Auto-Schnittstellen

Apple CarPlay und Android Auto im großen Vergleich

Apple CarPlay im Auto
Apple bietet mit CarPlay eine sehr elegante und einfache Möglichkeit, sein iPhone mit dem Auto zu verbinden und seine Apps zu nutzen. Doch diese Schnittstelle muss auch der Autohersteller unterstützen
Foto: Getty Images

Die besten Multimedia-Lösungen fürs Auto heißen Apple CarPlay und Google Android Auto, denn damit kann man auf sein Smartphone zugreifen und viele praktische Apps mit gewohnter Bedienoberfläche nutzen. TECHBOOK erklärt, wie es funktioniert und was Sie dafür benötigen.

Das Auto zählt trotz vieler Innovationen immer noch zu der alten, weil etwas langsamer tickenden Technikwelt. Das Smartphone hingegen mit seinem permanenten Internetzugang und den kurzen Entwicklungszyklen ist Teil der digitalen Revolution. Doch die Smartphone-Giganten Apple und Google haben eine einfache und praktische Lösung entwickelt, um selbst alte Autos mit ihren Smartphone-Systemen zu verbinden und somit ins digitale Zeitalter zu befördern.

Anders als bei einer gewöhnlichen Bluetooth-Verbindung zwischen Auto und Smartphone kann man mit den neuen Schnittstellen nicht nur Anrufe tätigen und Musik hören, sondern auch auf einige der Smartphone-Apps zugreifen. So hat man theoretisch in jedem Auto seine gewohnte Smartphone-Benutzeroberfläche zur Verfügung. TECHBOOK erklärt, wie das genau funktioniert.

Apple CarPlay

Mit Apples CarPlay hat man die Möglichkeit, über sein iPhone auf Musik, Navigation, Nachrichten und E-Mails per Sprachbefehl oder über Bedienknöpfe im Auto sowie die Toucheingabe am eingebauten Bildschirm zuzugreifen. Es gibt laut Apple derzeit über 300 Automodelle, die CarPlay unterstützen, darunter Autos von Audi, BMW und Renault. Die komplette Liste finden Sie hier. Außerdem finden Sie ein Video mit einem Kurzüberblick unserer Reporter hier:

Wie verbinde ich mich mit CarPlay?

Dazu benötig man mindestens ein iPhone 5, auf dem eine der letzten iOS-Versionen installiert ist. Zudem muss das Fahrzeug CarPlay kompatibel sein und ein Display eingebaut haben, das die Apps vom iPhone darstellen kann. Nun braucht man nur noch ein USB-Kabel mit Lightning-Anschluss, um eine Verbindung zum Auto herzustellen. Praktischerweise wird das iPhone dabei gleichzeitig aufgeladen.

Relativ neu und leider noch wenig verbreitet ist Wireless CarPlay. Dabei verbindet sich das iPhone per WLAN und Bluetooth mit dem Fahrzeug. Das ist zwar komfortabel ohne ein störendes Kabel, allerdings wird so der Akku leergesaugt. Diese Verbindungsart macht nur dann Sinn, wenn man ein iPhone 8 oder iPhone X besitzt, die kabelloses Aufladen unterstützen und auch das Auto diese Option bietet. Bislang unterstützt BMW in einigen Modellen Wireless CarPlay, doch auch Audi und Mercedes haben angekündigt, etwa in der neuen A-Klasse diese Funktion einzubauen.

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Wie teuer ist CarPlay?

CarPlay-Unterstützung kostet bei vielen Autoherstellern einen Aufpreis von mehreren Hundert Euro. Manche bieten CarPlay nur in Verbindung mit ihren eigenen Navigationssystemen an, was dann richtig teuer wird und leider auch unnötig ist. Denn hat man CarPlay, kann man auf Apple Maps zugreifen.

BMW hat ein fast schon unverschämtes Abo-Bezahlmodell eingeführt: So kostet die CarPlay-Nutzung für drei Jahre 300 Euro. Danach lässt sich das Abo für 110 Euro jährlich verlängern. Das hält BMW vermutlich bei seinen Premium-Kunden für zumutbar.

Welche Funktionen bietet CarPlay?

Obwohl CarPlay keinen Zugang zu allen Apps gewährt, so sind zumindest die wichtigsten dabei, die man während der Fahrt braucht: Musik-Apps wie beispielsweise Spotify, Apple Music und Amazon Music, Nachrichten-Apps wie iMessage und neuerdings auch WhatsApp sowie die Navigations-App Apple Maps. Auch Autohersteller bieten diverse Apps an, die auf dem System laufen.

Am bequemsten ist die Bedienung per Sprachbefehl. So kann man Nachrichten verfassen, sich vorlesen lassen, Zielorte eingeben, Musik abspielen lassen und Telefonanrufe bequem führen. Allerdings greift Sprachassistentin Siri nur auf den Musikdienst Apple Music zu. Alle Dienste lassen sich aber auch am Auto-Display steuern.

Die Bedienung und die Anzeigen sind minimalistisch und klar strukturiert, um beim Autofahren nicht abzulenken. So hat man auch den gewohnten iPhone-Look auf dem Auto-Display.

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Nachteile von CarPlay

Wie so oft bei Apple, ist auch CarPlay eine exklusive Plattform, die Apple sehr behutsam erweitert. Erst seit Anfang 2018 darf man beispielsweise auf WhatsApp zugreifen, die beliebte Google-Maps-Anwendung wird nicht unterstützt und stattdessen Apple Maps verwendet.

Sprachassistentin Siri ist zwar deutlich besser geworden, aber immer noch nicht auf dem Niveau vom Google Assistant. Zudem funktioniert CarPlay nur in Verbindung mit iPhones. Außerdem sollte man beachten, dass beim Musikstreaming und Navigieren das Datenvolumen des Mobilfunkvertrages genutzt wird. Je nach Nutzungsverhalten sollte man ausreichend Volumen zur Verfügung haben.

Google Android Auto

Auch Google bietet mit Android Auto eine Schnittstelle für Smartphones, um seine Apps bequem während der Fahrt nutzen zu können – wie hier in einer Mercedes C-Klasse
Foto: Mercedes

Google Android Auto

Wer ein Android-Smartphone hat, der sollte beim Fahrzeugkauf auf die Unterstützung von Android Auto achten. Denn dabei handelt es sich um Googles Gegenstück zu Apples CarPlay.

Prinzipiell arbeitet es sehr ähnlich wie die Schnittstelle von Apple. Laut Google gibt es mittlerweile sogar über 400 Automodelle, die das System unterstützten, eine komplette Liste gibt es hier. Allerdings verweigern sich einige Premium-Hersteller wie BMW und Porsche der Integration von Android Auto.

Wie verbinde ich mich mit Android Auto?

Hierzu benötigt man mindestens ein Smartphone mit dem Android-Betriebssystem 5.0 Lollipop. Für eine optimale Leistung empfiehlt Google aber die Version 6.0 Marshmallow oder höher. Die Verbindung zum Auto wird auch hier per USB-Kabel hergestellt.

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Google bietet die Möglichkeit einer kabellosen Verbindung, wenn das Multimedia-System im Fahrzeug Android Auto Wireless unterstützt. Das funktioniert laut Google aber nur mit den eigenen Smartphones Pixel/Pixel XL, Pixel 2/Pixel 2 XL und dem Nexus 5X oder 6P, die das Betriebssystem Android 8.0 Oreo nutzen.

Gegenüber CarPlay bietet Android Auto einen großen Vorteil: Man kann das System auch nutzen, wenn das Auto es nicht unterstützt. So braucht man nur eine passende Smartphone-Halterung und kann sein Gerät als Display-Ersatz mit all den Funktionen von Android Auto nutzen. Doch auch hier wird der Akku schnell leergesaugt, wenn man keine Auflademöglichkeit im Innenraum hat.

Wie teuer ist Android Auto?

Hier verlangen die meisten Hersteller ebenfalls einen Aufpreis und bieten Android Auto parallel zu Apple CarPlay an. Insofern handelt sich auch hier oftmals um einen Zuschlag von ein paar Hundert Euro, der auch mal über 1000 Euro betragen kann, wenn die Schnittstelle nur in Verbindung mit einem hochwertigen Multimedia-System angeboten wird.

Welche Funktionen bietet Android Auto?

Auch Android Auto bietet nur einen begrenzten Zugang zu den Apps auf dem Smartphone, was im Sinne der Sicherheit ist. So stehen hauptsächlich Musik-Apps, Messenger-Apps und Google Maps im Vordergrund. Dennoch ist die Auswahl etwas größer als bei Apple, da Google grundsätzlich offener gegenüber Drittanbieter-Lösungen ist.

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Der Vorteil gegenüber Apple ist die Integration von Google Maps zum Navigieren sowie des Google Assistant, der bei der Spracheingabe noch etwas zuverlässiger arbeitet als Siri von Apple. Nachrichten können ebenfalls per Spracheingabe verschickt oder vorgelesen werden.

Nachteile von Android Auto

Obwohl die Android-Auto-Plattform etwas umfangreicher ist als CarPlay, bietet sie dennoch nur ein begrenztes App-Angebot. Doch das ist nicht weiter schlimm, denn letztendlich sollen beide Systeme sowohl von Apple als auch von Google die Sicherheit erhöhen und nicht zu sehr vom Autofahren ablenken.

Ein großes Minus für eingefleischte Android-Fans ist, dass einige Hersteller diese Schnittstelle nicht unterstützen und stattdessen nur auf CarPlay setzen.

Auch ist die Zuverlässigkeit des Systems nicht so hoch wie bei CarPlay. Das liegt am unübersichtlichen Smartphone-Markt mit unzähligen Geräten und Android-Versionen. Wer ein besonders neues und leistungsfähiges Smartphone mit dem aktuellsten Android-Betriebssystem nutzt, der wird das beste Nutzungserlebnis bekommen.

Und auch hier gilt es, das Datenvolumen im Auge zu behalten, denn die Internetdienste nutzen den Mobilfunkvertrag des Smartphones.

Fazit: Apple CarPlay und Android Auto

Beide Systeme bieten ähnliche Funktionen, der teils dreiste Aufpreis der Autobauer rechtfertigt die zwar nützlichen aber nicht zwingend notwendigen Apps aber nicht – schon gar nicht, wenn ein Navigationsgerät bereits im Auto eingebaut ist. Pluspunkt für Android: Man kann den Dienst auch ohne Auto-Integration am Smartphone nutzen. Außerdem ist die Auswahl an Apps etwas größer und mehr Automodelle unterstützen es. Schauen Sie hier aber vorher gut nach, ob Ihr Smartphone Android Auto überhaupt unterstützt.

CarPlay und Android Auto zum Nachrüsten

Mittlerweile gibt es auf dem Zuberhörmarkt diverse Geräte, die CarPlay und Android Auto integriert haben. So muss man sich nicht gleich einen Neuwagen zulegen, sondern kann auch sein altes Fahrzeug auf den neuesten Multimedia-Stand bringen und so mit dem Smartphone verbinden.

Es gibt diverse Systeme von Alpine, JVC, Kenwood, Pioneer und Sony, die man optimal in das standardisierte Auto-Radio-Fach in der Mittelkonsole einbauen kann. Dabei gibt es die Größen 1-DIN (klein) und 2-DIN (doppeltes Format). Die Preisspanne geht bei ein paar Hundert Euro hoch und reicht bis weit über 1000 Euro. Dafür hat man die frei Auswahl und ist nicht an die Geräte des Fahrzeugherstellers gebunden.