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Meinung

Warum ich RTL+ derzeit häufiger streame als Netflix

RTL+ Meinung: Frau schaut Fernsehen
Im aktuellen Streaming-Dschungel tut sich RTL+ positiv hervor, findet unsere Autorin.Foto: Getty Images

Netflix war für unsere TECHBOOK-Redakteurin jahrelang als Streaming-Anbieter die unangefochtene Nummer 1. Das ändert sich jetzt allerdings langsam und sie erwischt sich immer häufiger bei RTL+ – ein Meinungsstück.

Der Streaming-Markt boomt und das nicht erst seit Corona. Netflix hat das gediegene Wochenende auf dem Sofa beim Serien bingen endgültig salonfähig gemacht und dafür werde ich dem Anbieter immer dankbar sein. Ich muss zuzugeben, dass ich ein beinahe ungesundes Maß an Zeit damit verbringe, Filme und Serien zu konsumieren. Natürlich alles nur für die Arbeit (schön wärs…). Lange Jahre habe ich das in erster Linie bei Netflix gemacht, mich stundenlang durch die Mediathek gewühlt, um dann doch bei einem der zuerst angezeigten Vorschläge hängen zu bleiben. In den vergangenen Wochen habe ich allerdings kaum noch Zeit auf der Plattform verbracht, was mich rückblickend wirklich überrascht. Noch mehr überrascht mich allerdings, dass ich diese Zeit stattdessen in einen anderen Streaming-Anbieter investiert habe: RTL+.

Jahrelang kaum genutztes RTL+ Abo

Ein Abonnement bei RTL+ beziehungsweise damals noch TVNOW habe ich eigentlich schon seit 2017. Nur genutzt habe ich es jahrelang kaum. In erster Linie kam der Account zum Einsatz, um am Wochenende die Folgen der von mir verfolgten Formate nachzuholen. Dass RTL scheinbar eine große Streaming-Offensive fährt, bekam ich vielleicht auch deshalb erstmal nur am Rande mit.

Als mir dann plötzlich Serien wie „O.C., California“ in der Mediathek vorgeschlagen wurden, war ich fast ein bisschen genervt. Okay, RTL rüstet jetzt also auch auf. Ein weiterer Streaming-Dienst, in den ich schon mindestens für die Arbeit zusätzlich Zeit stecken muss. Man hat als leidenschaftlicher Serien- und Filmfan mit Netflix, Disney+, Amazon, Sky, Joyn, Apple TV+, Viki und was nicht noch alles wahrlich genug zu tun. Ich begann aber, mich erstmals richtig durch die App zu wühlen und war ziemlich überrascht.

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Die Auswahl machts

Nicht nur, dass die Genre-Sortierung endlich einmal reibungslos zu funktionieren schien, generell gefiel mir die Auswahl auf den ersten Blick sehr gut. Als Nutzerin werde ich nicht von einer Masse an Titeln, von denen ich noch nie etwas gehört habe, erschlagen. Stattdessen mischen sich bekannte Namen mit Eigenproduktionen des Anbieters, die mich in ihrer Qualität dann ehrlicherweise auch überrascht haben.

Screenshot RTL+ Mediathek
Neues und Altes – ein schöner Mix.Foto: TECHBOOK via RTL+

Auf der anderen Seite Netflix, das an dieser Stelle zwar auch exemplarisch für viele andere der großen Streaming-Namen stehen muss, dann aber doch auch wieder ein Sonderfall ist. Dank der kürzlich erstmals gesunkenen Nutzerzahlen scheint das Unternehmen endlich verstanden zu haben, dass die Taktik der vergangenen Jahre, „Masse statt Klasse“, keine für die Ewigkeit sein kann.

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Netflix, ich liebe dich, aber…

Seit geraumer Zeit steht man als Netflix-Nutzer gefühlt unter Dauerbeschuss. Ich komme – trotz meines enormen Konsums – schon lange nicht mehr hinterher. Eine neue Mega-Serie hier, ein toller neuer Film mit bekannten Stars da. Ich würde wirklich gerne alles sehen, aber das ist ein völlig unrealistisches Ziel. Außerdem war ich nach einem Abend vor dem Fernseher dann doch viel zu oft enttäuscht von der Qualität des Gesehenen. Daneben winken wie gesagt außerdem noch jede Menge anderer Streaming-Dienste, die alle schreien: „Hallo, hier bekommst du den wirklich alleroriginärsten Content!“

Und dann musste ich mir eingestehen, dass ich bei Netflix schon eine Weile nur noch die wirklich großen Produktionen sehe: „The Witcher“, „Bridgerton“, „Squid Game“ und Co. Für mehr reicht es einfach nicht. Von der neuen Politik des Unternehmens verspreche ich mir dementsprechend viel. Jetzt muss Netflix beweisen, dass das „Qualität vor Quantität“-Motto tatsächlich ernst gemeint war. Für mein Empfinden macht RTL+ es fantastisch vor.

…RTL+ ist gerade einfach netter zu mir

Bei RTL+ fühle ich mich als Nutzerin sehr nett aufgenommen. Nicht nur, dass der Preis mit 4,99 Euro (beziehungsweise 7,99 Euro für das komplett werbefreie Modell) deutlich geringer ist. Das kann ich, gemessen an der Masse an Eigenproduktionen bei Netflix, noch gut nachvollziehen. Während mich der Gigant aber in einem Pool der Mittelmäßigkeit alleine lässt, nimmt mich RTL+ an die Hand.

Neben großen Universen wie u.a. „Star Trek“ gibt es etwa auch einen wirklich sehenswerten True-Crime-Bereich. Dort werden Geschichten für mein Empfinden oft spannender erzählt, als die immer gleichen amerikanischen Produktionen, die immer wieder dieselben Bilder zeigen, um einen Fall auf Biegen und Brechen auf sechs bis acht Folgen zu dehnen. Der Bereich deutscher Produktionen ist (konsequenterweise bei einem deutschen Dienst) generell deutlich besser aufgestellt.

RTL+ vs. Netflix: Fazit

Auch wenn ich ganz haptische, einfache Gründe habe, warum mich Netflix gerade enttäuscht und RTL+ begeistert (Preis, Auswahl, Oberfläche), ist das Bauchgefühl für mich wirklich ausschlaggebend. Bei Netflix fühle ich mich ehrlicherweise schon lange nicht mehr wohl. Rein strukturell kann man die beiden Streaming-Dienste natürlich nicht ganz vergleichen. Der eine kommt mir immer mehr wie ein riesiger Großhandel vor, in dem es alles gibt: Vom Premium-Kühlschrank, über die Kreuzfahrt bis hin zum Schrottwecker. Ich bin überfordert, zumal wirklich jedes Produkt das Potenzial hat, auch ein totaler Reinfall zu sein. RTL+ ist in diesem Szenario ein deutlich kleinerer, aber gut sortierter Supermarkt, in dem ich gerne meine Zeit verbringe. Überhaupt fühlt sich meine Zeit bei RTL+ deutlich weniger verschwendet an, als nach einer weiteren frustrierenden Netflix-Session. Und falls mich Sonntagabend bei RTL+ mal so gar nichts anfixen will, kann ich immer noch eine alte Folge „Let’s Dance“ gucken.

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