iPhone 11 vs. LG V30

Kann das iPhone 11 eigentlich mehr als ein zwei Jahre altes Android?

iPhone 11 in neuen Farben
Die sechs neuen Farben des iPhone 11
Foto: TECHBOOK

Das iPhone 11 wurde offiziell vorgestellt und bringt ein paar neue Funktionen mit sich. Doch so neu sind sie auf einmal gar nicht, wenn man sie mit einem zwei Jahre alten Android-Smartphone vergleicht.

Zwei Kameras, eine davon eine Ultraweitwinkellinse? Ein 6,1 Zoll großer Bildschirm? Filmen in 4K mit HDR (High Dynamic Range) und schnelles Laden mit 18 Watt? Das sind alles Eigenschaften des neuen iPhones, Generation 11. Doch wussten Sie, dass schon das LG V30 von 2017 fast identische Spezifikationen hatte? Grund genug, die beiden Smartphones mal genau miteinander zu vergleichen.

Kamera

Die V-Reihe von LG war von Anfang auf Video-Enthusiasten ausgelegt und auch das V30 fällt hier nicht aus der Reihe. Ein guter Startpunkt also, um das V30 mit dem neuen iPhone zu vergleichen, schließlich positioniert Apple das iPhone ebenfalls seit längerem als DAS Smartphone für Hobby- und Profi-Filmer.

Kommen wir zuerst zu dem, was bei beiden Gleich ist. Das iPhone 11 und das V30 haben beide eine Weitwinkelkamera mit optischer Bildstabilisierung (OIS) und eine zusätzliche Ultraweitwinkelkamera, um noch mehr ins Bild zu bekommen. Doch schon hier der erste Unterschied: Das zwei Jahre ältere V30 löst im Weitwinkel mit 16 MP und im Ultraweitwinkel mit 13 MP auf, das iPhone bei beiden nur mit 12. Beim Reinzoomen gehen mit dem V30 daher deutlich weniger Details verloren als beim iPhone.

Das iPhone macht natürlich einiges besser bei der Kamera-Software, es ist schließlich auch zwei Jahre jünger. So kann das iPhone 11 dank dem schnellen A13 Bionic 4K-Videos mit 60 FPS (Bilder pro Sekunde) und HDR aufnehmen. Das V30 schafft zwar auch 4K und HDR, allerdings nur mit 30 FPS. Auch kann das V30 Slow-Motion-Videos mit 120 FPS nur in 720p-Auflösung aufnehmen, das iPhone schafft 240 FPS in Full HD (1080p). Da macht sich der in die Jahre gekommene Snapdragon 835 im V30 bemerkbar, der einfach nicht genug Leistung für diese rechenintensiven Videoaufnahmen bereitstellen kann.

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Auch bei der Frontkamera muss sich das V30 geschlagen geben, denn diese löst nur mit 5 MP auf – deutlich weniger als die 12 MP im iPhone 11. Außerdem verfügt das iPhone dank des FaceID-Moduls über eine Time-of-Flight-Kamera (TOF), die den Abstand zwischen Smartphone und Gesicht exakt messen kann und dadurch deutlich bessere Portraitfotos ermöglicht. Außerdem kann die Frontkamera im iPhone ebenfalls in 4K mit 60 FPS und HDR filmen, das V30 schafft maximal 1080p mit 30 FPS.

Obwohl das V30 auch zwei Jahre später immer noch sehr gut abschneidet, mit Ultraweitwinkelkamera, 4K und HDR, muss es sich dem iPhone geschlagen geben. Aufgrund der unerreichten Leistung des A13 Bionic hat das iPhone 11 einfach einen erheblichen Vorsprung, was die Berechnung von Bildmaterial angeht. Dieser Punkt geht also an das iPhone 11.

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iPhone 11: 1 | V30: 0

Das iPhone 11 kommt in mehr Farben, mit mehr Kameras und mehr Leistung

Bildschirm

Beim Bildschirm macht sich besonders bemerkbar, dass Apple nicht viel am Design der neuen iPhones geändert hat. Das iPhone 11 hat genau den gleichen, niedrig aufgelösten Bildschirm wie das iPhone XR von 2018. Mit 828 x 1792 Pixeln Auflösung und einer Pixeldichte von 326 PPI (Pixels Per Inch) auf dem 6,1 Zoll großen Panel gewinnt das iPhone keine Schärfe-Preise. Besonders unverständlich ist, dass Apple immer noch auf ein LCD-Panel setzt, anstatt auf Oled wie im iPhone 11 Pro. Immerhin ist die Farbwiedergabe und Helligkeit des Bildschirms Apple-typisch gut.

Das V30 hingegen kann beim Bildschirm wirklich brillieren. Die P-Oled-Matrix aus LGs eigener Herstellung bietet hervorragende Kontraste und ist bei der Anzeige von schwarzen Farbtönen besonders stromsparend. Der Bildschirm hat in der Breite eine fast doppelt so hohe Auflösung wie das iPhone 11 (1440 x 2880 Pixel) und kommt mit dem 6 Zoll großen Panel auf eine Pixeldichte von ganzen 537 PPI. Selbst das iPhone 11 Pro und die meisten Flaggschiff-Smartphones von 2019 sehen dagegen alt aus.

Was bietet das iPhone 11 also, was das zwei Jahre alte V30 nicht kann? Beide Bildschirme unterstützen Dolby Vision und HDR10 – Features, die LG 2017 als erster Smartphone-Hersteller auf den Markt brachte. Das iPhone 11 hat immerhin die TrueTone-Technologie, mit der die Farbgebung des Bildschirms automatisch auf das Umgebungslicht angepasst wird. Dafür hat das V30 ein Always-On-Display und zeigt daher Uhrzeit, Datum, Akkustand und Benachrichtigungen auch, wenn der Bildschirm aus ist. Das ist Möglich, weil der Oled-Bildschirm nur einzelne Pixel anschalten kann, während der Rest aus bleibt und keinen Strom verbraucht.

Obwohl der Bildschirm des iPhone 11 für ein LCD wirklich gut ist, an die brillante Farbdarstellung und sehr hohe Auflösung des V30 kommt er nicht heran. Hatte ich schon erwähnt, dass der Bildschirm im V30 81,2 Prozent der Gehäusefront einnimmt, während es beim iPhone nur 79 Prozent sind? Eindeutiger Sieg für das V30.

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iPhone 11: 1 | V30: 1

Sound

Für viele ist die Soundqualität immer noch ein wichtiger Verkaufspunkt bei einem Smartphone. Schließlich haben die tägliche Begleiter den MP3-Player fast gänzlich abgelöst. Insbesondere LG ist für seinen hochwertigen 32-Bit Quad-DAC (Digital-to-Analog Converter) bekannt, der mit den entsprechenden Kopfhörern exzellenten Klang erzeugt. Der Quad-DAC ist so leistungsfähig, dass er sogar extra aktiviert werden muss, weil er mehr Strom verbraucht als die standardmäßige Klangausgabe. Der DAC ist jedoch nur verfügbar, wenn die Kopfhörer über den 3,5-mm-Klinkenanschluss angeschlossen werden – ein Feature, das dem iPhone seit dem Siebener fehlt. Auch bei der Aufnahme ist die Soundqualität dank 24-Bit-Unterstützung sehr gut, besonders bei Videoaufnahmen macht das einen Unterschied.

Auch Apple ist für gute Klangqualität bekannt. Zwar fehlt dem iPhone 11 die 3,5 mm Klinke, dafür hat es andere Vorteile wie die Stereo-Lautsprecher, die nun sogar Dolby Atmos unterstützen und zu den besten in der Smartphone-Industrie gehören. In dieser Kategorie hat also keines der beiden Geräte einen überragenden Vorteil gegenüber dem anderen – klingt nach einem Gleichstand. Einen Punkt für beide.

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iPhone 11: 2 | V30: 2

Hard- und Software

Klar, in puncto Leistung ist der Zug für das V30 bereits abgefahren. Selbst wenn das iPhone 11 nicht zwei Jahre jünger wäre, Apples A-Chips dominieren seit Jahren die Smartphone-Industrie und das war auch schon 2017 mit dem iPhone X und dem A11 Bionic der Fall. Das heißt nicht, dass der Snapdragon 835 im V30 langsam wäre, ganz im Gegenteil. Auch heute noch ist der Chip sehr leistungsfähig und die integrierte Grafikeinheit Android 540 hat keine Probleme, auch neue Games ruckelfrei darzustellen.

Dank 4 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher hat das V30 auch keine Probleme beim Wechseln zwischen Apps und 64 oder 128 GB interner Speicher gehen auch 2019 noch in Ordnung. Vor allem, weil das iPhone 11 ebenfalls standardmäßig nur 4 GB RAM hat und entweder 64, 128 oder 256 GB Speicher. Das V30 muss sich also keinesfalls vor dem Neuankömmling verstecken.

Das V30 ist mit Android 7 Nougat gestartet und hat mittlerweile zwei große Updates auf Android 8 Oreo und Android 9 Pie erhalten. Android 10 wird es aller Voraussicht jedoch nicht mehr bekommen, zukunftssicher ist es also nicht mehr. Auf dem iPhone 11 läuft hingegen direkt ab Start iOS 13, Apples neues Betriebssystems. Führt Apple seine Update-Politik so weiter wie bisher, kann das iPhone 11 vier bis fünf große Updates sehen, da kommt kein Android-Smartphone ran.

Auch wenn das V30 sowohl bei Hardware als auch Software nicht mehr ganz vorne mitspielen kann, ist es auch zwei Jahre nach Veröffentlichung noch ein potentes Smartphone. Auf dem Papier hat es relativ ähnliche Eigenschaften wie das iPhone 11, allerdings profitiert das iPhone von Apples Software-Hardware-Integration, wodurch auch aus mittelmäßigen Spezifikationen ein schnelles Smartphone wird. Der Punkt geht in dieser Kategorie daher ganz klar an das iPhone 11.

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iPhone 11: 3 | V30: 2

Apples neues iPad will Billig-Laptops den Rang ablaufen

Akku

Viele Jahre lang hatte Apple vor allem in den kleineren iPhones Probleme mit der Akkulaufzeit. Oft konnten die Geräte nicht mal einen Tag ohne Laden überstehen. Das hat sich zum Glück mit dem iPhone XR von vergangenem Jahr geändert. Nun verspricht Apple mit dem iPhone 11 eine noch längere Laufzeit, die vor allem durch den effizienteren A13 Bionic erreicht werden soll. Stimmen die Angaben von Gsmarena.com ist die Kapazität von 2942 Milliamperestunden (mAh) auf 3110 mAh angewachsen. Die Schnellladefunktion wurde zudem von 15 auf 18 Watt aufgestockt und endlich, endlich, legt Apple ein passendes 18-Watt-Ladegerät bei. Damit kann der Akku in knapp 30 Minuten auf 50 Prozent geladen werden. Kabelloses Laden ist ebenfalls wieder mit an Bord.

Alles, was das iPhone nun endlich kann, kann das V30 schon seit zwei Jahren. Kabelloses Laden? Mit dabei. In 36 Minuten auf 50 Prozent laden? Kein Problem. Ein 18-Watt-Ladegerät in der Box? Standard. Zwar lädt das V30 etwas länger als das iPhone, das liegt aber nur daran, dass der Akku mit 3300 mAh noch ein ganzes Stück größer ist. 2017 war das V30 eines der Smartphones mit der besten Akkulaufzeit und auch zwei Jahre später kann ihm das iPhone 11 nichts in dieser Kategorie vormachen. Der Punkt geht an das V30.

Endstand

iPhone 11: 3 | V30: 3

Apple hat noch einiges zu tun

Ein Gleichstand zwischen dem brandneuen iPhone 11 und dem zwei Jahre alten LG V30, wer hätte das gedacht? An unserem – zugegeben – etwas überspitztem Vergleich kann man gut erkennen, dass Apple in den letzten Jahren etwas ins Hintertreffen geraten ist, was Smartphone-Innovation anbelangt. Von Jahr zu Jahr wird nur hier und da ein wenig an den Stellschrauben gedreht, große Neuerungen bleiben aus. Android hingegen hat einen rasanten Anstieg in der Entwicklung neuer Features erfahren – nicht zuletzt auch dem Drängen großer chinesischer Hersteller auf den internationalen Markt geschuldet.

Vor allem im Foto- und Videobereich und bei der Maximierung der Bildschirmfläche hat sich viel getan und Android-Hersteller geben hier mittlerweile die Richtung an. Huawei mit seinen berühmten Dreifachkameras und Google selbst mit dem exzellenten Nacht-Modus für Fotoaufnahmen. All das gibt es schon seit bald zwei Jahren und die iPhones haben erst jetzt aufgeschlossen. Aber auch Dinge wie der Fingerabdrucksensor im Bildschirm oder kleine Aussparungen im Bildschirm für die Frontkamera sind Trends, die Apple komplett verschlafen hat und erst im nächsten Jahr adressieren kann.

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Apple muss sich also ranhalten, schließlich kann der Markenname allein nicht auf ewig als Verkaufsargument herhalten. Außerdem befeuert Konkurrenz die Innovation. Weder Android-Hersteller noch Apple dürfen sich auf ihren Lorbeeren ausruhen.