
17. April 2025, 17:21 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Der Online-Riese Amazon bietet seinen Prime-Kunden bereits seit Jahren einen praktischen Service an, der es ermöglicht, Produkte erst einmal auszuprobieren. Diese Funktion ist jedoch ersatzlos verschwunden. TECHBOOK geht auf die Hintergründe ein und warum das Wegfallen vielleicht sogar gut sein könnte.
Amazon ist für sein breites und vielfältiges Angebot bekannt. Das betrifft nicht nur die Produkte des Unternehmens selbst und zahlreicher Anbieter, die ihre Waren über die Plattform verkaufen. Auch die Funktionsvielfalt dieser Plattform ist beachtlich. Allerdings hat Amazon hier vor allem in jüngster Vergangenheit nachgebessert und vor allem aussortiert. Zu Beginn des Jahres 2025 hat es eine Funktion getroffen, mit der Amazon-Kunden Kleidungsstücke anprobieren können, bevor sie sich zum Kauf entscheiden.
Amazon verschlankt sein Angebot
Für Amazon-Kunden war 2024 ein turbulentes Jahr. Einschneidend war für viele sicherlich vor allem die Einführung von Werbung bei Prime Video im Februar. Wer die Werbespots nicht sehen will, muss ein Zusatz-Abo für knapp 3 Euro im Monat buchen. Zudem entfernte Amazon sukzessive Funktionen aus seinem Prime-Abonnement wie etwa die Watch Party, die sich vor allem während der Corona-Zeit etablieren konnte.
Im Sommer wurde dann bekannt, dass das Unternehmen künftig Gebühren für Lieferungen an Abholstationen verlangt; zuvor war der Service kostenlos. Zum Jahresende stellte Amazon zudem gleich zwei Angebote ein: den Lebensmittel-Lieferdienst Fresh und die kostenlose Streaming-Plattform Freevee.
„Erst probieren, dann zahlen“ wird von Amazon eingestellt
Mitte Januar 2025 wurde zudem bekannt, dass sich Amazon von der bereits 2018 eingeführten Funktion „Erst probieren, dann zahlen“ verabschiedet. Das ging unter anderem aus einem Hinweis auf der entsprechenden Unternehmensseite und auch einem Bericht von „The Information“ hervor. Und tatsächlich: Das Serviceangebot wurde zum 31. Januar 2025 eingestellt.

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Warum verschwindet das Angebot?
Tatsächlich sprechen mehrere Gründe für das Einstellen des Services. Unter anderem „CNBC“ verwies auf die Kosten, die das Angebot im Bereich der Rücksendungen verursachen würde. Gerade in Kombination mit den erwähnten Einschränkungen, die das Unternehmen 2024 umsetzte, könnte das eine relevante Komponente für Amazons Entscheidung gewesen sein. Allerdings nannte Amazon auf TECHBOOK-Anfrage einen anderen Grund.
Eine Sprecherin des Unternehmens verwies auf die ohnehin eingeschränkte Auswahl an Produkten mit dieser Funktion. „Angesichts der Tatsache, dass (…) Kund:innen zunehmend unsere neuen KI-gestützten Funktionen wie virtuelle Anprobe, personalisierte Größenempfehlungen, Highlight Rezensionen und verbesserte Größentabellen nutzen“ habe man sich entschieden, „Erst probieren, dann zahlen“ einzustellen, so die Sprecherin des Unternehmens.
„Natürlich werden unsere Kund:innen auch weiterhin von schneller, kostenloser Lieferung und einem einfachen, kostenlosen Rückversand für unsere gesamte Mode-Auswahl profitieren.“ Auf die Frage, was genau gilt, wenn auf Basis der KI-Empfehlungen Rücksendungen entstehen, wurde in dem Statement nicht explizit eingegangen.

Positive Auswirkungen möglich
„Natürlich ist es im ersten Anlauf immer ärgerlich, wenn eine Funktion wegfällt und man sich als Kunde umgewöhnen muss. Insgesamt finde ich persönlich die Maßnahme, gerade aus Sicht der Nachhaltigkeit, nicht verkehrt. Auch andere Anbieter haben vor allem Angebote rund um Retouren ebenfalls eingeschränkt. Das regt Kunden gegebenenfalls dazu an, weniger Fehlkäufe zu tätigen.
Das reduziert zum einen die Kosten für das Unternehmen, aber im Endeffekt ja auch beim Kunden selbst. Spannend bleibt jetzt allerdings, wie genau Amazon künftig mit zurückgegebenen Produkten umgeht – vor allem, wenn diese auf explizite Empfehlung der KI-Tools gekauft werden und dann doch nicht gefallen oder passen.“