16. August 2025, 9:29 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Noch vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump öffentlich die sofortige Absetzung des Intel-CEOs Lip-Bu Tan gefordert und ihn ins Weiße Haus bestellt. Nun haben die beiden ihre Streitigkeiten anscheinend beigelegt. Die US-Regierung erwägt sogar, in Intel zu investieren. Ist das ein Weg für das Unternehmen aus der Krise?
Hoffnung für Intel
Trump hatte Tan im Vorfeld vorgeworfen, „hochgradig konfliktbehaftet“ zu sein. Hintergrund der Kritik sind frühere Geschäftsbeziehungen des Intel-CEOs zu chinesischen Firmen sowie ein Strafverfahren gegen seinen früheren Arbeitgeber Cadence Design. Tan hingegen bekannte sich zur amerikanischen Sicherheitspolitik und betonte, er stehe hinter Trumps Engagement für die nationale und wirtschaftliche Sicherheit der USA.
Nach dem Treffen im Weißen Haus scheint sich die Lage etwas entspannt zu haben. Wie „Bloomberg“ berichtet, erwägt die US-Regierung nun wohl sogar einen Einstieg bei dem Chip-Hersteller. Trump selbst hat eine komplette Kehrtwende gemacht und sagte über Tan: „Sein Erfolg und Aufstieg ist eine beeindruckende Geschichte“. Anleger reagierten prompt: Seit Anfang der Woche ist die Intel-Aktie um satte 20 Prozent gestiegen.
Von Marktführer zu Wackelkandidat
In den vergangenen Jahren hat Intel eine Reihe schwerwiegender Rückschläge erlitten, die seine einstige Vormachtstellung in der Halbleiterindustrie ins Wanken gebracht haben. Der frühere Technologieführer kämpfte mit massiven Verzögerungen bei seinen 10-nm- und 7-nm-Fertigungsprozessen. Ganze sechs Prozessorgenerationen musste Intel auf 14 nm setzen und wurde dabei von Konkurrenten wie TSMC überholt, das schon viel früher zu 10 nm übergehen konnte. Der taiwanesische Fertiger liefert Chips für Unternehmen wie AMD, Apple und Nvidia.
2020 verlor Intel Apple als langjährigen Hardware-Partner. Mit der Umstellung auf Apple Silicon ging dem Unternehmen ein wichtiges Standbein verloren – fünfzehn Jahre lang kam jeder verkaufte Mac mit Intel-CPU. Doch nicht nur für Intels Finanzen war das ein herber Rückschlag, sondern auch für den Ruf des Unternehmens. Apples neue M-Chips zeigten, wie sehr Intel bei der Leistung pro Watt hinterherhinkte. Nur ein paar Jahre zuvor eroberte AMD mit seinen Ryzen-Prozessoren den Verbraucher- und mit Epyc den Server-Markt. Nach nur drei Generationen seiner neuen Zen-Architektur hatte AMD bereits Intel in puncto Leistung und Energieeffizienz als Marktführer abgelöst.
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Intel-Investitionen zahlten sich nicht aus
Intels Versuche, in neue Geschäftsfelder wie diskrete Grafikkarten und KI-Beschleuniger vorzustoßen, blieben bisher hinter den Erwartungen zurück. Produkte wie die Arc-Grafikkarten sollten Nvidias GeForce-Produkten Konkurrenz machen. Nach Startproblemen mit unausgereiften Treibern und begrenzter Games-Kompatibilität ist der Marktanteil von Arc mittlerweile auf effektiv 0 Prozent gefallen. Ob Intel angesichts des Verlustgeschäfts überhaupt diese Sparte weiterführen wird, scheint ungewiss. Auch mit den KI-Chips des israelischen Start-ups Habana Labs, das Intel 2019 für zwei Milliarden US-Dollar gekauft hatte, wollte man Nvidia Konkurrenz machen. Damals spielten beide Unternehmen noch in der gleichen Liga. Doch mittlerweile ist Nvidia dank KI-Boom mit 4,4 Billionen USD Marktkapitalisierung zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufgestiegen – während Intels Wert seit 2019 um 70 Prozent auf nur noch 80 Milliarden USD gesunken ist.
Unter CEO Pat Gelsinger hatte Intel Milliarden in den Ausbau der Foundry-Sparte investiert, um die Führung bei Fertigungstechnologie und der Chip-Fertigung selbst zurückzugewinnen. Neue Standorte in den USA und Europa sollten langfristig Intels Zukunft im KI-Zeitalter sichern. Gelsinger verließ jedoch Ende 2024 seinen Posten und Intel kündigte im März 2025 Lip-Bu Tan als neuen CEO an.
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Die Zukunft von Intel ist vorerst gesichert
Intel ist nach wie vor ein Big Player in der Halbleiterbranche. Mit einem Umsatz von 12,9 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal 2025 und enormen Barreserven steht das Unternehmen finanziell solide da. Trotz zahlreicher Rückschläge ist der Konzern noch profitabel. Zudem ist Intel ein wichtiges Unternehmen für die USA – wie der Besuch des CEOs im Weißen Haus erneut gezeigt hat. Als einziger US-Konzern mit Kapazitäten für die Herstellung eigener High-End-Chips ist Intel zentral für die nationale Strategie zur Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Fertigern.
Allein diese einzigartige Position scheint ein gutes Indiz dafür zu sein, dass Intels Zukunft sicher ist. Zwar ist die direkte Einmischung der Trump-Regierung durchaus als Marktbeeinflussung kritisch zu betrachten. Allerdings hätte das Wegfallen von Intel als Gegengewicht zu TSMC, Nvidia und AMD nicht nur Folgen für die strategischen Interessen der USA, sondern auch für die Verbraucher. Denn fehlende Konkurrenz zu Nvidia und AMD könnte zu Preisanstiegen und verlangsamter Entwicklung führen.