14. Dezember 2025, 8:50 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Jedes menschliche Ohr hört unterschiedlich. Daher ist es gar nicht so einfach, den für sich passenden Sound zu finden. Der Klang hängt von vielen Komponenten ab, beispielsweise vom Kopfhörer-Modell, ob im Ohr sitzend oder das Ohr umschließend. Zudem klingen MP3-Songs weniger lebendig als Musik in einem verlustfreien Format wie beispielsweise Free Lossless Audio Codec, kurz: FLAC. Wie sich der Sound per Kopfhörer dennoch verbessern lässt, erklärt dieser TECHBOOK-Artikel.
Jedes Smartphone verfügt über einen Equalizer. Mithilfe dieses Tools lassen sich bestimmte musikalische Frequenzbereiche betonen oder abschwächen. Auch die bekannteren Hersteller von Kopfhörern verfügen inzwischen über ausgeklügelte Equalizer-Apps, mit denen sich das Hörvergnügen aufwerten lässt.
Übersicht
Praxis-Tipps für Equalizer
Bei den Klangverbesserungen ist oft von zwei Filtertypen die Rede: Ein Shelving-Filter oder „Kuhschwanz“-Filter wirkt wie ein Master-Regler. Damit lassen sich vorrangig hohe und tiefe Töne regeln.
Ein Bell-Filter oder „Glocken“-Filter verfügt hingegen über feinere Regler. Dieser verändert nur bestimmte Tonbereiche, auch Mitten genannt. Diese lassen sich heben oder senken, so entsteht das Frequenz-Bild einer Glocke.
Um das eigene Klangerlebnis über die Kopfhörer zu verbessern, hilft nur, verschiedene Einstellungen im Equalizer auszuprobieren. Als Hörreferenz eignen sich Songs oder Sounds aus dem eigenen Favoriten-Ordner.
Typische Hörszenarien
- Zu basslastig: Wenn tiefe Töne dominieren, hilft es oft schon, den Bereich um etwa 50 bis 80 Hertz (Hz) etwas abzusenken. Kleinere Anpassungen in den Mitten im Bereich 250 bis 400 Hz reduzieren ein wahrnehmbares Dröhnen in den Ohren.
- Dumpfer Klang: Dieser Effekt lässt sich über die Höhen regeln. Sanfte Pegelanpassungen oberhalb von 8000 Hz sowie eine leichte Anhebung in den Mitten können helfen, den Sound offener klingen zu lassen.
- „Loudness“ erhöhen: Hierbei sprechen Tonexperten von einer „Badewannen“-Kurve im Frequenzbereich. Dabei werden Bässe und Höhen betont sowie Mitten etwas zurückgenommen. Dadurch klingt die Musik voller und lebendiger in den Ohren.
Ein simpler Trick, den auch Toningenieure anwenden: Erst die verschiedenen Equalizer-Regler kurz voll aufdrehen und anschließend wieder herunterpegeln. Auf diese Weise lassen sich Veränderungen am besten heraushören.
Was ein Equalizer nicht kann
Mit den richtigen Einstellungen wächst der Equalizer zu einem mächtigen Werkzeug heran. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen Zauberstab.
Der Sound in den Ohren hängt sehr stark von den klanglichen Qualitäten des Kopfhörers selbst ab. Die Fähigkeit oder besser Unfähigkeit, Bässe zu betonen, lässt sich nicht vollständig über einen Equalizer korrigieren. Verfügt ein Kopfhörer von Haus aus über eine geringe Basskapazität, sorgt ein Anheben der Bässe per Equalizer nur für ein heftiges Wummern in den Ohren. Besser klingt das am Ende nicht unbedingt. Im Zweifel lohnt es sich, anstatt stundenlang in den Einstellungen herumzufummeln, einfach mehr Geld in den Kopfhörer zu investieren.
Wenn das eigene Musikarchiv überwiegend aus Songs mit nur wenig Bassuntermalung besteht oder Lieder sogar komplett ohne Bässe auskommen, schafft es auch kein Equalizer, Bässe hervorzuheben.
Zu starke Anpassungen per Equalizer sind häufig der Grund für hörbare Verzerrungen. Gerade beim Klang braucht es Fingerspitzengefühl. Feine Veränderungen entfalten die größte klangliche Wirkung. Beim passenden Sound hilft weniger oft hörbar mehr.
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So verbessern Sie den Smartphone-Klang
Drittanbieter-Apps: Lohnt sich das?
Neben dem Smartphone selbst bieten inzwischen auch die meisten Musik-Streaming-Dienste eigene Equalizer an. Bekanntere Hersteller von Kopfhörern wie beispielsweise Apple, Bose, JBL, Sennheiser, Sony oder Teufel liefern mit dem Gerät auch meistens eine speziell für den jeweiligen Kopfhörer zugeschnittene App. In der Kombination aus diesen drei Welten sollten sich bereits hörbare Erfolge für die eigenen Ohren einstellen lassen.
Ob es dann noch eine App eines Drittanbieters braucht, ist am Ende Geschmackssache. Zumindest lohnt es sich, solche Apps zusätzlich auszuprobieren.
In vielen Kommentaren über Social Media schneidet beispielsweise die App SoundID von SonarWorks gut ab. Dieses Tool setzt den Fokus gezielt auf das eigene Hörerlebnis und -vermögen. So erstellt die App auf Basis eines Hörtests ein individuelles Klangprofil. Dieses berücksichtigt neben dem eigenen Musikgeschmack auch die persönliche Hörfähigkeit. Dadurch lässt sich der Sound noch etwas individueller gestalten.
Viel Positives berichten Nutzer auch über die Android-App Wavelet. Diese Equalizer-App verfügt bereits über 5000 Voreinstellungen für verschiedene Kopfhörer-Modelle. Viele Einstellungen übernimmt die App automatisch, was den Nutzen für Einsteiger erhöht.
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Medizinischer Hörtest hilft bei Auswahl des passenden Kopfhörers
Bevor Versuche gestartet werden, dem Sound technisch Beine zu machen, hilft möglicherweise vorab der Gang zum Ohrenarzt. Per Hörtest lässt sich fachlich fundiert feststellen, ob jemand eher hohe oder tiefe Töne besser wahrnimmt. Das Wissen darüber hilft, den bevorzugten Frequenzbereich hinterher viel besser klanglich zu optimieren. Zudem zeigt ein medizinischer Test, ob bereits eine messbare Hörschwäche vorliegt. Auch das ist aufschlussreich und beeinflusst den Kauf eines Kopfhörers oder anderer Hilfsmittel, die das Hörerlebnis verbessern.