Seit Mai 2026 bietet Amazon in den USA die Funktion „About You“ an. Nutzer können dort einsehen, welche Informationen der Online-Händler über sie gespeichert hat. Das Feature wertet Kaufhistorie, Produktbewertungen, Alexa-Gespräche, erstellte Listen und Suchanfragen aus. Die Ergebnisse sorgen gerade in sozialen Netzwerken für Aufsehen, denn viele der angezeigten Daten sind verblüffend spezifisch oder schlicht absurd.
Diese absurden Daten zeigt Amazon
Eine Nutzerin namens Megan Montgomery teilte ihre Ergebnisse auf der Plattform Threads und löste damit eine Welle von Reaktionen aus. Amazon hatte über sie festgestellt: „flat buttocks“ (flacher Hintern). Andere Nutzer berichteten von ähnlich kuriosen Einträgen. So wird einem Kunden bescheinigt, er „mag Brünette mit Muskeln“, ein anderer könne „echte Pflanzen nicht am Leben erhalten“ und ein dritter sei „kein großer Spongebob-Fan“. Drastischer wird es bei Einträgen wie „hat keine Freunde“ oder „bekommt eine müde graue Gesichtsfarbe durch Schlafmangel“.
Nicht alle Angaben sind skurril. Manche Nutzer fanden auch nachvollziehbare Aussagen wie „erweitert systematisch seine Werkzeugsammlung“, „bevorzugt High-Performance-Computerkomponenten“ oder „liest ausgiebig Fantasy-Romane“. Ein Journalist erfuhr, Amazon halte ihn für ein „Gehirn-Genie“, das „klassische und intellektuelle Literatur“ bevorzuge und „strategisch Bücher während großer Sales kauft“. Allerdings behauptete das System auch, er gehe „gelegentlich campen“, was er widerlegte: Das letzte Mal hatte er mit elf Jahren gezeltet. Ein Comic-Künstler wurde mit „Customer’s name is Shingo“ beschrieben, nachdem er mehrere Bände von „My Name Is Shingo“ gekauft hatte.
Das „About You“-Feature ist derzeit ausschließlich in den USA freigeschaltet. Nutzer in Deutschland können die Übersicht nicht aufrufen. Allerdings sammelt Amazon nach eigenen Angaben auch in Deutschland Daten aus Kaufhistorie, Suchanfragen, Reviews und Listen, um Empfehlungen anzubieten. Deutsche Kunden haben aber klare Handlungsmöglichkeiten:
DSGVO-Auskunft anfordern: Nutzer können bei Amazon.de kostenlos eine Datenauskunft verlangen. Der Konzern muss innerhalb eines Monats antworten und offenlegen, welche persönlichen Daten gespeichert sind. Der Antrag kann formlos per E-Mail oder über das Kontaktformular gestellt werden.
Datenschutzeinstellungen anpassen: In den Kontoeinstellungen unter „Datenschutzeinstellungen“ lässt sich personalisierte Werbung einschränken. Dort können Nutzer auch festlegen, welche Daten Amazon für Empfehlungen nutzen darf.
Kaufhistorie verwalten: Einzelne Artikel können aus der Bestellhistorie entfernt werden, damit sie nicht mehr für Empfehlungen herangezogen werden. Die Funktion findet sich unter „Mein Konto“ und „Meine Bestellungen“.
Alexa-Aufzeichnungen löschen: Wer Alexa nutzt, kann in der Alexa-App unter „Einstellungen“ und „Alexa-Datenschutz“ seine Sprachaufzeichnungen einsehen und löschen.
Amazon erklärt, die Datensammlung diene dazu, „hochwertige und relevante Empfehlungen“ anzubieten. Dafür wertet der Konzern aus, was Nutzer kaufen, suchen, bewerten und in Listen speichern. Bei Alexa-Nutzern fließen auch Gespräche mit der Shopping-Funktion ein. Die US-Funktion zeigt, wie detailliert und teilweise absurd diese automatischen Rückschlüsse ausfallen können. Viele US-Nutzer bestätigten in sozialen Netzwerken die Genauigkeit der Daten, auch wenn die Formulierungen teils für Lacher sorgten.
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