LTE-Tarife im weltweiten Vergleich

Franzosen surfen 8 Mal billiger als wir!

Warum bekommen wir weniger Datenvolumen als unsere europäischen Nachbarn? TECHBOOK hat nachgehakt.
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Eine Studie vergleicht jährlich die Kosten von LTE-Tarifen auf der ganzen Welt. Deutschland schneidet wieder einmal eher schwach ab. TECHBOOK hat mit Experten gesprochen und klärt, warum das so ist.

Vor einigen Wochen überraschte eine neue Studie des finnischen Beratungsunternehmens Rewheel über Datenvolumen im internationalen Vergleich. Das Ergebnis: In Deutschland gibt es wenig Internet für verhältnismäßig viel Geld.

Die Statistik zeigt, wie viel Gigabyte LTE-Datenvolumen es für einen Vertragspreis von 30 Euro im Monat gibt. Während Deutschland mit 15 Gigabyte auf den hinteren Plätzen landet, bekommt man in Frankreich für den gleichen Preis rund 120 Gigabyte, in Finnland sogar unbegrenztes Datenvolumen. Dabei sind schon 15 Gigabyte pro 30 Euro hierzulande ein Schnäppchentarif von Mobilcom Debitel, der nur für mobile Daten gilt. Wer etwa bei Vodafone den Tarif „Data GoXL“ mit  20 Gigabyte abschließt, muss schon 40 Euro für das Datenvolumen bezahlen. In Kombination mit Telefon-Flat und SMS-Flat wird es bei allen Anbieter sogar noch teurer.

Doch woher kommen diese großen Unterschiede im internationalen Vergleich? Hinkt Deutschland einfach nur hinterher oder gibt es andere Gründe für die Kluft?

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Studie bildet nur einen Teil des Marktes ab

Tatsächlich zeigt die Studie nur Verträge mit Telefon- und SMS-Flatrates, die aber nicht die große Bandbreite an Tarifmodellen in Deutschland abbildet. Anbieter wie O2 haben Datentarife mit bis zu 20 Gigabyte Datenvolumen – dann aber ohne Telefon- und SMS-Funktion. Im Schnitt zahlen Sie dafür zwischen 25 und 30 Euro im Monat. Wer nur surfen will, bekommt so für wenig Geld recht viel Datenvolumen.

Die Telekom bietet zudem den Dienst „Stream On“ an, bei dem ausgewählte Musik- und Videodienste nicht auf das Datenvolumen angerechnet werden. Den Bonus gibt es bei bestimmten Tarifen der Anbieter obendrauf, sie fangen meist bei rund 30 Euro an. Vodafone hat mit dem „Gigacube“ sogar eine Lösung mit 50 Gigabyte im LTE-Datenvolumen im Angebot, im Paket mit einem mobilen LTE-Router und ohne SMS- und Telefon-Flat für ebenfalls knapp 35 Euro im Monat.

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Warum bekommen wir in Deutschland so wenig Datenvolumen für unser Geld?

Thorsten Neuhetzki von „Inside Handy“ sieht die Schuld bei den teuren Lizenzen: „Das Problem in Deutschland ist, dass bei uns die Lizenzen für die Mobilfunker für Milliarden Euro versteigert werden. Das Geld zahlt am Ende der Kunde. In anderen Ländern gibt es diese Lizenzen kostenlos.“

Tatsächlich versteigern Bund und Länder hierzulande alle paar Jahre die Frequenzen für den Mobilfunk, zuletzt im Jahr 2015 für den Zeitraum von 2017 bis 2033. Mit den Einnahmen soll der Breitbandausbau im Land weiter gefördert werden. Die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica (O2, E-Plus) zahlten 2015 zusammen 5,1 Milliarden Euro für die Lizenzen.

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Auch der Vergleich mit Ländern wie Finnland, die relativ günstig unbegrenztes Datenvolumen bieten, scheint nicht so leicht, wie in der Statistik dargestellt: „Finnland hat etwas mehr als 5 Millionen Einwohner auf großer Fläche. Dort reicht es aus, in weitgehend unbewohnten Gebieten einen Sender aufzubauen, der 10-20 Kilometer abdeckt. Wenn dort nur wenig Leute leben, reicht die Kapazität aus. In Deutschland müssen die Anbieter deutlich mehr Masten errichten, um für ausreichend Kapazität zu sorgen. Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass es in Finnland auch deutlich weniger zahlende Kunden gibt“, so Neuhetzki.

Das bestätigt auch Dirk Wende von der Telekom gegenüber TECHBOOK: „Unterschiedliche wirtschaftliche und geographische Rahmenbedingungen führen zu unterschiedlichen Tarif- und Preisgestaltungen in den Ländern der europäischen Union. Dazu gehören etwa die Höhe der Kosten für die Ersteigerung von Mobilfunkfrequenzen – die höchsten europaweit – sowie Investitionskosten für den Auf- und Ausbau des Mobilfunknetzes.“

Letztendlich lassen sich die Länder und die Kosten für Datenvolumen also nur schwer in eine Topf werfen und ohne weiteres Hintergrundwissen vergleichen. Sollten Sie künftig also eine solche Statistik lesen: Hinterfragen Sie die Zahlen und prüfen noch einmal genau, welche Angaben mit in die Auswertung geflossen sind.

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