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In den USA gestartet

Amazon veröffentlicht eigenen Fitnesstracker „Halo“ – aber es gibt einen Haken

Amazon Halo in Silber
Im Gegensatz zu den meisten anderen Fitnesstrackern auf dem Markt hat das Amazon Halo kein DisplayFoto: Amazon.com

Amazon hat kurz vor den Weihnachtsfeiertagen einen eigenen Fitnesstracker auf den Markt gebracht. Das Armband soll dabei helfen, die Gesundheit genauer zur verfolgen und zu optimieren. Dabei hat es einige Tricks auf Lager – das Ganze hat jedoch auch einen Haken.

Bereits im September angekündigt und nun kurz nach dem Marktstart komplett ausverkauft. Das Halo-Armband von Amazon verspricht einen neuen Ansatz für Fitnesstracking – doch das hat seinen Preis.

Kein Display, dafür eine umfangreiche App

Im Gegensatz zu der überwältigenden Mehrheit der Fitnesstracker auf dem Markt geht Amazon mit dem Halo einen eigenen, und auf eine Weise futuristischen Weg. Das simple Armband kommt komplett ohne Display aus. Stattdessen gibt es nur ein Band, unter das ein recht klobig wirkender Sensor geschoben wird.

Die Sensoreinheit enthält zwei Mikrofone, einen Knopf sowie einen optischen Sensor zur Messung der Herzfrequenz. Die Einheit selbst wiegt leichte 18 Gramm. Je nach Armbandgröße kommen nochmal zwischen 5,2 und 6 Gramm dazu. Amazon bieten den Fitnesstracker in drei Größen und zwei Ausführungen an. Das Modell mit Textilarmband gibt es in Klein (133-155 Millimeter Umfang), Mittel (145-180 Millimeter) und Groß (170-220 Millimeter). Es besteht aus einer Mischung aus Polyester, Nylon und Elasthan. Das Sportarmband gibt es hingegen nur in zwei Größen, die sich jedoch flexibel an das Armgelenk anpassen. Es besteht aus Silikon.

Amazon Halo in Silber
Amazon Halo in SilberFoto: Amazon.com

Das Band kommt mit einem Ladeclip, allerdings ohne USB-Netzteil. Es ist in den Farben Schwarz, Silber und Pink erhältlich. Laut Amazon ist es „schwimmfest“ und wasserdicht bis 50 Meter Tiefe (5 ATM).

Der Sensor unterstützt Bluetooth 5.0 und benötigt ein Smartphone, auf dem mindestens iOS 12 oder Android 7 läuft. Auf dem Smartphone muss die Halo-App von Amazon installiert sein (in Deutschland nicht verfügbar). Es gibt derzeit keine Möglichkeit, die Gesundheitsdaten in Apples Gesundheits-App oder die Google-Fit-App zu integrieren.

Die App ist im Prinzip das Herzstück des Halo-Armbands, denn sie kontrolliert die wichtigen Funktionen wie das 3D-Körperfettmodul, die Stimmanalyse und Gesundheitsoptimierung.

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Amazon setzt mit Halo auf neuartige Funktionen

Klar, das Halo funktioniert auch als klassischer Schlaf- und Fitnesstracker. Es misst die Intensität und Dauer einer Aktivität sowie die Zeit, die im Sitzen verbracht wird. Es analysiert außerdem Schlafmuster und Wachzeiten in der Nacht. Der Schlaf wird in der Halo-App aufgeschlüsselt nach vier Phasen. Der Beschleunigungssensor und der Herzfrequenzmesser können bestimmen, wann die Person wach oder in der leichten oder tiefen Schlafphase ist, sowie die mit viel Körperaktivität verbundene Phase des Rapid-Eye-Movements (REM) erkennen.

Amazons Halo-App schlüsselt den Schlaf in vier Phasen auf
Amazons Halo-App schlüsselt den Schlaf in vier Phasen aufFoto: Amazon.com

Amazon Tone

Das ist alles relativ unspektakulär, doch das Amazon Halo kann noch mehr. Die zwei im Sensor integrierten Mikrofone dienen zur Stimmanalyse mit Amazons „Tone“-Funktion. Das Feature analysiert die Eigenschaften der eigenen Stimme, wie Energie und Positivität, um Kommunikation zu stärken. Tone soll dabei helfen, herauszufinden, wie man auf andere Menschen wirkt. Die Halo-App ordnet die Muster in zwei Achsen – positiv/negativ und viel Energie/wenig Energie – an. In der Zusammenfassung können NutzerInnen einsehen, wie oft sie freundlich, erfreut oder schlecht gelaunt waren. Auch die Zeiten, wann die Stimmung am positivsten und am negativsten war, zeigt die App an.

3D-Körperfettmodell

Das Halo soll nicht nur irgendein Fitnesstracker sein, sondern die Gesundheit der TrägerInnen besonders präzise einschätzen können. Durch Messungen des Körpers erstellt Halo ein personalisiertes 3D-Körperfettmodell. Basierend auf diesen Daten können sich NutzerInnen ansehen, wie sie mit verschiedenen Körperfettanteilen aussehen würden. Amazon beschreibt diese Funktion als „klinisch getestet“ und „wissenschaftlich basiert“. Das Unternehmen behauptet, dass aufgrund der höheren Genauigkeit des Körperfettscans Gesundheitsdaten präziser sind als bei anderen Fitnesstrackern.

Die 3D-Körperzusammensetzung in der Halo-App
Die 3D-Körperzusammensetzung in der Halo-AppFoto: Amazon.com

Gesundheitsoptimierung

In Zeiten der Selbstoptimierung darf natürlich bei einem Fitnesstracker nicht der Fokus auf die Verbesserung der eigenen Gesundheit fehlen. Mit Amazons „Labs“ hat Halo Zugriff auf Workouts für Zuhause, geführte Meditation, Schlafklänge und weitere Methoden, die Gesundheit zu verbessern. Labs ist laut Amazon mit Gesundheitsexperten wie der American Heart Association, Lifesum, SWEAT und Headspace entwickelt.

Halo ist nur mit einem Amazon-Abo nützlich

Auch wenn 3D-Modelle und Stimmanalyse durchaus spannend klingen, das Ganze hat einen nicht unbedeutenden Haken. Denn diese „smarten“ Funktionen, die von den Fähigkeiten des Halo-Armbands und der zugehörigen App Gebrauch machen, gibt es nur in Verbindung mit einem Abo bei Amazon.

Das Halo-Armband (Sensor + Textilband) allein kostet 99,99 US-Dollar (ca. 82 Euro). Beim Kauf gibt es sechs Monate Halo-Abonnement kostenfrei dazu. Nach Ablauf zahlen BesitzerInnen 3,99 USD (ca. 3,30 Euro) pro Monat, um die vollen Funktionen des Fitness-Armbands zu nutzen. Ohne die Mitgliedschaft gibt es keine 3D-Körperfettmodelle, kein Labs und kein Tone. Lediglich Schlafzeit, Herzfrequenz und Schritte werden weiterhin verfolgt. Einen Vorteil hat der Verzicht auf die Funktionen jedoch. Ohne die Stimmanalyse durch Tone hält das Halo eine ganze Woche ohne Aufladen durch. Mit Tone sind es nur zwei Tage.

Wer auf das Amazon Halo hofft, um nach den Feiertagen die guten Vorsätze für das neue Jahr zu erreichen, muss leider enttäuscht werden. Bislang ist unklar, ob das Halo auch in andere Länder kommt. Amazon hat bereits einige eigene Produkte, die es nie nach Deutschland geschafft haben. Bestes Beispiel sind die beliebten Echo Buds mit aktiver Geräuschreduzierung von Bose. Die günstigen kabellosen Earbuds sind in den USA regelmäßig ausverkauft, in Deutschland aber nicht erhältlich. Auch das Halo scheint von Amazon nur in begrenzter Stückzahl produziert zu sein. Wir hoffen natürlich trotzdem, dass es irgendwann auch hierher kommt.

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