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Recherchen werfen Fragen auf

Skandal um Meta-Brille! Mitarbeiter sichten intime Clips

Meta Ray-Ban auf einem Verkaufsregal
Die smarten Brillen von Ray-Ban und Meta wirken wie normale Sonnenbrillen Foto: Getty Images
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Mats Pache

6. März 2026, 15:45 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Meta lässt nach Recherchen schwedischer Medien Bild- und Videomaterial aus den Ray‑Ban‑Meta‑Brillen nicht ausschließlich automatisiert analysieren. Eine gemeinsame Untersuchung der Zeitungen „Göteborgs Posten“ und „Svenska Dagbladet“ weist darauf hin, dass Inhalte auch manuell durch Mitarbeiter externer Datenannotationsfirmen geprüft werden.

Die Auswertung erfolgt demnach unter anderem bei der Firma Sama in Nairobi, der Hauptstadt Kenias. Gespräche mit Angestellten verdeutlichen, wie umfangreich das Material ist und welche Einblicke es in das Privatleben der Nutzer ermöglicht. Mehrere Mitarbeiter berichten, dass die Aufnahmen häufig intime Details des Alltags umfassen. Dazu zählen Situationen in Badezimmern, versehentlich gefilmte nackte Personen oder sexuelle Handlungen. Zudem sollen sicherheitsrelevante Inhalte wie die Eingabe von PIN‑Nummern an Geldautomaten oder Bankinformationen sichtbar sein, heißt es in dem Bericht. Die nach Angaben der Firma vorgesehene Anonymisierung funktioniere in vielen Fällen nicht zuverlässig, wodurch Gesichter klar erkennbar blieben.

KI setzt auf Menschen für Schulung

Die manuelle Auswertung begründet sich laut Experten damit, dass Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI) weiterhin auf menschliche Unterstützung angewiesen sind. Um Algorithmen für Bilderkennung zu trainieren, müssen Menschen festhalten, welche Objekte oder Handlungen auf den Aufnahmen zu sehen sind. Dies erfolgt durch die Mitarbeiter der Annotationsfirmen, die Inhalte markieren und mit weiteren Informationen versehen. Für die Verbesserung von KI‑Systemen ist dieser Schritt unverzichtbar. Durch die sensible Natur vieler Ray‑Ban‑Aufnahmen erhält die Tätigkeit jedoch eine besondere Tragweite, da sowohl die Rechte der Nutzer als auch die der Menschen in deren Umgebung berührt werden.

Hinzu kommt, dass die Arbeitsbedingungen bei Sama laut Aussagen der Befragten belastend sind. Die Mitarbeiter schildern psychische Belastungen durch das häufig sehr private Material sowie Existenzängste, da Verstöße gegen umfassende Geheimhaltungsvereinbarungen den Verlust der Anstellung bedeuten können. Viele Beschäftigte fürchten laut Bericht, bei einem Jobverlust ohne Einkommen in die Slums von Nairobi zurückzufallen.

Unbewusste Datenspende

Die Inhalte werfen auch Fragen dazu auf, wie bewusst die Käufer der Meta-KI-Brillen ihre Daten mit Meta teilen. Angestellte der Datenfirmen wundern sich über die ungefilterten Einblicke, die häufig den Eindruck zufälliger Aufnahmen erwecken. Ein Beispiel ist ein Clip, bei dem ein Nutzer offenbar unbeabsichtigt seinen nackten Partner im Badezimmer gefilmt hat. Andere verwenden die Brillen für private Momente, möglicherweise in der Annahme, die Dateien verblieben ausschließlich auf dem eigenen Gerät.

Um einschätzen zu können, wie gut Kunden über die Datenverarbeitung informiert werden, haben die schwedischen Journalisten Testkäufe bei Optikerketten und unabhängigen Händlern durchgeführt. Dabei erhielten sie widersprüchliche Auskünfte. Einige Verkäufer behaupteten, sämtliche Daten würden lokal gespeichert. Andere äußerten Zweifel daran, dass die Funktionen der Meta‑KI ohne Internetverbindung arbeiteten. Tests mit aktuellen Modellen zeigten jedoch, dass die KI zwingend eine Verbindung zu den Servern von Meta benötigt. Die App allein reicht nicht aus.

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Details in den AGB

In den allgemeinen Geschäftsbedingungen finden sich Hinweise darauf, dass Nutzer sowohl der automatisierten als auch der manuellen Auswertung durch externe Dienstleister zustimmen müssen. Gleichzeitig werden sie darauf hingewiesen, keine sensiblen Informationen zu teilen, die nicht gespeichert werden sollen. Wie lange Daten gespeichert werden und mit wem Meta sie teilt, geht aus den AGB nicht hervor. Eine Ablehnung ist nicht vorgesehen.

Datenschutzexperten kritisieren eine unzureichende Transparenz. Verbraucher wüssten nicht ausreichend, wann die Kamera aktiv sei und wie die Inhalte weiterverarbeitet würden. Auf Nachfrage der schwedischen Medien verweist Meta auf seine Nutzungs‑ und Datenschutzbestimmungen. Ein europäischer Manager betont, dass gemäß Datenschutz‑Grundverordnung (DSGVO) der Ort der Datenverarbeitung zweitrangig sei, solange ein gleichwertiges Datenschutzniveau gewährleistet werde. Meta Irland sei für die Verarbeitung verantwortlich. Für Kenia liegt jedoch noch keine EU‑Anerkennung eines angemessenen Datenschutzniveaus vor. Die schwedische Datenschutzbehörde hebt hervor, dass Meta bei Verarbeitung in Drittstaaten strengere vertragliche und technische Maßnahmen sicherstellen müsse.

Der Widerspruch zwischen der Vermarktung der Meta-KI-Brillen als unkompliziertes Alltagsprodukt und dem Umstand, dass Mitarbeiter in Kenia intime Wohn- und Badezimmeraufnahmen auswerten, bleibt zentraler Kritikpunkt.

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Das sagt Meta zu den Funden

Die Kollegen von COMPUTER BILD haben bei Meta um eine Stellungnahme gebeten. Sie erreichte uns in englischer Sprache und wurde von uns übersetzt. Darin heißt es: „Mit Ray-Ban Meta-Brillen können Sie mithilfe von KI und ohne Einsatz Ihrer Hände Fragen zu Ihrer Umgebung beantworten. Sofern Nutzer die von ihnen aufgenommenen Medien nicht für Meta oder andere freigeben, verbleiben diese Medien auf dem Gerät des Nutzers. Wenn Nutzer Inhalte mit Meta AI teilen, beauftragen wir manchmal externe Dienstleister mit der Überprüfung dieser Daten, um die Nutzererfahrung zu verbessern, wie es auch viele andere Unternehmen tun. Wir ergreifen Maßnahmen, um diese Daten zu filtern, um die Privatsphäre der Menschen zu schützen und zu verhindern, dass personenbezogene Daten überprüft werden.“

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