Vermeintliche Familienbetriebe, riesige Rabatte und emotionale Abschiedsgeschichten: Eine neuer Betrug im Online-Handel setzt gezielt auf Vertrauen. Verbraucherzentralen raten deshalb zu besonderer Vorsicht vor angeblich regionalen Shops.
Wenn Regionalität zum Verkaufstrick wird
Immer mehr Online-Shops inszenieren sich als traditionsreiche Familienunternehmen aus deutschen Städten. Namen wie „anna-berlin.de“ oder „mathilde-muenchen.de“ sollen Nähe, Verlässlichkeit und lokale Wurzeln vermitteln. Häufig wird die Geschichte mit emotionalen Botschaften ergänzt, die von Geschäftsaufgaben, Ruhestand oder einem angeblichen Abschiedsverkauf erzählen.
Dazu kommen hohe Preisnachlässe von bis zu 80 Prozent und der Hinweis, dass die Aktion nur für kurze Zeit gilt. Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen soll diese Kombination gezielt Vertrauen schaffen und gleichzeitig Zeitdruck erzeugen. Wer glaubt, ein regionales Unternehmen unterstützen zu können, bestellt oft schneller und prüft die Angaben weniger kritisch.
Nach Angaben der Verbraucherschützer befinden sich die Unternehmen hinter solchen Shops jedoch nicht immer in Deutschland. Teilweise führen Firmenangaben in die USA oder nach Hongkong. Auch Rücksendeadressen liegen demnach häufig in asiatischen Ländern, obwohl die Internetseiten einen anderen Eindruck vermitteln.
Für Käufer kann das schnell teuer werden. Wer die erhaltene Ware zurückgeben möchte, muss unter Umständen hohe Versandkosten für eine Rücksendung ins Ausland tragen. Dadurch wird das gesetzliche Widerrufsrecht zwar nicht aufgehoben, die Rückgabe kann sich finanziell aber kaum noch lohnen. Zusätzlich gelten unvollständige Kontaktinformationen, ein lückenhaftes Impressum oder fehlende Angaben zum Anbieter als weitere Warnsignale.
So prüfen Sie einen Shop vor der Bestellung
Verbraucherschützer empfehlen deshalb, bei unbekannten Online-Händlern genauer hinzusehen. Hilfreich ist etwa der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen. Nach Eingabe der Shop-Adresse erhalten Nutzer eine Einschätzung, ob Auffälligkeiten vorliegen. Spätestens bei einer gelben oder roten Bewertung sollte man besonders aufmerksam werden.
Auch technische Details liefern oft Hinweise. So kann das Alter einer Internetadresse verraten, ob ein angebliches Traditionsunternehmen tatsächlich schon lange existiert. Wurde die Domain erst vor wenigen Tagen oder Wochen registriert, passt das kaum zu einer jahrzehntelangen Firmengeschichte. Schlechte Kundenbewertungen, fehlende Anbieterangaben oder ungewöhnliche Rücksendeadressen sollten ebenfalls misstrauisch machen. Denn ein professionell gestalteter Webshop allein ist noch kein Beleg für einen seriösen Händler.
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