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Pläne der Regierung

Mehr Geld ab 2027? Steueränderungen entlasten Millionen Arbeitnehmer

Die Bundesregierung plant ein umfangreiches Steuerpaket für 2027
Die Bundesregierung plant ein umfangreiches Steuerpaket für 2027 Foto: Getty Images
Rita Deutschbein, Redaktionsleiterin TECHBOOK
Redaktionsleiterin

20. Oktober 2026, 12:18 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Durch die geplante Steuerreform will die Bundesregierung Millionen Arbeitnehmer ab 2027 entlasten. Doch wer glaubt, dass der höhere Arbeitnehmer-Pauschbetrag automatisch 200 Euro mehr Netto bringt, dürfte enttäuscht werden. Tatsächlich fällt der direkte Effekt meist deutlich kleiner aus. Zusammen mit weiteren geplanten Steueränderungen könnte vielen Beschäftigten am Ende dennoch spürbar mehr Geld im Portemonnaie bleiben.

Die geplante Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags sorgt aktuell für viele Missverständnisse. Zwar soll der Pauschbetrag ab Januar 2027 um 200 Euro steigen. Dieses Geld wird jedoch nicht ausgezahlt. Stattdessen reduziert sich lediglich der Teil des Einkommens, auf den Steuern fällig werden.

Für viele Beschäftigte bedeutet das: Die tatsächliche Entlastung durch den höheren Pauschbetrag allein liegt häufig eher bei einigen Dutzend Euro pro Jahr als bei 200 Euro. Wie stark die Steuerlast sinkt, hängt vom individuellen Einkommen und persönlichen Steuersatz ab.

Arbeitnehmer-Pauschbetrag steigt auf 1430 Euro

Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag soll nach den aktuellen Plänen von 1230 Euro auf 1430 Euro steigen. Über diese Pauschale berücksichtigt das Finanzamt typische berufliche Ausgaben automatisch. Dazu gehören beispielsweise Kosten für Arbeitsmittel, Fachliteratur oder beruflich veranlasste Fahrten.

Der Vorteil: Beschäftigte müssen solche Ausgaben bis zu dieser Höhe nicht einzeln nachweisen. Gleichzeitig verringert sich das zu versteuernde Einkommen um weitere 200 Euro.

Wer profitiert besonders von der Änderung?

Vor allem Arbeitnehmer mit niedrigen oder mittleren Werbungskosten gehören zu den Gewinnern der Steuerreform 2027.

Beispiel 1: Geringe Werbungskosten

Ein Angestellter hat berufliche Ausgaben von lediglich 800 Euro pro Jahr.

  • 2026 werden automatisch 1230 Euro berücksichtigt.
  • 2027 könnten automatisch 1430 Euro berücksichtigt werden.

Sein steuerlicher Werbungskostenabzug steigt von 1230 Euro auf 1430 Euro, obwohl seine tatsächlichen Werbungskosten weiterhin nur 800 Euro betragen.

Beispiel 2: Hohe Werbungskosten

Ein Arbeitnehmer weist 1700 Euro Werbungskosten nach.

  • 2026 werden bereits 1700 Euro angesetzt.
  • 2027 werden ebenfalls 1700 Euro angesetzt.

Für sie bringt der höhere Pauschbetrag keinen zusätzlichen Effekt, weil ihre tatsächlichen Kosten ohnehin über dem Pauschbetrag liegen.

Grundfreibetrag soll ebenfalls steigen

Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag ist jedoch nur ein Baustein eines deutlich größeren Steuerpakets. Erst die Kombination aller geplanten Maßnahmen dürfte bei vielen Haushalten einen spürbaren Unterschied machen.

Neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag plant die Bundesregierung eine Anhebung des Grundfreibetrags. Dieser liegt derzeit bei 12.348 Euro und soll 2027 auf 12.564 Euro steigen. Für 2028 ist bereits eine weitere Anhebung auf 12.900 Euro vorgesehen.

Der Grundfreibetrag stellt sicher, dass das Existenzminimum steuerfrei bleibt. Durch die Erhöhung müssen Arbeitnehmer auf einen größeren Teil ihres Einkommens keine Einkommensteuer zahlen.

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Kleine und mittlere Einkommen im Fokus

Besonders interessant dürfte für viele Beschäftigte eine weitere geplante Änderung sein: die Anpassung des Einkommensteuertarifs. Die Bundesregierung will die Progression abmildern, damit Gehaltserhöhungen nicht so schnell durch steigende Steuersätze aufgezehrt werden. Davon könnten vor allem Arbeitnehmer mit kleinen und mittleren Einkommen profitieren.

Für viele Haushalte könnte dieser Punkt finanziell sogar wichtiger sein als die Erhöhung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags.

Familien könnten die größten Gewinner sein

Während kinderlose Arbeitnehmer vor allem von den Steueränderungen profitieren, sollen Familien gleich mehrfach entlastet werden.

Geplant sind:

  • ein höheres Kindergeld,
  • höhere Kinderfreibeträge,
  • Entlastungen durch den Einkommensteuertarif,
  • ein höherer Grundfreibetrag.

Dadurch könnte die jährliche Entlastung für Familien deutlich höher ausfallen als für Single-Haushalte.

Steuererklärung lohnt sich weiterhin

Der höhere Arbeitnehmer-Pauschbetrag macht die Steuererklärung nicht überflüssig.

Wer beruflich mehr als 1430 Euro ausgibt, sollte diese Kosten weiterhin einzeln geltend machen. Das kann beispielsweise bei langen Arbeitswegen, einer doppelten Haushaltsführung, teuren Fortbildungen oder größeren beruflichen Anschaffungen schnell der Fall sein. Für viele Arbeitnehmer dürfte die Steuererklärung dennoch einfacher werden, weil sie weniger Werbungskosten nachweisen müssen.

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Topverdiener sollen größeren Beitrag leisten

Für Topverdiener fällt die Bilanz der Steuerreform 2027 dagegen gemischter aus. Zwar profitieren auch sie vom höheren Arbeitnehmer-Pauschbetrag und dem steigenden Grundfreibetrag. Gleichzeitig sollen sehr hohe Einkommen künftig stärker zur Finanzierung der Steuerreform beitragen.

Nach dem Gesetzentwurf soll der Reichensteuersatz von 45 Prozent bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 250.000 Euro greifen. Ab 280.000 Euro soll zudem ein neuer Steuersatz von 47 Prozent gelten. Die zusätzlichen Belastungen betreffen damit vor allem Spitzenverdiener und nicht die breite Mittelschicht.

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Die Steuerreform 2027 ist noch nicht beschlossen

Wichtig ist allerdings: Die geplanten Änderungen sind bislang noch kein geltendes Recht. Das Steuerpaket befindet sich weiterhin im Gesetzgebungsverfahren. Erst nach Abschluss der parlamentarischen Beratungen steht endgültig fest, welche Regelungen tatsächlich zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Wer auf 200 Euro mehr Netto allein durch den höheren Arbeitnehmer-Pauschbetrag hofft, wird voraussichtlich enttäuscht. Die unmittelbare Entlastung fällt dafür meist zu gering aus. Die eigentliche Wirkung der Reform liegt im Gesamtpaket. Höherer Arbeitnehmer-Pauschbetrag, steigender Grundfreibetrag, ein günstigerer Tarif für kleine und mittlere Einkommen sowie zusätzliche Vorteile für Familien könnten dafür sorgen, dass viele Beschäftigte ab 2027 tatsächlich mehr Netto vom Brutto behalten. Der höhere Pauschbetrag ist dabei nur der sichtbarste Teil einer deutlich größeren Steuerreform.

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