29. September 2026, 18:34 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Nach einer Razzia in 19 europäischen Ländern wächst bei Käufern die Sorge, statt eines neuen Samsung-Smartphones ein aus gebrauchten Komponenten zusammengesetztes Gerät erhalten zu haben. Tausende Handys sollen auf diese Weise als fabrikneu verkauft worden sein. Da Technik, Verpackung und Versiegelung authentisch wirkten, blieb der mutmaßliche Betrug häufig lange unentdeckt. Bestimmte Auffälligkeiten können jedoch Hinweise liefern.
Tausende Geräte als Neuware angeboten
Ermittler haben bei 160 Durchsuchungen in 19 Ländern ein mutmaßliches Netzwerk von Handy-Betrügern zerschlagen, wie „BILD“ berichtet. Im Mittelpunkt stand unter anderem eine Lagerhalle in Krefeld, in der Tausende gefälschte Samsung-Smartphones gelagert worden sein sollen. Der Schaden für Verbraucher wird auf rund 300 Millionen Euro geschätzt.
Die Täter sollen gebrauchte Smartphones in Asien und im arabischen Raum gekauft haben. Anschließend wurden die Geräte unter anderem in Dubai und Hongkong zerlegt, aufgearbeitet und aus vorhandenen Komponenten wieder zusammengesetzt. Danach erhielten die Smartphones täuschend echt wirkende Verpackungen und Versiegelungen. Weil dabei Originalteile verwendet wurden, ließen sich die Geräte äußerlich kaum von fabrikneuen Modellen unterscheiden.
Auf diesem Weg gelangten die Smartphones nach Europa und wurden über bekannte Online-Plattformen wie Amazon als Neuware angeboten. Zugleich sollen die Täter bei der Einfuhr und beim Weiterverkauf Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben.
Diese Auffälligkeiten können den Betrug verraten
Viele Käufer bemerkten zunächst keinen Unterschied zu einem regulären Neugerät. Die Smartphones wirkten authentisch und funktionierten anfangs wie gewöhnliche Neuware. Mögliche Probleme zeigten sich deshalb teilweise erst nach mehreren Monaten im täglichen Gebrauch.
Zu den Warnzeichen gehören unerwartete Neustarts und häufige Abstürze. Auch ein Akku, dessen Leistung ungewöhnlich schnell nachlässt, kann auf ein bereits genutztes oder aus gebrauchten Komponenten zusammengesetztes Gerät hindeuten. Weitere Hinweise können fehlende Sicherheitsupdates oder Schwierigkeiten bei deren Installation sein. Einige Kunden erfuhren erst bei einer Garantie- oder Reparaturanfrage, dass ihr angeblich neues Smartphone bereits zuvor genutzt worden war.
Wer wegen solcher Auffälligkeiten Zweifel an seinem Gerät hat, sollte schnell handeln. Zunächst sind die Kaufunterlagen zu sichern und das Smartphone sowie der tatsächliche Verkäufer zu überprüfen.
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Das können Käufer jetzt tun
Rechnung, Bestellbestätigung, Versandinformationen und Originalverpackung sollte man aufbewahren. Diese Unterlagen können bei einer Reklamation oder einem möglichen Ermittlungsverfahren wichtig sein.
Die individuelle Gerätenummer, die sogenannte IMEI, lässt sich über die Tastenkombination *#06# anzeigen. Käufer können sie dem Samsung-Support zur Prüfung mitteilen. Der Hersteller bietet dafür mehrere Kontaktmöglichkeiten an und kann feststellen, ob das Gerät auffällig ist oder bereits zuvor genutzt wurde.
Parallel dazu sollten sich Betroffene an den Händler oder die Verkaufsplattform wenden. Bei falsch beschriebenen Produkten können Käuferschutzprogramme greifen. Amazon geht verstärkt gegen Produktfälschungen vor und bietet Maßnahmen zum Schutz betroffener Käufer an.
Entscheidend ist, wer tatsächlich als Verkäufer aufgetreten ist. Auf Amazon und anderen Online-Marktplätzen stammen viele Angebote nicht von der Plattform selbst, sondern von Drittanbietern. Für Reklamationen und mögliche Ansprüche ist daher der tatsächliche Verkäufer maßgeblich. Bei einem konkreten Betrugsverdacht sollten Käufer außerdem Anzeige bei der Polizei erstatten. Auf diese Weise lassen sich möglicherweise weitere Geschädigte identifizieren.
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Vor dem Kauf Shop prüfen
Schon vor dem Kauf können Verbraucher auf verdächtige Angebote achten. Vorsicht ist besonders bei aktuellen Smartphones geboten, deren Preis deutlich unter dem Niveau großer und etablierter Elektronikhändler liegt.
Weitere Warnsignale sind wenige oder auffällig schlechte Bewertungen eines Shops, Beschwerden über Defekte oder Softwareprobleme sowie fehlende oder unvollständige Rechnungen. Auch schwer erreichbare Händler im Ausland und ungewöhnlich große Mengen identischer Geräte können auffällig sein.
Käufer sollten zudem die Verkäuferinformationen und die Dauer der bisherigen Geschäftstätigkeit prüfen. Ein Blick in das Impressum zeigt, ob eine vollständige Firmenanschrift, Kontaktmöglichkeiten und rechtliche Angaben vorhanden sind.
Fehlen diese Informationen oder wirken sie widersprüchlich, sollten Käufer von dem Angebot Abstand nehmen. Das gilt besonders bei hochpreisigen Smartphones, die erheblich günstiger als bei bekannten Elektronikhändlern angeboten werden.