Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für digitalen Lifestyle und Entertainment
Evergreener Geschichte Persönlichkeiten Alle Themen
Office-Alternative

Wie ein 16-Jähriger Bill Gates das Fürchten lehrte

Marco Börries, Gründer und Geschäftsführer des deutschen Software-Hauses StarDivision, im Jahr 1996 auf der Cebit
Marco Börries, Gründer und Geschäftsführer des deutschen Software-Hauses StarDivision, im Jahr 1996 auf der Cebit Foto: picture-alliance / dpa | Carsten Rehder
Artikel teilen
Lars Lubienetzki
Freier Redakteur

19. Dezember 2025, 11:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Den Namen Marco Börries kennen vermutlich die wenigsten Menschen in Deutschland. Im Silicon Valley hingegen ist der Mann kein Unbekannter. In Software-Kreisen ist er besser bekannt als „der deutsche Bill Gates“. Seine Firma Star Division rüttelte in den 1990er-Jahren am Thron von Microsoft. TECHBOOK erzählt die Geschichte des jungen Aufsteigers.

Marco Börries führt in Lüneburg 15 Jahre lang ein ganz normales Leben. Der Gymnasiast nimmt an einem Schüleraustausch teil, der sein Leben für immer verändern wird. Er kommt bei Gasteltern in den USA unter. Im Rahmen dieses Austausches lernt er die Welt des Silicon Valley kennen. Von da an möchte der Jugendliche ebenfalls eine Karriere in der IT-Welt starten.

Marco Börries hat auch eine Idee: Computer sind die neue Schreibmaschine. Und was braucht man dafür? Genau, eine Software zum Verfassen von Texten. Wir schreiben das Jahr 1985. Zu diesem Zeitpunkt gehört Word von Microsoft zu den bekanntesten Textverarbeitungsprogrammen weltweit.

Star Division – ein deutscher Traum

Mit nur 16 Jahren gründet Marco Börries seine Firma Star Division. Da er noch nicht voll geschäftsfähig ist, müssen seine Eltern den Eintrag im Handelsregister unterzeichnen. Das erste Produkt des Start-up-Unternehmers – wobei es den Begriff damals noch gar nicht gibt, doch Marco Börries ist nach heutiger Lesart ein solcher – heißt StarWriter.

StarWriter kann alles, was auch Word kann, ist nur um ein Vielfaches günstiger als die Software aus dem Hause Microsoft. So steigen Ruhm und Umsatz des deutschen Unternehmens. Schon nach zwei Jahren vermeldet Star Division einen Umsatz von 1,5 Millionen Mark. Im Jahr 1989 sind es bereits 8,5 Millionen Mark.

Marco Börries bastelt an weiteren Ideen, um seine Software bestmöglich zu vermarkten. Ähnlich wie Microsoft entwickelt auch Star Division ein ganzes Office-Paket mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und einer Präsentationssoftware. Das Paket heißt StarOffice. Jetzt könnte es bei dem ein oder anderen Klick machen. Denn daraus entwickeln sich sehr viel später bekanntere Ableger wie OpenOffice, LibreOffice oder NeoOffice. Sämtliche Programmpakete basieren auf dem ursprünglichen Quellcode von StarOffice.

Auch interessant: So lässt sich die Preiserhöhung bei Microsoft 365 umgehen

StarOffice verbindet innovative Ideen

Selbstverständlich kostet auch StarOffice nur einen Bruchteil im Vergleich zu Word, Excel oder PowerPoint von Microsoft. Und Marco Börries geht sogar noch einen Schritt weiter. Für private Nutzer wird StarOffice komplett kostenlos. Bezahlen müssen nur gewerbliche Kunden. Dieses Geschäftsmodell kopiert viele Jahre später Google mit dem eigenen Office-Paket.

StarOffice gehört auch zu den ersten Programmen, die sich über den Webbrowser online nutzen lassen. Mit solch innovativen Produktideen steigt die Beliebtheit von StarOffice rasant an. In den späten 1990er-Jahren kommt Marco Börries mit seinem Office-Paket auf einen Marktanteil von 26 Prozent. Das ist beachtlich, denn der deutsche Unternehmer hat längst nicht so einen gewaltigen Marketinghebel wie er Microsoft zur Verfügung steht.

Mehr zum Thema

Neue Aufgaben

Erfolg macht attraktiv. Ende der 1990er Jahre kann sich Marco Börries vor Angeboten kaum retten. IBM möchte StarOffice für sein neues Betriebssystem OS/2 lizenzieren, entscheidet sich aber kurzfristig doch für einen Wettbewerber. Sun ist im Jahr 1999 konsequenter und übernimmt Star Division und Marco Börries gleich mit. Angeblich legt Sun dafür 70 Millionen US-Dollar auf den Tisch.

Sun entscheidet sich dann auch, den Quellcode offenzulegen, und entwickelt das Office-Paket als freie Software unter dem bis heute gültigen Namen OpenOffice weiter. Marco Börries zieht es schon nach zwei Jahren weg von Sun.

Mit Verdisoft gründet er ein neues Unternehmen. Der deutsche Firmengründer möchte eine Software entwickeln, die hilft, Daten zwischen Mobiltelefon und Computer zu synchronisieren. In den frühen 2000ern ein mutiger Schritt. Was heute mehr oder weniger unbemerkt im Hintergrund abläuft, also die Datensynchronisation, ist in der Frühphase der mobilen Telefonie innovativ.

Das bemerkt auch Yahoo und kauft Verdisoft im Jahr 2005 für schätzungsweise 60 Millionen US-Dollar. Eine Investition auf die Zukunft, denn zu diesem Zeitpunkt hat die Firma von Marco Börries noch nicht ein einziges Produkt auf dem Markt. Wieder wechselt der deutsche Unternehmer gleich mit. Und wieder hält er es nicht lange aus.

Übrigens: Parallel zu Star Division hat Marco Börries bereits in den 1980er-Jahren das Unternehmen Star Finanz mitaufgebaut. Darüber entwickelt er die Banking-Software StarMoney, die bis heute zu den beliebtesten Programmen im Online-Banking-Business gehört.

Auch interessant: Microsoft Office bekommt Konkurrenz aus Deutschland

Insolvenz mit Enfore

In den vergangenen Jahren hat die bis dahin makellos erscheinende Karriere des „deutschen Bill Gates“ ein paar Risse erhalten. Mit seiner im Jahr 2009 gegründeten Firma NumberFour verfolgt Marco Börries wieder einmal einen unterstützenswerten Weg. Dieses Mal startet er den Versuch, der Software-Macht von SAP ein leistungsfähiges und gleichzeitig günstiges Produkt entgegenzusetzen.

Erst 2017 bringt das neue Unternehmen unter dem Namen Enfore ein solches Produkt auf den Markt. Die angebotene Software richtet sich an kleine Unternehmen wie etwa Restaurants, Weinhändler oder kleinere Boutiquen. Für solche Firmen sind SAP-Programme zu überdimensioniert und zu teuer, wenn es darum geht, Online-Reservierungen, die Kasse oder das gesamte Bestellwesen zu verwalten.

Doch dieses Mal läuft es für Marco Börries nicht ganz so rund. Im Jahr 2024 stellt Enfore einen Insolvenzantrag. Im Juli 2025 wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Unternehmer wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung eingeleitet.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.