Rundfunkbeitrag abschaffen? Diese Folgen zeigen Frankreich und Tschechien
Zehntausende Menschen demonstrierten in Prag gegen die geplante Rundfunkreform und für die Unabhängigkeit öffentlich-rechtlicher Medien Foto: Getty Images
In Deutschland ärgern sich viele Bürger über den als „Zwangsabgabe“ empfundenen Rundfunkbeitrag für die Öffentlich-Rechtlichen. Bei unseren Nachbarn in Tschechien passiert gerade das Gegenteil: Zehntausende gehen für die Gebühr auf die Straße, protestieren gegen eine geplante Rundfunkreform. Warum ist das so? Und könnte das tschechische Modell auch zu uns kommen?
Tschechiens Rundfunk soll vom Staat finanziert werden
Die tschechische Regierung unter Andrej Babiš will die bisherigen Rundfunkgebühren abschaffen. Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Radio sollen stattdessen direkt aus dem Staatshaushalt finanziert werden. Gleichzeitig sollen ihre Mittel um mehr als 15 Prozent sinken. Das Abgeordnetenhaus hat den Gesetzentwurf in erster Lesung gebilligt und zur weiteren Beratung an die Ausschüsse überwiesen.
Dagegen regt sich Widerstand: Am 25. Oktober 2026 demonstrierten Zehntausende Menschen in Prag für Medienfreiheit und gegen die geplante Reform, kleinere Proteste hatte es zuvor bereits in anderen Städten gegeben. Kritiker befürchten, die neue Finanzierung könnte die öffentlich-rechtlichen Sender stärker von politischen Entscheidungen abhängig machen. Andrej Babiš weist den Vorwurf zurück. Niemand habe die Absicht, in Programm oder Berichterstattung einzugreifen.
Ein Blick nach Frankreich zeigt, was nach der Abschaffung einer Rundfunkgebühr passieren kann. Dort verschwand die Abgabe bereits 2022. Die Finanzierung wurde anschließend auf ein Modell mit staatlichen Mitteln umgestellt. 2026 wurden die Zuwendungen für France Télévisions, Radio France und das französische nationale audiovisuelle Institut INA zusammengenommen um rund 86 Millionen Euro gekürzt.
Für France Télévisions ist der Spardruck erheblich. Das Unternehmen beschloss für 2026 Einsparungen von insgesamt 140 Millionen Euro. Dazu gehören unter anderem niedrigere Programmkosten, weniger Stellen sowie Einschnitte bei Investitionen in audiovisuelle Produktionen. Für 2027 warnte die Senderchefin zudem vor einem weiteren Sparbedarf von 90 Millionen Euro.
Auch in Deutschland wird über den Beitrag gestritten
Damit drängt sich zumindest ein Gedankenspiel für Deutschland auf. Denn auch hier ist der Rundfunkbeitrag politisch umstritten. Die AfD fordert dessen Abschaffung und eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Gleichzeitig empfiehlt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, kurz KEF, ab 2027 eine Erhöhung von derzeit 18,36 Euro auf 18,64 Euro monatlich.
Würde Deutschland irgendwann tatsächlich dem französischen oder tschechischen Weg folgen, wäre die Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio mit dem Ende des Rundfunkbeitrags allerdings nicht automatisch erledigt. Ein anderes Modell müsste die bisherige Abgabe ersetzen. Die Beispiele aus Frankreich und Tschechien zeigen zugleich, wo neuer Streit entstehen könnte: Werden Sender stärker vom Staatshaushalt abhängig, rücken politische Entscheidungen über ihre Finanzierung stärker in den Mittelpunkt.
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