanzieller Aspekt. Statt eine einzelne, teure Filmkamera zu mieten, kaufte Boyle rund 20 iPhones. Das eröffnete kreative Möglichkeiten, die mit klassischer Technik deutlich kostspieliger gewesen wären.
Bullet-Time mit Smartphones
Einer dieser Effekte ist der sogenannte Bullet-Time-Stil, bekannt aus den „Matrix“-Filmen. Dabei wird eine Szene gleichzeitig aus vielen Perspektiven gefilmt, sodass sich später scheinbar eingefrorene Momente mit bewegter Kamera erzeugen lassen. Boyle montierte mehrere iPhones in einem Halbkreis auf ein Gestell und nahm Actionszenen parallel auf.
Gegenüber „Wired“ bezeichnete er diesen Aufbau augenzwinkernd als „Bullet-Time für Arme“. Der Effekt kam vor allem in intensiven Kampfszenen zum Einsatz. Entscheidend war dabei nicht nur der Look, sondern auch die Flexibilität: Die leichten Smartphones ließen sich schnell umbauen und anpassen.
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Dreharbeiten fernab der Zivilisation
Große Teile von „28 Years Later“ entstanden in der freien Natur im englischen Northumbria. Das geringe Gewicht der Technik ermöglichte es dem Team, abgelegene Drehorte zu erreichen, ohne schweres Equipment transportieren oder die Umgebung verändern zu müssen. Boyle betonte, dass sich so die Ursprünglichkeit der Landschaft bewahren ließ – ein zentraler Bestandteil der düsteren Endzeitstimmung.
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Um die volle Kontrolle über das Bild zu behalten, deaktivierte der Regisseur den Automatikmodus der iPhones und ergänzte sie mit zusätzlichem Zubehör. Details dazu nannte er nicht.
Fortsetzung folgt
„28 Years Later“ ist bereits 2025 erschienen. Mit „28 Years Later: The Bone Temple“ steht nun die nächste Fortsetzung der Reihe bevor. Der Film wurde von Nia DaCosta inszeniert und soll am 15. Januar in den Kinos anlaufen. Anders als beim Vorgänger ist aber bislang nicht klar, ob und in welchem Umfang iPhones bei den Dreharbeiten zum Einsatz kamen.