6. Oktober 2025, 15:15 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Gestohlene Pakete sind nervig. Aber in einem spezifischen Fall können sie hilfreich sein. Wie? Konkret geht es um bestimmte Eufy-Überwachungskameras, die mit KI-Unterstützung funktionieren. Diese sollen dabei helfen, Diebstähle und Kriminelle zu erkennen. Doch dazu braucht es auch der entsprechenden Trainingsdaten, derer es aber nicht sehr viele gibt. Deswegen sind alle gefragt, diese anzuliefern. Und „alle“ meint allen voran – die Kunden selbst.
Eufy-Überwachungskameras mit Diebstählen trainieren
Die ungewöhnliche Maßnahme ist nicht neu, hat aber jetzt erst rege Aufmerksamkeit erfahren. Der chinesische Hersteller Anker, hierzulande auch für seine Powerbanks bekannt, betreibt unter anderem auch die Marke Eufy. Dabei vertreibt das Unternehmen auch Eufy-Überwachungskameras, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz funktionieren. Damit diese immer besser werden, müssen sie auch möglichst Paketdiebstähle erfassen. Daran hapert es aber.
Deshalb rief Anker im Dezember 2024 dazu auf, Videos mit entsprechenden Inhalten einzusenden. Dafür gab es zwei US-Dollar pro Einsendung, wobei die Aufnahmen echt als auch fingiert sein durften.
Das heißt, Verbraucher konnten selbst so tun, als würden sie ihre eigenen Pakete klauen, Hauptsache, die Eufy-Sicherheitskamera hat den Vorgang erfasst. Aber nicht nur um vor Haustüren abgestellte Pakete ging es, sondern auch um Versuche, Autotüren aufzubrechen. Für beide Vergehen wollte Anker jeweils bis zu 20.000 Videos.
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Gutscheinkarten und Kameras winken
Die initiale Aktion ging zwar im Februar 2025 zu Ende. Doch wie „TechCrunch“ berichtet, bietet Anker seither neue Kampagnen zum Training der Eufy-Überwachungskameras an, etwa „Enhance My AI“. Die Belohnungen können recht unterschiedlich ausfallen.
Neben einem simplen Abzeichen neben dem Nutzernamen können Kunden auch auf kostenlose Kameras und Gutscheinkarten hoffen. In der dazugehörigen Eufy-App soll es außerdem eine „Ehrenwand“ geben, die zeigt, welche Nutzer die meisten Videos eingesendet haben. Der Spitzenreiter soll demnach mehr als 200.000 „Diebstähle“ zur Verfügung gestellt haben.
Technische Herausforderungen bleiben
Wie hilfreich die vielen Video-Einsendungen für Eufy-Überwachungskameras wirklich sind, darüber schweigt sich Anker aus. Bei „Android Authority“ spekuliert man, dass ein hauptsächlich auf gestellten Diebstählen trainiertes KI-System womöglich nicht im gleichen Maße effektiv ist wie eines, das mit authentischen Fällen gefüttert wurde. Andererseits treten diese deutlich seltener auf und die Gefahr besteht, dass es zu Fehleinschätzungen kommen könnte.
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Neben auftretenden Problemen bei der Verwendung von „Enhance My AI“ spielt auch die Privatsphäre der Nutzer eine wichtige Rolle. „The Verge“ berichtete etwa 2023, dass Anker zu vertuschen versuchte, dass angeblich verschlüsselte Kameraübertragungen doch für jeden unverschlüsselt und frei zugänglich waren. Das Unternehmen versichert jedoch, das Problem mittlerweile mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für jeden Kamera-Stream behoben zu haben.