10. November 2025, 7:59 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
In den frühen 2000er-Jahren passierte eine ganze Menge in Sachen Hardware. Neue Geräteklassen tauchten aus dem Nichts auf und verschwanden genauso schnell wieder. Dazu gehört auch das Netbook, welches ab dem Jahr 2007 als kleines, günstiges Notebook vermarktet wurde. Warum Netbooks nur wenige Jahre boomten, berichtet TECHBOOK in diesem Artikel.
Computer sind mit jeder neuen Entwicklungsstufe immer kleiner geworden. Beanspruchten die ersten Modelle noch halbe Gebäude, tragen wir heute einen Taschencomputer in Form eines Smartphones ständig mit uns herum.
In den Anfangsjahren der Computerisierung existierte zwar der Wunsch nach kleinen Rechnern, nur fehlte es an den dafür notwendigen Komponenten. In den späten 1990er-Jahren tauchten zumindest erste Notebooks auf, die mit 13 bis 17 Zoll deutlich kleinere Displays hatten als übliche Notebooks. Solche Geräte bekamen dann den Beinamen „Mini-Notebooks“ und waren vor allem im asiatischen Raum sehr beliebt.
Das erste netBook ist ein Organizer
Den Namen Netbook nutzte erstmalig das britische Unternehmen Psion. Die Briten entwickelten damals elektronische Organizer, also digitale Terminkalender, die zur Jahrtausendwende in Managerkreisen sehr beliebt gewesen sind.
Das Psion netBook kam im Jahr 2000 auf den Markt und ähnelte schon sehr den Geräten, die später zur Kategorie Netbooks gezählt werden sollten. So groß wie ein DIN-A-5-Blatt und ein Kilogramm schwer, wirkte das Psion-Gerät zumindest äußerlich wie ein kleines Notebook. Allerdings verfügte das netBook nur über eingeschränkte Funktionen, weswegen es zunächst auch schnell wieder vergessen wurde.
Neue Betriebssysteme wie Linux und die zunehmende Verkleinerung von Prozessoren und anderen Komponenten öffneten die Tür für kleinere Notebooks. Im Jahr 2007 sorgte der Hersteller Asus mit seinem Eee PC für Furore. „Eee“ steht dabei für Easy, Excellent, Exciting und beschreibt knallig knapp, wofür der kleine Computer mit 10-Zoll-Display steht, nämlich für einen einfachen Zugang ins Internet.
Asus etabliert Netbooks
Asus hatte mit der Eee-Modellserie vor allem Schwellenländer in Afrika oder Asien im Blick. Die kleinen Computer liefen unter einer Linux-Distribution, kosteten nicht viel und versprachen einen einfachen Zugang in die Onlinewelt. Also genau das Richtige, um einen bisher unterentwickelten Massenmarkt zu beglücken.
Doch nicht nur dort fanden die damals noch als Subnotebooks bezeichneten Rechner reißenden Absatz, sondern auch in den westlichen Ländern. Vor allem Geschäftsleute erkannten die Vorteile, eignete sich ein kleines Notebook doch ganz hervorragend, um auf Reisen Mails zu beantworten oder Texte zu schreiben.
Da sich plötzlich eine völlig neue Zielgruppe für die kleinen Computer interessierte, bedienten auch bald die großen Namen wie Acer, Dell oder Samsung den Wunsch nach Mini-Notebooks. Selbst Microsoft packte sein Auslaufmodell Windows XP auf die kleinen Rechner. Für das damals aktuelle Betriebssystem von Microsoft namens Vista, reichte die Prozessorleistung der kleinen Computer nicht aus.
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„Netbook“ sorgt für Rechtsstreit
Der Name „Netbook“ als Produktbezeichnung für diese Art der Notebooks tauchte dann im Jahr 2008 erstmalig auf. Nicht folgenlos. Der Chip-Hersteller Intel verwendete die Bezeichnung „Netbook“ das erste Mal. Nur hatte dort offensichtlich niemand zuvor vom Psion netBook gehört.
Deswegen gab es Post aus Großbritannien, in der Psion die Namensrechte für sich beanspruchte. Zudem schrieb das britische Unternehmen an Google, den Begriff „Netbook“ in Adwords nicht weiter zu vermarkten. Google setzte daraufhin den Begriff auf die Adwords-Sperrliste. Im Juni 2009 endete der Streit um Begrifflichkeiten „friedlich“, wie Psion verkündete. Ab sofort durfte jedes Unternehmen sein Mini-Notebook als Netbook bezeichnen.
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Tablet besiegt das Netbook
Doch zu diesem Zeitpunkt ist die Geschichte des Netbooks schon fast auserzählt, nur ahnt es noch niemand. Bis zum Jahr 2010 kamen Netbooks auf einen Marktanteil von 30 Prozent. Doch das nutzte alles nichts, als Apple-Chef Steve Jobs am 27. Januar 2010 in seiner unnachahmlichen Art „one more thing“ präsentierte. Aus dem digitalen Zauberhut holte Jobs das iPad hervor. Damit war das Ende der nur zwei Jahre andauernden Ära des Netbooks besiegelt.
Tablets waren zwar teurer als Netbooks, konnten dafür aber schon bald sehr viel mehr als die kleinen Klappcomputer. Nur noch Acer und Asus widersetzten sich dem Tablet-Boom. Doch im Jahr 2015 stellten auch diese beiden Hersteller die Produktion von Netbooks endgültig ein.
Kleine Notebooks oder Netbooks gibt es heute selbstverständlich immer noch. Sie existieren allerdings nur als ein weiteres Produkt unter vielen. Im Grunde ist das MacBook Air von Apple eine Art Luxus-Netbook. Die Zeit des einfachen mobilen Computers, mit dem man unterwegs Mails lesen oder schnell ins Netz gehen kann, ist definitiv abgelaufen.