9. Juni 2026, 11:40 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Microsoft erweitert Teams um eine umstrittene Tracking-Funktion, die den Arbeitsort von Beschäftigten automatisch erkennen kann. Die Einführung der bereits seit Monaten diskutierten Neuerung wurde zuvor verschoben, soll nun jedoch bis Ende Juni weltweit abgeschlossen sein.
Mit der neuen Funktion in Microsoft Teams lässt sich der aktuelle Arbeitsort von Beschäftigten automatisch ableiten. Microsoft hatte die Neuerung bereits im vergangenen Jahr angekündigt, den ursprünglich geplanten Start jedoch verschoben. Nach aktuellem Stand soll die Bereitstellung nun weltweit bis Ende Juni abgeschlossen werden. Die Funktion steht für Teams unter Windows sowie macOS zur Verfügung.
Grundlage für die Erkennung ist die Verbindung eines dienstlichen Endgeräts mit dem Netzwerk des Unternehmens. Auf diese Weise kann Teams feststellen, in welchem Gebäude sich ein Mitarbeiter befindet oder welchen Arbeitsplatz er aktuell nutzt.
Unternehmen müssen die Funktion selbst aktivieren
Microsoft aktiviert die neue Möglichkeit nicht automatisch. Erst nach einer Freischaltung durch die zuständigen Administratoren des Arbeitgebers kann sie genutzt werden. Dafür müssen Netzwerkdaten und vorhandene Bürostandorte miteinander verknüpft werden.
Neben WLAN-Netzen können auch bestimmte Unternehmensgeräte als Orientierung für die Lokalisierung dienen. Dazu zählen beispielsweise Bildschirme oder andere technische Arbeitsmittel, die einem konkreten Standort zugeordnet sind. Microsoft erklärt, dass die Funktion vor allem die Organisation hybrider Arbeitsmodelle erleichtern soll. Mitarbeiter sollen schneller erkennen können, welche Kollegen sich aktuell vor Ort befinden.
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Diskussion über Datenschutz hält an
Doch genau dieser Punkt sorgt auch für heftige Kritik. Bereits seit der ersten Ankündigung wird die Neuerung kontrovers diskutiert. Kritiker befürchten zusätzliche Möglichkeiten zur Kontrolle von Beschäftigten im Arbeitsalltag. Microsoft verweist dagegen darauf, dass keine Positionsdaten privater Smartphones oder persönlicher Computer verarbeitet werden. Die Erkennung beschränke sich auf vom Unternehmen verwaltete Infrastruktur und entsprechende Geräte.
Besonders umstritten ist die Frage, wer letztlich über die Aktivierung der Standorterkennung entscheidet. Microsoft stellt die Funktion standardmäßig deaktiviert bereit, sodass zunächst die Administratoren eines Unternehmens tätig werden müssen. Sie können festlegen, ob die automatische Erkennung von Arbeitsorten überhaupt genutzt und wie die Zustimmung der Beschäftigten eingeholt wird. Laut den von Microsoft veröffentlichten Richtlinien sind dabei unterschiedliche Modelle möglich.
Im sogenannten Opt-in-Verfahren müssen Mitarbeiter der Funktion zunächst ausdrücklich zustimmen. Alternativ können Unternehmen eine Konfiguration wählen, bei der die WLAN-basierte Standortaktualisierung standardmäßig aktiviert ist und Beschäftigte dieser widersprechen können. Nach Angaben von Microsoft erfolgt die automatische Aktualisierung des Arbeitsorts dabei nur während der hinterlegten Arbeitszeiten. Verbindet sich ein Nutzer erst nach Feierabend mit dem Unternehmensnetzwerk, soll keine Standortaktualisierung stattfinden. Zudem werden die Einträge zum Arbeitsort am Ende des Arbeitstages wieder gelöscht.
Microsoft betont zwar, dass Anwender die Kontrolle über ihre Standortinformationen behalten sollen und selbst entscheiden können, ob sie ihren Arbeitsort mit Kollegen teilen. Kritiker verweisen jedoch darauf, dass die grundlegenden Rahmenbedingungen zentral von den IT-Verantwortlichen eines Unternehmens festgelegt werden. Ob Beschäftigte tatsächlich frei über die Nutzung entscheiden können, hängt damit maßgeblich von der gewählten Konfiguration ab. Genau diese Abhängigkeit zwischen individueller Zustimmung und administrativer Steuerung steht im Mittelpunkt der Datenschutzdebatte.
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Auch Meta wegen Datenerfassung in der Kritik
Während Microsoft die Nutzung seiner neuen Teams-Funktion an die Entscheidung von Unternehmen und Mitarbeitern knüpft, steht Meta wegen deutlich weitergehender Überwachungsmaßnahmen in der Kritik.
Der Konzern hatte begonnen, Eingaben über Tastatur und Maus seiner Beschäftigten zu protokollieren. Die erfassten Daten möchte Meta nach Medienberichten unter anderem zum Training von KI-Modellen verwenden. Nach Protesten innerhalb der Belegschaft hat der Konzern die Regeln jedoch teilweise angepasst. Mitarbeitern soll es nun möglich sein, die Aufzeichnung für begrenzte Zeit zu pausieren oder eine Herausnahme aus dem Programm zu beantragen.
Hinzu kamen Beschwerden über die hohe Datenmenge, die insbesondere bei Heimarbeitsplätzen übertragen wurde. Meta kündigte daraufhin an, die Datensammlung sparsamer zu gestalten. Im Mai hatte das Unternehmen zudem rund 8000 Stellen abgebaut, was etwa zehn Prozent der Belegschaft entspricht.