6. Juli 2026, 7:49 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Früher ließen sich Fake-Shops noch leichter entlarven – sie fielen oft etwa mit unrealistisch niedrigen Preise, schlechter Übersetzung oder einem dilettantischen Erscheinungsbild auf. Heute sind betrügerische Online-Shops deutlich besser gemacht. Und es gibt noch mehr Gründe dafür, dass immer mehr Menschen auf die falschen Angebote hereinfallen – auch solche, die sich im Internet eigentlich sicher bewegen. Näheres dazu bei TECHBOOK.
Wie die KI Fake-Shops gefährlicher macht
Die Verbraucherzentrale warnt schon länger davor, dass moderne Fake-Shops immer professioneller auftreten. Zudem begegnet man betrügerischen Online-Shops inzwischen nahezu überall im Netz. So gaben in einer repräsentativen Umfrage aus den Jahren 2023/24 rund 70 Prozent der Teilnehmer an, im betreffenden Zeitraum auf mindestens einen unseriösen oder betrügerischen Online-Shop gestoßen zu sein, mehr als die Hälfte sogar mehrfach. Schlimmer noch: Ein erheblicher Teil fällt dabei tatsächlich auf die falschen Angebote herein.
Die neuen technischen Möglichkeiten durch Künstliche Intelligenz (KI) sind entscheidend dafür verantwortlich, dass Fake-Shops heutzutage so überzeugend echt wirken. Betrüger können dank ihr mit geringstem Aufwand professionell wirkende Produktbeschreibungen erstellen und außerdem fehlerfrei übersetzen. Klassische Warnsignale wie holprige Sprache oder ein unprofessioneller Internetauftritt, an denen sich Fake-Shops früher oft erkennen ließen, verschwinden also zunehmend. Stattdessen machen täuschend echte Bilder und oft sogar glaubwürdige Rezensionen das Ganze noch vertrauenserweckender.
Nutzer fallen auf „emotionale Vertrauenskulisse“ herein
Doch ein professionelles Erscheinungsbild allein erklärt die Entwicklung nicht. Wie Neuromarketing-Experte Jan-Michael Rasimus beim Portal „Wissenschaft.de“ erklärt, setzen die Betreiber gezielt auf psychologische Tricks. Sie bauen zunächst eine sogenannte „emotionale Vertrauenskulisse“ auf, beispielsweise mit anrührenden Geschichten über Familienbetriebe, die angeblich vor dem Aus stehen. Weitere typische Elemente sind Hinweise auf eine vermeintlich regionale Herkunft sowie Fotos sympathischer Menschen oder vermeintlicher Inhaber. Der Kauf soll sich dadurch wie eine gute Tat anfühlen, nicht wie ein gewöhnlicher Einkauf. Ergänzt durch falsche Gütesiegel und erfundene positive Kundenbewertungen entsteht schnell der Eindruck eines vertrauenswürdigen Anbieters, dessen Unterstützung sich lohnt.
Laut der Entscheidungsforschung von Daniel Kahneman und Amos Tversky treffen Menschen viele Urteile nicht vollständig rational, sondern mithilfe sogenannter schneller Heuristiken; der Begriff beschreibt mentale Abkürzungen, die dazu dienen, die Komplexität von Informationen zu verringern. Anstatt jedes Detail zu prüfen, orientieren wir uns an oberflächlichen Signalen wie Design, Markenwirkung oder Bildsprache. Wenn diese stimmig wirken, entsteht rasch der Eindruck von Seriosität – und wichtige Warnsignale werden übersehen. Dieser Mechanismus begünstigt auch, dass immer mehr Menschen auf die Darstellung in Fake-Shops hereinfallen.
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Was sind eigentlich „Dark Patterns“?
Psychologischer Druck und gezielte Reichweite
Ist das Vertrauen erst einmal aufgebaut, folgt als nächster Schritt häufig die künstliche Erzeugung von Zeitdruck. Hohe Rabatte, vermeintlich letzte verfügbare Produkte oder zeitlich begrenzte Sonderangebote – sogenannte Dark Patterns – sollen Verbraucher dazu bringen, schnell zu handeln. Ihnen soll die Gelegenheit genommen werden, das Angebot zu hinterfragen. Diesen Moment, „wenn Begeisterung, Mitleid, Zeitdruck und ein gutes Gefühl die kritische Prüfung überholen“, bezeichnet Rasimus als besonders gefährlich.
Erschwerend kommt hinzu, dass viele Nutzer über soziale Netzwerke oder Suchmaschinen auf sie stoßen. Laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale schaltet etwa jeder zweite untersuchte Fake-Shop Werbung über Google oder Meta. Die Anzeigen erscheinen dann zwischen Beiträgen von Freunden, Influencern oder anderen vertrauten Inhalten – wie sollte man also annehmen, dass sie verdächtig sein könnten? Zumal die Videos gar selbst mitunter die Gesichter von bekannten Content-Creators zeigen, um Nutzer auf Fake-Shops zu ziehen.
Wie Du Dich schützen kannst
Da Fake-Shops gezielt auf Dark Patterns und psychologische Mechanismen setzen, ist es umso wichtiger, beim Online-Kauf aufmerksam zu bleiben.
- Regel Nummer eins: Durchatmen. Grundsätzlich sollten Kaufentscheidungen nicht vorschnell getroffen werden. Halte bei auffälligen Pop-ups, Buttons oder besonders hervorgehobenen Aktionen inne – solche solltest Du auf keinen Fall automatisch als Kaufanreiz verstehen.
- Rasimus gibt bei „Wissenschaft.de“ noch den wertvollen Tipp, nicht direkt über die Plattform zu kaufen, auf der man die Anzeige gefunden hat, sondern besagten Shop noch einmal neu aufzurufen. Wenn man bereits ein komisches Gefühl hat: den Namen mit Begriffen wie „Betrug“ oder „Erfahrungen“ in eine Suchmaschine eingeben. Auf der Website selbst kann ein Blick ins Impressum aufschlussreich sein.
- Besonders wirksam für Fake-Shops ist die emotionale Komponente. Auch hier hilft es, Entscheidungen bewusst zu verlangsamen. Lass Dich nicht von Reizen oder Zeitdruck leiten, sondern verlasse einen Shop kurz und prüfe das Angebot zu einem späteren Zeitpunkt erneut. Dadurch lässt sich der gezielt erzeugte Effekt unterbrechen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, Manipulation zu erkennen.
- Zuletzt im Bestellprozess ist ein genauer Blick von großer Bedeutung. Sind beispielsweise zusätzliche Leistungen oder Produkte im Warenkorb hinterlegt, ohne dass Du diese ausgewählt hast? Ein Paradebeispiel eines Dark Patterns. Es wird darauf abgezielt, Nutzer zu höheren Ausgaben zu verleiten – das kann kein seriöser Shop sein!
Die Verbraucherzentrale bietet den Fakeshop-Finder an, mit dem sich verdächtige Online-Shops überprüfen lassen. Doch Vorsicht: Auch wenn es sich um ein solides Warn- und Prüfwerkzeug handelt, arbeitet es mit Wahrscheinlichkeiten und Mustern. Das Tool kann daher nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob ein Online-Shop seriös oder betrügerisch ist. Es kann eine erste Einschätzung liefern, sollte aber nicht die eigene Prüfung ersetzen.