8. Juli 2026, 9:20 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Mit dem Binge-Modell hat Netflix nicht nur Streaming, sondern auch den Konsum von Serien als solche grundlegend verändert. Einfach alle Episoden einer Serienstaffel auf einmal veröffentlichen, damit diese schnellstmöglich von allen gesehen werden können. Und was kommt danach? Dann geht die lange Warterei auf eine Fortführung los. Das wird Netflix-Serien bei neuen Staffeln aber immer mehr zum Verhängnis.
Weniger Zugriffe für neue Staffeln von Netflix-Serien
Das geht jetzt aus einem Bericht von „Bloomberg“ hervor. Demnach gebe es viel Stirnrunzeln und Sorgenfalten bei den Verantwortlichen beim marktführenden Streaming-Anbieter. Grund hierfür ist ein merklicher Interessenabfall für neue Staffeln von hauseigenen Netflix-Serien.
Die Zahlen klingen dramatisch: In den ersten vier Wochen nach der Veröffentlichung einer neuen Season fallen die Zugriffszahlen im Vergleich zu vorher um 30 bis 70 Prozent geringer aus. Ausgerechnet teure Eigenproduktionen sollen davon betroffen sein. Beobachtet habe man dies jetzt vor allem bei Titeln, die 2026 eine Fortsetzung erhalten haben.
Bekannte Serien mit deutlichem Abfall
Dies soll insbesondere bei bekannten Titeln wie „Avatar: The Last Airbender“ oder „The Night Agent“ der Fall sein – letztere Serie wird übrigens bald zu Ende gehen. Die zweite Staffel von „Avatar“ musste laut „Filmstarts“ einen Absturz um 60 Prozent in der ersten Woche hinnehmen.
Leise Hoffnungen, wonach sich die Zahlen ja noch verbessern könnten, scheinen sich nicht zur Genüge bewahrheitet zu haben. Auch die Realadaption des beliebten Mangas „One Piece“ kam auf nur noch 30 Prozent weniger Zugriffe im Untersuchungszeitraum. Die Komödie „The Four Seasons“ büßte 63 Prozent ein.
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Mögliche Gründe für Zuschauerrückgang
Investoren seien besorgt, zumal die Gesamtzeit, die User bei Netflix 2025 verbracht haben, nur um weniger als zwei Prozent gestiegen sei. Aber was sind die Ursachen für die neue Streaming-Müdigkeit?
Ein Faktor, den Fans bereits in der Vergangenheit erwähnten, sind mitunter lange Wartezeiten auf neue Geschichten einer beliebten Serie. Selbst ein Megahit wie „Bridgerton“ bleibt nicht davon verschont, wo sogar eine Aufteilung inmitten einer Staffel für reichlich Unmut sorgte.
Wenn aber zwischen ganzen Staffeln mehrere Jahre vergehen können, wird es schwieriger. Bis die neue Season startet, haben viele vergessen, worum es zuvor ging. Das Gedächtnis aufzufrischen, ist mit Hausaufgaben verbunden.
Binge vs. Wochenrhythmus
Immer öfter fährt die Konkurrenz außerdem recht erfolgreich die Strategie, neue Episoden nicht alle auf einen Schlag zu veröffentlichen, sondern nur einzeln und im Wochentakt. So lässt sich die Aufmerksamkeit für die jeweilige Serie über einen längeren Zeitraum hochhalten. Beim Binge-Format ebbt das Interesse schnell wieder ab.
Ein Anbieter wie Netflix möchte zudem vor allem eines: neue Abonnenten. Um diese anzulocken, investiert man lieber in neue Großprojekte, die man exklusiv bei sich präsentieren kann. Fortführungen würden vergleichsweise weniger stark beworben werden.
Ausnahmen gibt es natürlich, etwa „Stranger Things“. Deren vierte und fünfte Staffeln sind jeweils auf Platz 3 und 4 der erfolgreichsten englischsprachigen Netflix-Serienstaffeln aller Zeiten, während die drei Seasons davor mittlerweile aus der Top 10 gefallen sind.