Smartphone statt Bargeld

Der große Vergleich: Apple Pay versus Google Pay

Hand hält Handy auf dem Apple Pay zu sehen ist
Mit dem Handy können Nutzer via Apple Pay oder Google Pay nun auch in Deutschland ganz einfach zahlen
Foto: Getty Images

Mit Apple Pay und Google Pay sind nun die beiden weltweit führenden Smartphone-Bezahlsysteme auch in Deutschland verfügbar. Aber bislang nutzt nur eine verschwindend kleine Minderheit das Handy oder eine Smartwatch zum Bezahlen. Das könnte sich bald ändern. Nutzer sollten die Unterschiede der beiden Bezahlsysteme beachten.

Ginge es nach den Wünschen von Apple-Pay-Chefin Jennifer Bailey bräuchten die Menschen hierzulande beim Bezahlen immer seltener das Portemonnaie zücken. Zum Schlussspurt im Weihnachtsgeschäft hat der iPhone-Konzern auch in Deutschland sein Smartphone-Bezahlsystem eingeführt. Apple-Konkurrent Google ist bereits seit dem Sommer mit seinem System Google Pay im Markt.

Welche Kreditkarte ist erforderlich?

In der Praxis unterscheiden sich die beiden System nur in Details. Sowohl auf einem Android-Smartphone als auch auf dem iPhone ist eine Kredit- oder Debitkarte in wenigen Minuten hinzugefügt – vorausgesetzt, dass die jeweilige Karte auch unterstützt wird. Apple geht mit der Unterstützung der Deutschen Bank, der HypoVereinsbank, N26, Comdirect, American Express und sieben weiteren Banken und Finanzdienstleistern an den Start.

Bei Google sieht die Liste ähnlich aus, nur dass dort statt der Deutschen Bank die Commerzbank mit an Bord ist. Über PayPal können aber auch andere Girokonten mit dem Bezahlsystem verbunden werden. Bei Apple und Google kann man mit Hilfe der Guthabenkarte von VIM das Smartphone zum Bezahlen einsetzen.

Das Aufrüsten des Smartphones zur virtuellen Geldbörse ist leicht. Doch wo kann man sie überhaupt einsetzen? Während es in Schweden oder China gang und gäbe ist, bargeldlos zu zahlen, wird Bargeld in Deutschland beinahe überall akzeptiert. Cafés wie das „Public Coffee Roasters“ in Hamburg, die nur noch Kartenzahlungen akzeptieren, sind hierzulande die absolute Ausnahme.

Wie viele bargeldlose Bezahlterminals gibt es in Deutschland?

Den Smartphone-Bezahlsystemen kommt zugute, dass die Europäische Union bereits vor drei Jahren die Gebühren für Debit- und Kreditkarten entschieden gedeckelt hat. Danach führten auch Discounter wie Aldi, Lidl und Netto Kassenterminals ein, die nicht nur Kreditkarten akzeptieren, sondern auch kontaktloses Bezahlen mit Hilfe der Funktechnik NFC ermöglichen. Quasi alle NFC-Terminals – über 820.000 in Deutschland, können damit auch Zahlungen über Smartphones entgegennehmen. Manchmal tauchen hierbei noch Fehlermeldungen auf, die durch Updates in den kommenden Wochen verschwinden sollen.

An der Kasse erntet man derzeit manchmal noch kritische Blicke, wenn man statt der gewohnten Plastikkarte das Smartphone oder gar die Smartwatch an das Terminal hält. Dabei ist insbesondere die Apple Watch besonders praktisch. Die muss man nur morgens einmal entsperren, danach kann man sie ohne weitere Legitimationsnachweise zum Zahlen verwenden. An der Kasse tippt man doppelt auf den Knopf an der Seite der Apple Watch, danach ist sie eine Minute lang für den Bezahlvorgang aktiviert. Auf dem iPhone muss man dagegen jede Zahlung mit dem Fingerabdruck (TouchID), der Gesichtserkennung (FaceID) oder der iPhone-PIN bestätigen. Ähnlich bequem funktioniert das auch bei Android-Smartwatches von Fossil, Diesel, Armani, Michael Kors, Skagen und einigen anderen Marken.

Diese Banken, Shops und Geräte unterstützen Apple Pay

Wie sicher ist das Zahlen mit dem Smartphone?

Die Blicke der Kassierer hellen sich auch schnell wieder auf, wenn sie sehen, wie flott man mit dem Smartphone oder der Smartwatch den fälligen Betrag beglichen hat. Das ist deutlich schneller als das Geld aus dem Portmonnaie zu kramen.

Google Pay setzt dabei die Bedienungshürde noch etwas niedriger als Apple an. Auf einem Android-Smartphone mit NFC-Chip werden Beträge bis 25 Euro in der Regel ohne zusätzliche Erkennungsmethode freigegeben, so wie bei einer kontaktlosen Kredit- oder Debitkarte. Bei höheren Beträgen werden aber auch auf den Android-Phones Fingerabdruck, PIN oder die Gesichtserkennung fällig.

Bei der Sicherheit müssen sich Apple Pay und Google Pay nicht hinter anderen Bezahlverfahren verstecken. Bei beiden System werden nicht die eigentlichen Kreditkartendaten gespeichert und an den Händler übertragen, sondern nur eine Token genannte virtuelle Kreditkartennummer. Damit können die Daten auch nicht ausgespäht und für Betrugsversuche missbraucht werden.

Sollte das Smartphone gestohlen werden, löscht die Bank nur das virtuelle Gegenstück der Karte und muss nicht die eigentliche Kreditkarte sperren. Und auch der Vergleich zum Bargeld fällt hier zugunsten der Smartphones aus. Wird eine Geldbörse gestohlen, sieht man in der Regel sein Geld nie wieder.

Ist die Privatsphäre geschützt?

In Bezug auf die Privatsphäre ist Bargeld immer noch unschlagbar. Es hinterlässt beim Bezahlen keine Spuren. Lediglich auf dem Kontoauszug sieht man, wo Geldscheine abgehoben wurden. Beim Bezahlen mit dem Smartphone wird die Anonymität immerhin gegenüber dem Händler gewahrt. Er erfährt nur, dass der Betrag freigegeben wurde und ist nicht in der Lage, die Daten für eine Profilbildung auszuwerten. Voll im Bild ist dagegen die Kreditkartengesellschaft oder die jeweilige Bank.

Apple betont, dass sie gar keine Details sehen, sondern lediglich den Datenstrom verschlüsselt durchleiten. „Wenn du mit einer Bankkarte bezahlst, speichert Apple Pay keine Daten zu deiner Transaktion, die auf dich zurückzuführen sind“, heißt es im Supportdokument. Google weist seine Kunden dagegen darauf hin, dass bei jeder Transaktion über Google Pay etliche Daten erfasst werden können. Wer sich daran stört, sollte Google Pay besser nicht einsetzen.

Wie sieht es mit den Kosten aus?

Für die Verbraucher ist die Nutzung von Apple Pay oder Google Pay kostenlos. Und auch bei den Händlern fallen keine Zusatzkosten an. Der iPhone-Hersteller verlangt jedoch von den Banken Geld. Wie viel Apple kassiert, ist ein Branchengeheimnis. Für die USA gehen Experten von 0,15 Prozent der Transaktionssumme aus, in Europa dürfte der Wert niedriger sein, weil der zu verteilende Gebührenkuchen insgesamt deutlich kleiner ausfällt.