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Der aktuelle Stand im Rechtsstreit

Was wurde eigentlich aus Kim Dotcom?

Kim Dotcom
Letzte Chance vertan? Kim Dotcom vor Auslieferung in die USA Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Greg Bowker
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24. April 2026, 11:36 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Die einen sehen Kim Dotcom als eine Art Internet-Freiheitskämpfer. Für andere ist er ein krimineller Hochstapler, ein Großmaul – und geht es nach den US-Behörden, ist Kim Dotcom ein Straftäter, der aufgrund schwerer Urheberrechtsverletzungen hinter Gitter gehört. Nun droht ihm die Auslieferung aus Neuseeland, seiner Wahlheimat seit 2010, mit der Folge, dass er sich womöglich bald in den USA vor Gericht verantworten muss. Ein Rückblick darauf, was genau dazu geführt hat, und die wichtigsten Informationen zu den aktuellen Entwicklungen – bei TECHBOOK.

Kim Dotcom gehört ohne Zweifel zu den bekannten Namen der Internetgeschichte. 1974 als Kim Schmitz in Kiel geboren, trat er bereits in den späten 80er-Jahren in die Hacker-Szene ein. Bald wurde er für die Gründung der Filesharing-Plattform Megaupload bekannt, aber auch für sein öffentlichkeitswirksames Auftreten und zahlreiche Kontroversen. Seit vielen Jahren versuchen große Filmstudios sowie der US-amerikanische Musikindustrie-Verband RIAA, juristisch gegen ihn vorzugehen.

Kim Dotcom droht Auslieferung in die USA – und dort ein Prozess

Kim Dotcom verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Neuseeland – auch, um sich dem Zugriff der US-Justiz zu entziehen. Damit könnte bald Schluss sein. Im August 2025 entschied Neuseelands Justizminister Paul Goldsmith, den Unternehmer an die USA auszuliefern, wie der „The New Zealand Herald“ berichtete. „Ich habe alle Informationen sorgfältig geprüft“, erklärte Goldsmith laut Ministerium, „und entschieden, dass Herr Dotcom an die USA ausgeliefert werden sollte.“

Kim Dotcom hat jedoch nicht vor, das Land zu verlassen. Bislang scheiterten mehrere Versuche, die Auslieferung gerichtlich zu stoppen. Im September 2025 verwarf ein neuseeländisches Gericht einen Antrag auf erneute juristische Überprüfung, wie unter anderem „CBS“ berichtete.

Nach aktuellem Stand steht einer Auslieferung damit juristisch wenig im Weg. In den USA droht ihm ein Verfahren unter anderem wegen Urheberrechtsverletzung, Geldwäsche und organisierter Kriminalität.

Die Frage, wie Kim Dotcom zu bewerten ist, wird unterschiedlich beantwortet. Er bewegte sich mit seinen Geschäftsmodellen häufig in rechtlichen Grauzonen. Gleichzeitig erkannte er früh, wie Nutzer das Internet für den Austausch von Medien nutzen wollten. Sein Einfluss auf die Verbreitung digitaler Inhalte gilt als prägend, ist jedoch auch Gegenstand kontroverser Debatten.

Die Person und Geschichte von Kim Dotcom

Der junge Kim Schmitz wuchs unter schwierigen familiären Bedingungen auf. Nach eigenen Angaben suchte er früh Zuflucht in Computerspielen. Diese waren damals teuer, was ihn dazu brachte, sich intensiv mit technischen Schutzmechanismen auseinanderzusetzen.

In der Hacker-Szene machte er sich Anfang der 1990er-Jahre einen Namen. Unter dem Pseudonym „Kimble“ verbreitete er unter anderem illegale Softwarekopien. Schon damals zeigte sich ein Spannungsfeld: Einerseits verfügte Schmitz über ausgeprägte technische Fähigkeiten, andererseits überschritt er wiederholt gesetzliche Grenzen.

1994 wurde Kim Schmitz wegen verschiedener Delikte, darunter Betrug, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. In den folgenden Jahren gründete er ein Unternehmen im Bereich Daten- und Kopierschutz. Ende der 1990er-Jahre arbeitete er zeitweise als Berater für die Deutsche Telekom, nachdem er auf Sicherheitslücken im D1-Mobilfunknetz hingewiesen hatte.

Gründung des Unternehmens Megaupload

2002 wurde Schmitz wegen Insiderhandels verurteilt. Anschließend zog er nach Hongkong und gründete Megaupload. Die Plattform entwickelte sich ab 2005 zu einem der größten Filesharing-Dienste weltweit. Über das Netzwerk wurden unter anderem Kopien der neusten Kinofilme in heimische Wohnzimmer transferiert. Ein erheblicher Teil der Inhalte stand jedoch im Verdacht, Urheberrechte zu verletzen.

Filesharing an sich ist grundsätzlich nicht illegal, wohl aber die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte ohne Erlaubnis. Genau dies wurde Megaupload vielfach vorgeworfen. In Spitzenzeiten soll die Plattform für einen signifikanten Anteil des weltweiten Internetverkehrs verantwortlich gewesen sein.

Das Unternehmen expandierte immer schneller, bot Premium-Zugänge und finanzierte sich ansonsten über Werbung. Für den Nutzer von Megaupload schien der Service professionell und auch grundsätzlich nicht illegal. Dennoch musste den meisten Anwendern klar gewesen sein: Der Download eines Filmes, der gerade erst im Kino angelaufen ist, kann nicht mit rechten Dingen zugehen.

Streaming-Dienste spielten in den späten 2000er-Jahren wegen zu geringer Bandbreite noch keine Rolle. Das befeuerte den Erfolg der Plattform Megaupload, die Kim Schmitz endgültig berühmt und auch reich gemacht hat. Er genoss sein Leben in vollen Zügen. Auf seinem YouTube-Kanal protzte er mit überschwänglichen Partys auf Luxusyachten und in Villen oder stellte seine zahllosen Reisen – beispielsweise nach Monaco – zur Schau.

Seit Jahren im Visier der Justizbehören

Die Justizbehörden hingen dem Unternehmen damals schon an den Fersen. Im Jahr 2012 kam es zum Megaknall. Kim Schmitz, der seinen Wohnsitz zwei Jahre zuvor nach Neuseeland verlegt hatte und inzwischen als Kim Dotcom auftrat, wurde kurz vor seinem 38. Geburtstag zusammen mit anderen Megaupload-Drahtziehern festgenommen. Bei einer Razzia auf seinem Anwesen wurden zahlreiche Beweise sichergestellt. Die Behörden froren auch sein Vermögen ein, beschlagnahmten seine Fahrzeuge und stellten seine Internetseite nach Ermittlungen des FBI ab. Die Meldung sorgte auf allen Nachrichtenkanälen weltweit für Schlagzeilen. Gegen Kaution kam der Internet-Pionier aber bald wieder auf freien Fuß.

Seit 2012 versuchen die USA, seine Auslieferung gerichtlich durchzusetzen. Sollte der Antrag erfolgreich sein, drohen Kim Dotcom ein Strafverfahren und eine langjährige Haftstrafe. 2017 schließlich entschied ein Gericht in Neuseeland aufgrund eines Betrugsvorwurfs, dass er an die USA ausgeliefert werden darf. Das Urteil wurde später von zwei weiteren Gerichten bestätigt.

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Mitstreiter wurden bereits verurteilt

Der Unternehmer ging gegen seine drohende Auslieferung vor – erfolgreich. Mit dem Hinweis auf Rechtsfehler zog er bis vor den Obersten Gerichtshof und konnte eine Überprüfung der vorherigen Verfahren erwirken. Die Razzia auf dem Grundstück von Kim Dotcom wurde daraufhin für rechtswidrig erklärt. Der damalige Premierminister von Neuseeland, John Key, musste sich aufgrund der illegalen Abhörung und der Überwachung seiner Rechner sogar öffentlich bei Kim Dotcom entschuldigen.

Übrigens waren 2012 zusammen mit Kim Dotcom noch drei seiner Mitstreiter verhaftet worden. Einer von ihnen ist mittlerweile verstorben. Zwei weitere – Mathias Ortmann (Technikchef bei Megaupload) und Bram van der Kolk (für die Programmierung der Software verantwortlich) – umgingen eine Auslieferung an die USA, da sie sich bereit erklärten, sich einem Gerichtsverfahren in Neuseeland zu stellen.

Im Sommer 2023 wurde das Urteil gefällt: Die beiden Männer sind wegen Betrugs und weiterer Delikte zu zwei Jahren und sieben Monaten beziehungsweise zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Damit blieb das Gericht unter den anvisierten 10 Jahren, da sich beide offenbar bereit erklärten, gegen Kim Dotcom auszusagen.

Kim Dotcom auf Social Media

Wie es mit Kim Dotcoms Verfahren weitergeht, ist bislang offen. Sein Fall befindet sich inzwischen in einer entscheidenden Phase. Nachdem mehrere Rechtsmittel gescheitert sind, gilt die Auslieferung juristisch weitgehend als geklärt. Mit der Abweisung eines weiteren Antrags im Jahr 2025 erlitt Dotcom einen der letzten großen Rückschläge in dem seit Jahren andauernden Verfahren. Dennoch ist weiterhin offen, wann die Auslieferung tatsächlich vollzogen wird.

Kim Dotcom zeigt sich jedoch unbeeindruckt. „Ich liebe Neuseeland“, schrieb er noch Mitte August 2024 auf X. „Ich werde nicht gehen.“ Über die Plattform äußert er sich vor allem politisch. Dabei lassen einige seiner Posts auf eine eher pro-russische und westkritische Haltung schließen. Zudem hat Kim Dotcom auf X und in Interviews wiederholt verschwörungsideologisch geprägte Aussagen getätigt, die klassische antisemitische Codes oder Anspielungen enthalten, auch wenn er selbst bestreitet, antisemitisch zu sein.

Ganz anders zeigt er sich indes auf Instagram. Hier liefert Kim Dotcom vor allem private Einblicke in sein Leben. Seit 2018 ist er in dritter Ehe mit der Anwältin Elizabeth Donnely verheiratet, insgesamt hat er sechs Kinder.

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