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Konrad Zuse – der Mann, der den Computer erfunden hat

Z3 schreibt Geschichte

Konrad Zuse – der Mann, der den Computer erfunden hat

Konrad Zuse
Konrad Zuse hat mit seiner Erfindung des ersten Computers Geschichte geschrieben.Foto: IMAGO / teutopress

Hinter der Geschichte des Computers steht vor allem ein Mann – Konrad Zuse. Der Berliner hat den ersten PC der Welt bereits 1941 entwickelt.

Der 25-jährige Konrad Zuse liebt seinen Job als Statiker bei den Henschel Flugzeugwerken in Berlin. Der studierte Maschinenbauer und Bauingenieur hasst allerdings die immer gleichen Berechnungen, die zu seinem Job zwangsläufig dazugehören. Im Jahr 1935 fasst Konrad Zuse den Entschluss, eine Rechenmaschine zu entwickeln. Sie soll künftig ganz automatisch alles für den Statiker berechnen. Seine Rechenmaschine Z3 wird Geschichte machen, als erster Computer der Welt.

Tüfteln tut Konrad Zuse schon seit Kindertagen. Bereits als 14-jähriger baut er einen Mandarinenautomaten. Gegen Einwurf einer Münze spuckt der Automat Obst aus. Die Maschine gibt sogar Wechselgeld raus.

Geboren im Jahr 1910 verbringt Konrad Zuse unzählige Stunden mit dem damals bei jungen Leuten sehr beliebten Metallbaukasten von Stabil. Aus den einzelnen Teilen modelliert der 18-jährige Zuse einen Verladekran für Kohle. Für sein Modell erhält er als besondere Auszeichnung von der Firma Stabil eine Ehrenurkunde.

Konrad Zuse baut auf das Binärsystem

Das nötige Tüftler-Gen bringt Konrad Zuse mit, als sich der Statiker in der Berliner Altbauwohnung seiner Eltern daran macht, eine Rechenmaschine zu entwickeln. Im Jahr 1938 entsteht der Rechner Z1. Das Teil wiegt eine Tonne und benutzt als Antrieb einen Staubsaugermotor. Rechnen ist Ende der 1930er Jahre eine sehr mechanische und laute Angelegenheit.

Der Z1 gilt als der erste frei programmierbare Rechner. Allerdings bemerkt Konrad Zuse rasch die Schwächen seines Z1. Der Rechner klemmt im wahrsten Sinne des Wortes. Denn sämtliche Schaltungen vollziehen sich rein mechanisch. Die dafür verwendeten dünnen Blechstreifen verhaken sich regelmäßig.

Schon beim Z1 verfolgt der Berliner die Idee, ein „mechanisches Gehirn“ zu erschaffen. Konrad Zuse vertraut dabei auf das binäre Zahlensystem. Sein Z1 kennt nur zwei Zustände: „wahr“ oder „falsch“. Dieses System nutzen Computer bis heute, nur sind die Zustände durch die Zahlen „1“ und „0“ ersetzt worden. Das Binärsystem bildet die Grundlage für das heutige digitale Zeitalter.

Konrad Zuse überarbeitet seinen Z1 und verwendet anstatt der dünnen Bleche elektromagnetische Relais. Auch ein Relais kennt in der Regel nur zwei Stellungen, „Strom an“ oder „Strom aus“.

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Z3 – der erste Computer der Welt

Im Jahr 1939 ist der Z2-Rechner fertiggestellt. Weil die finanziellen Mittel nicht reichen, bleibt der Z2 allerdings nur ein Prototyp. Die Rechenmaschine wiegt nur noch 300 Kilogramm und verfügt über einen 16-Bit-Speicher.

Vom Z2 erfährt Alfred Teichmann, der Abteilungsleiter im Institut für Festigkeit der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL). Teichmann erkennt in der Rechenmaschine von Konrad Zuse eine Menge Potenzial für die Luftfahrt.

Der Luftfahrtexperte beschäftigt sich mit dem Phänomen rhythmischer Verdrehungen von Flügeln und Leitwerk bei bestimmten Geschwindigkeiten, dem sogenannten Flattern. Dieses sorgt im schlimmsten Fall für den Absturz von Flugzeugen. Um das Flattern zu minimieren, haben Flugzeugtechniker ein bestimmtes Verfahren entwickelt. Dafür sind allerdings viele Berechnungen notwendig. Diese möchte Alfred Teichmann künftig mit der Rechenmaschine von Konrad Zuse automatisieren.

Deswegen gibt Teichmann 25.000 Reichsmark an Konrad Zuse, umgerechnet knapp 160.000 Euro. Das Ziel: Den Z2 stabiler und besser zu machen, damit die Rechenmaschine die aufwendigen Berechnungen in der Luftfahrttechnik übernehmen kann.

Konrad Zuse macht sich ans Werk und präsentiert am 12. Mai 1941 einem Kreis von Wissenschaftlern den Z3. Diese Rechenmaschine gilt als erster Universalrechner und damit als erster Computer der Welt.

Der erste Computer hat die Dimension eines Wandschranks und wiegt etwa eine Tonne. Für die Rechenarbeit verfügt der Z3 über mehr als 2000 Relais. Die Taktfrequenz beträgt 5 Hertz. Um eine Vorstellung von der Rechenleistung zu bekommen: Zahlen addieren dauert mit dem Z3 etwa 0,8 Sekunden, Zahlen multiplizieren knapp 3 Sekunden.

Warum wird Konrad Zuse kein großer Entwickler?

Leider wird der Original-Z3 im Jahr 1943 bei einem Bombenangriff zerstört. Es existieren nur noch Zeichnungen. In den 1960er Jahren lässt Konrad Zuse den Z3 nachbauen. Den Nachbau übernimmt die Zuse KG, die im Jahr 1949 gegründete Firma von Konrad Zuse.

Denn nach Ende des Zweiten Weltkriegs tüftelt Konrad Zuse an weiteren Rechenmaschinen. Allerdings bleibt der große Wurf aus. Mitte der 1940er Jahre arbeiten auch Techniker in den USA und Japan an neuartigen Rechenmaschinen. Die Entwicklung in diesen Ländern schreitet deutlich schneller voran.

Konrad Zuse sagt später einmal, er habe zwar über eine Menge erfinderisches Talent verfügt, dafür habe es am kaufmännischen Talent und am Glück gemangelt. Die Amerikaner und Japaner seien einfach cleverer gewesen, gibt der Erfinder des ersten Computers offen zu.

Im Jahr 1969 übernimmt Siemens die Zuse KG. Konrad Zuse ist schon zwei Jahre vorher aus dem eigenen Unternehmen ausgeschieden. Der Computer-Pionier widmet sich danach seiner zweiten Leidenschaft – der Malerei. Am 18. Dezember 1995 verstirbt der Mann, der den Computer erfunden hat.

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