Vorsicht!

Aldi verkauft Senioren-Handy mit alarmierend hohem Strahlenwert

klapphandy für Senioren Doro
Vor allem Klapphandys sind bei Senioren beliebt
Foto: dpa/picture alliance

Der Discounter Aldi hat das Handy Doro 6520 im Sortiment. Neben einer einfachen Bedienung und lautem Klang hat es aber auch einen hohen SAR-Wert.

UPDATE vom 24.09.2019

„Der Geist bleibt jung, auch wenn der Körper altert“ – mit diesem Slogan wirbt der Hersteller von Seniorenhandys Doro auf seiner Internetseite. Handys mit großem Display, einfacher Bedienung, guter Übersichtlichkeit, extra lautem Klang und einer Notruftaste sind bei Senioren beliebt. Deshalb bieten auch immer mehr Discounter solche Handys in ihrem Sortiment an. Aktuell ist etwa das Doro 6520 bei ALDI erhältlich.

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Doro 6520 hat zweithöchsten SAR-Wert

TECHBOOK hat sich das Handy einmal genauer angeschaut und unerfreuliches herausgefunden: Die Internetseite des Bundesamtes für Stahlenschutz (BfS) weißt dem bei ALDI erhältlichen Doro 6520 den zweithöchsten SAR-Wert (am Körper) zu. Das BfS zeigt die Werte für mehr als 3000 Handys und Smartphones an. Das  Telefon hat einen Strahlenwert von 1,98, nur ein anderes Handy hat einen höheren SAR-Wert, Blackberry DTEK60.

Was sagen die SAR-Werte aus?

„Beim Mobilfunk werden hochfrequente elektromagnetische Felder genutzt, um Sprache oder Daten zu übertragen. Wenn man mit dem Handy telefoniert, wird ein Teil der Energie dieser Felder im Kopf aufgenommen. Führt man das Handy zum Beispiel in der Hosen- oder Hemdtasche bei sich und benutzt zum Telefonieren ein Headset, so wird die Energie von dem Körperteil aufgenommen, in dessen Nähe sich das Handy befindet“, heißt es beim Bundesamt für Strahlenschutz.

Das Maß für die Aufnahme der Energie ist die Spezifische Absorptionsrate, also SAR. Bei Handys soll der SAR-Wert zwei Watt pro Kilogrammm nicht überschreiten. Auf diese Weise sollen gesundheitliche Risiken ausgeschlossen werden. Eine internationale Kommission, die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP) hat diesen Grenzwert festgelegt. Die Hersteller geben an, dass alle Handys im Handel diesen Grenzwert von zwei Watt pro Kilogramm nicht überschreiten.

Die Gefahren der Strahlen

Dennoch gilt die Strahlung, die vom Mobilfunk verursacht wird, als gesundheitsgefährdend. Deshalb werden Handys mit einem besonders hohen SAR-Wert durchaus kritisch bewertet. Das Handy Doro 6520 hält zwar mit einem SAR-Wert von 1,98 am Körper den Grenzwert von zwei Watt pro Kilogramm ein, ist aber sehr nah dran am festgelegten Höchstwert.

Als „möglicherweise krebsverursachend“ hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2011 Mobilfunkstrahlung eingestuft. „Unsere Schlussfolgerung bedeutet, dass es ein Risiko geben könnte und deswegen müssen wir die Verbindung von Mobiltelefonen und Krebsrisiko genau beobachten“, sagte der Leiter der Arbeitsgruppe damals.

„Nach derzeitigem wissenschaftliche Kenntnisstand schützen die geltenden Grenzwerte vor nachgewiesenen Gesundheitsrisiken“, sagt Anja Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz zu TECHBOOK. Solche Grenzwerte würden existieren, weil hochfrequente elektromagnetische Felder das menschliche Gewebe erwärmen können. Das ist der Grund, warum die Grenzwerte so ausgelegt seien, dass die Erwärmung auf ein unschädliches Maß begrenzt bleibe. „Das BfS empfiehlt zusätzlich, auch unterhalb der Grenzwerte unnötige Belastungen mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern zu vermeiden“, erklärt Lutz.

Wulf-Dietrich Rose beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Elektrosmog und gründete 1990 die Internationale Gesellschaft für Elektrosmog-Forschung (IGEF). Er sagt gegenüber TECHBOOK: „Die Strahlung durch Mikrowellen kann tödlich sein.“ Bei Mikrowellen handelt es sich um hochfrequente, nicht-ionisierende Strahlung, die umgangssprachlich auch „Handystrahlung“ genannt wird.

Ist Handystrahlung wirklich gesundheitsschädlich?

Bisher hat ALDI eine Nachfrage von TECHBOOK zu dem Sachverhalt unbeantwortet gelassen. Der Hersteller Doro nimmt wie folgt Stellung:

„Wir nehmen SAR-Werte sehr ernst und führen Tests an allen unseren Endprodukten bereits während der Produktionsphase durch. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat in der online verfügbaren SAR-Werte-Liste leider nicht den richtigen Messwert für das Doro 6520 veröffentlicht. Wir stehen diesbezüglich bereits mit dem Bundesamt in Kontakt, das den korrigierten Messwert noch heute auf ihrer Webseite aktualisieren wird. Der richtige SAR-Wert am Körper lautet 1,79.“

Ein SAR-Wert von 1,79 am Körper ist immer noch ein hoher Wert. Das Doro 6520 wäre damit von mehr als 3000 untersuchten Handys immer noch in der Top 30, der Handys mit den höchsten SAR-Werten.

So minimieren Sie die Strahlenbelastung

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt einige grundlegende Schutzmaßnahmen, um sich vor Handystrahlung zu schützen:

  • Empfang im Auge behalten: Handys passen ihre Sendeleistung den Gegebenheiten vor Ort an. Je schwächer das Mobilfunknetz, desto stärker müssen die Geräte funken. Wer sich schützen möchte, meidet also Telefonate bei schlechtem Empfang, wie er im Zug, in Autos ohne Außenantenne oder in mangelhaft versorgten Gebieten auftritt.
  • Handy weg vom Ohr: Die Intensität elektromagnetischer Felder sinkt mit der Entfernung schnell. Bereits wenige Zentimeter machen den Experten zufolge einen riesigen Unterschied. Daher ist das Telefonieren mit einem Headset empfehlenswert – vor allem für diejenigen Nutzer, die häufig längere Telefonate führen. Eine Alternative zum Headset ist das Freisprechen.
  • SAR-Wert vor Handykauf prüfenSAR steht für Spezifische Absorptionsrate und bezeichnet die Menge an Energie, die durch das sendende Handy vom naheliegenden Körpergewebe aufgenommen wird. Der gültige SAR-Höchstwert liegt bei zwei Watt pro Kilogramm. Für jedes Handymodell ermitteln die Hersteller den SAR-Wert mit einem standardisierten Test. Eine Liste mit den Testwerten veröffentlicht das BfS fortlaufend im Netz. Allerdings kritisieren die Warentester, dass der SAR-Wert bei maximaler Sendeleistung ermittelt wird – eine Leistung, die Handys in der Praxis kaum je erreichten. Daher sage der SAR-Wert über die tatsächliche Strahlenbelastung im Alltag wenig aus.

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