Bald bei Amazon Prime Video

Das steckt hinter dem Soundformat Dolby Atmos

Wer auch beim Klang anspruchsvoll ist, wird sich über die Unterstützung des Dolby Atmos Formats durch die Streaming-Dienste freuen
Foto: Getty Images

Für alle, die ihr Wohnzimmer gerne zum Kinosaal machen, hält Amazon Prime Video bald eine neue Funktion bereit: Der Streaming-Dienst wird ab August das Surround-Sound-System Dolby Atmos weltweit unterstützen. Doch was bedeutet das eigentlich und welche Hardware brauche ich dafür? TECHBOOK klärt auf.

Viele Hersteller von Soundbars werben derzeit mit Dolby Atmos und preisen es als „den absoluten Kinosound“ mit „echten 3D-Klang“. Wie funktioniert die neue Technik? Am einfachsten lässt sich Dolby Atmos anhand eines Beispiels erklären: In einem Film unterhalten sich zwei Protagonisten miteinander, während im Hintergrund noch zahlreiche andere Dinge geschehen, wie zum Beispiel ein Autounfall oder ein Telefonat. Während wir diese Ereignisse visuell großteilig auseinanderhalten können, verschmelzen die dazugehörigen Geräusche miteinander, weil sie alle die gleiche (Lautsprecher-)Quelle haben.

Dolby Atmos hingegen simuliert eine realitätsnahe Geräuschkulisse, indem der Klang objektbezogen wiedergegeben wird. Wenn also im Film etwas im Hintergrund passiert, wird dieses Geräusch auch aus dieser Position wiedergegeben. Der Ton kann sogar an die Decke des Raumes „geworfen“ werden – und vermittelt dem Zuschauer das Gefühl, der Hubschrauber würde direkt über seinen Kopf knattern. Mit Dolby Atmos wird der Ton wieder zum gestalterischen Element und trägt zu einer exakteren räumlichen Abbildung der Szenerie bei.

Mit mehreren Boxen und Soundbars soll der Zuschauer dank Dolby Atmos die verschiedensten Geräusche aus den unterschiedlichsten Raumwinkeln hören können
Foto: Samsung

Welche Lautsprecher brauche ich für Dolby Atmos?

Dolby Atmos bekommen Sie auf zwei Wegen ins Wohnzimmer: Mit einer Kombination aus mehreren Lautsprechern oder mit einer Soundbar. Die erste Variante ist teurer und aufwändiger, bietet aber deutlich mehr Klangerlebnis.

Zunächst benötigen sie einen kompatiblen AC-Receiver (gibt es ab 300 Euro aufwärts), zudem mehrere Lautsprecher. Haben Sie bereits ein Soundsystem zu Hause, etwa ein 5.1-System mit fünf Lautsprechern und einem Subwoofer, verteilt der Receiver den Klang automatisch. Um wirklich den kompletten Raum zu beschallen, benötigen Sie allerdings noch Deckenlautsprecher oder alternativ zwei Frontlautsprecher mit Dolby-Atmos-Funktion. Diese hängen nicht an der Decke, sondern sind normale Stand-Boxen, die auf der Oberseite weitere Lautsprecher haben. Diese werfen den Klang nach oben an die Decke, von dort aus wird er dann reflektiert wieder zum Zuschauer zurückgeworfen. Wer bereits Frontboxen hat, kann auch einen Aufsatz mit nach oben gerichteten Lautsprechern nachkaufen (ab 100 Euro aufwärts). So machen Sie aus einem 5.1-System ein sogenanntes 5.1.2-System (fünf Lautsprecher, ein Subwoofer, zwei Deckenlautsprecher). Natürlich können Sie auch größere Lautsprecher-Sets mit Dolby Atmos aufrüsten, etwa ein 7.1- oder ein 9.1-System.

Alternativ gibt es Soundbars, die Dolby Atmos integriert haben und deutlich günstiger sind (ab 400 Euro). Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Die Lautsprecher sind alle in einem schmalen Gehäuse verbaut, entsprechend kann der Sound nur bedingt räumlich wirken und erreicht nicht die Intensität von Boxen, die hinter, über und neben dem Zuschauer stehen. Teurere Modelle haben auch auf der Oberseite Lautsprecher verbaut, die an die Decke strahlen. Günstigere versuchen, den 3D-Klang virtuell zu erzeugen. Das klappt aber meist nicht so gut: Im TECHBOOK-Test der Soundbar Sony HT-XF9000 (etwa 450 Euro) enttäuschte das virtuelle Dolby Atmos. Zwar bekam der Klang durch einen künstlichen Hall-Effekt mehr Tiefe, gleichzeitig wurden aber die Stimmen undeutlicher und verschwanden ein wenig im Hintergrund. Dolby Atmos ist also nicht gleich Dolby Atmos, oft wird der Begriff für Marketingzwecke eingesetzt und sagt wenig über die tatsächliche Klangqualität aus.

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Welche Filme und Streaming-Dienste bieten Dolby Atmos an?

Es reicht nicht nur, die richtigen Lautsprecher für Dolby Atmos zu haben – das Videomaterial muss auch speziell auf Dolby Atmos zugeschnitten sein und den Standard unterstützen. Amazon hat angekündigt, dass das für den Streaming-Dienst Prime Video ab dem 31. August der Fall sein wird. Wie ein Amazon-Sprecher gegenüber TECHBOOK bestätigt, wird aber nicht das gesamte Programm Dolby Atmos unterstützten, sondern erst einmal nur das Prime-Original Tom Clancy’s Jack Ryan. Die Funktion ist kompatibel mit dem Amazon Fire TV und dem Amazon Fire TV Cube, den es in Deutschland aber noch nicht gibt.

Auch bei Netflix gibt es nur ausgewählte Programme im Ultra-HD-Abo (13,99 Euro im Monat), die Dolby Atmos unterstützen, etwa der Film Okja oder die Serie Altered Carbon. Auch diese kann man nur auf bestimmten Geräten mit dem Soundformat abspielen, etwa auf der Xbox One oder den OLED-TVs von LG.

Im TV gibt es noch gar keine Serien oder Filme mit Dolby Atmos, einige Blu-Rays unterstützen das Format aber. Achten Sie auf das Dolby-Atmos-Logo hinten auf der Rückseite der Verpackung.

Für wen lohnt sich Dolby Atmos?

In erster Linie für Klang-Enthusiasten, die wirklich viele Filme und Serien schauen und bereit sind, für guten Klang viel Geld auszugeben. Denn: Obwohl es zunehmend Soundsysteme und Soundbars mit Dolby Atmos gibt, ist die Anzahl der unterstützten Serien und Filme noch sehr übersichtlich. Bis sich der Standard auch im normalen TV – wenn überhaupt – durchgesetzt hat, wird noch eine ganze Zeit vergehen.

Wer trotzdem Geld in die Hand nehmen möchte und jetzt auf den Geschmack gekommen ist: Lassen Sie sich nicht vom Dolby-Atmos-Logo auf der Packung von Soundbars blenden, sondern informieren Sie sich mit unabhängigen Tests, ob hier wirklich ein räumliches Klangerlebnis geboten wird. Echtes Dolby Atmos gibt es nur mit einem Soundsystem, das aber meist teuer ist und Platz im Wohnzimmer braucht.