28. April 2026, 12:22 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Günstige Preise und schnelle Verfügbarkeit sorgen dafür, dass Shopping-Apps immer häufiger genutzt werden. Besonders Angebote für wenige Euro landen schnell im Warenkorb. Produkte wie Handyhüllen, Kleidung oder Deko wirken einzeln betrachtet unproblematisch. In der Summe entsteht jedoch ein deutlich größerer Effekt.
Eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigt, dass der deutschen Wirtschaft jedes Jahr rund 2,4 Milliarden Euro an Wertschöpfung verloren gehen. Allein der Einzelhandel ist mit 1,3 Milliarden Euro betroffen.
Kaufkraft fließt ins Ausland
Viele Bestellungen entstehen nicht zusätzlich, sondern ersetzen Käufe bei anderen Händlern. Laut Studie hätten mehr als 70 Prozent der Kunden ihre zuletzt gekauften Produkte auch bei anderen Anbietern erworben, wenn die Plattformen nicht verfügbar gewesen wären. Einige gaben an, sie hätten dabei gleiche oder sogar höhere Preise akzeptiert. Dadurch, dass das Geld aber nach China fließt, verschiebt sich Kaufkraft von lokalen Geschäften und anderen Online-Shops an ausländische Anbieter.
Auswirkungen auf Jobs und Steuereinnahmen
Die wirtschaftlichen Folgen zeigen sich auch auf dem Arbeitsmarkt. Der Studie zufolge könnten mehr als 40.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Davon betreffen etwa 28.300 Stellen den Einzelhandel. Als Ursache nennt der Handelsverband ungleiche Bedingungen. Während heimische Unternehmen streng kontrolliert werden, gelangen Waren aus Drittstaaten häufig einfacher auf den Markt. Auch der Staat spürt die Entwicklung finanziell. Jährlich könnten rund 429 Millionen Euro an Steuereinnahmen verloren gehen.
Millionen Sendungen täglich in Europa
Das Ausmaß des Geschäfts wird besonders bei der Paketmenge deutlich. In Deutschland treffen täglich rund 460.000 Sendungen der Plattformen ein. EU-weit liegt die Zahl bei etwa 12 Millionen Paketen pro Tag. Insgesamt werden hierzulande täglich in etwa elf Millionen Pakete ausgeliefert. Die Plattformen machen somit einen relevanten Anteil aus und sorgen gleichzeitig für zusätzliche Belastung bei Zoll, Logistik und Zustellung.
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Forderung nach strengeren Kontrollen
„Die aktuellen Daten machen die Dramatik der Lage deutlich: Die massenhaften Regelverstöße von Temu und Shein schädigen den Einzelhandel und die gesamte deutsche Wirtschaft in großem Umfang. Wenn die Politik nach Jahren des Zuschauens hier nicht endlich massiv und spürbar tätig wird, dann sehe ich schwarz für den Standort Deutschland“, sagt HDE-Präsident Alexander von Preen. Der Verband fordert deshalb mehr Kontrollen, insbesondere durch den Zoll. Als Beispiel wird Frankreich genannt, wo importierte Pakete gezielter überprüft werden.
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EU plant neue Gebühren für Bestellungen
Auch auf europäischer Ebene gibt es erste Reaktionen. EU-Parlament und EU-Rat haben sich darauf geeinigt, ab dem 1. November 2026 eine zusätzliche Abgabe auf Online-Bestellungen aus Nicht-EU-Staaten einzuführen. Die genaue Höhe steht noch nicht fest. Ziel ist es, den Aufwand für Kontrolle und Abfertigung für die vielen Kleinsendungen zu decken. Zudem entfällt im Juli 2026 die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro. Für günstigere Waren soll ein pauschaler Beitrag von 3 Euro pro Warengruppe gelten. Dadurch könnten kleine Bestellungen bei Temu und Shein künftig teurer werden.